Weltwanderer aus Kanada

von Peter Iden

Trumpeter Swan Pair, Canada

Die jaehrliche Rueckwanderung der Trompeter-Schwaene (Cygnus buccinator) aus den mittleren und weiter suedlich gelegenen US-Staaten (Maryland, Virginia) ist hier in Suedontario im letzten Maerzdrittel zu beobachten. Im Westen Kanada’s von Kalifornien nach Alberta und British Columbia etwa zur gleichen Zeit, im Yukon etwas spaeter.

Sie kehren etwa zur selben Zeit wie die Kanada-Gaense aus dem Sueden zurueck, und man kann sie dann zu Tausenden auf den Schmelzwassern der Felder und Seen sehen. Meine aelteste Tochter und ich machten Samstag, dem 20. Maerz unsere jaehrliche Pilgerfahrt zu einem von den ueberfluteten Feldern etwa 15 Minuten Autofahrt von Wasaga Beach entfernt, ausgeruestet mit drei Kameras, 600mm, 300mm und 150mm Linsen auf drei Stativen.

Whistling Swans and Canada Geese visiting flooded Farm Fields

Zwischen 3,000 und 5,000 Schwaene und Kanada-Gaense waren dort versammelt (etwa ein Viertel von ihnen waren Schwaene). Unser Hauptinteresse galt natuerlich den grossartigen “Trumpeter Swans”.

Trompeten-Schwaene sind durch ihre Groesse sowie ihren schwarzen Schnabel von der anderen Art, dem Tundra-Schwan (Cygnus columbianus), welche einen gelben Schnabelfleck aufweisen, zu unterscheiden.

Tundra Swan

Trumpeter Swan

 

 

 

 

 

 

Die Mute Swans (Cygnus olor) oder Hoeckerschwaene haben leuchtend orangene Schnaebel mit schwarzen Gesichtern. Sie sind die “Park-Variante” die man meistens auf Teichen und Tuempeln in oeffentlichen Parks antrifft. Es ist eine aus Europa eingeschleppte Schwanenart, die sich besonders in Ontario und British Columbia sowie an der US-Ostkueste zunehmend etabliert hat und die Territorien der anderen Schwaene bedroht.

Mute Swan

Bereits seit der ersten Besiedlung Kanada’s wurden diese Schwaene fuer ihr Fleisch und ihre Federn abgeschossen. Spaeter durch die Jaeger, die weder Fleisch noch Federn benoetigten oder benutzten.

Dank der Jaeger wurde die Bevoelkerung der Trompeter-Schwaene im mitttleren 20. Jahrhundert an den Rand des Aussterbens gebracht.

In den 1950’er Jahren war der Fund mehrerer kleiner (vorher unbekannter) Schwaerme von Trompeter-Schwaenen in Alaska und Kanada der Anfang einer 30-jaehrigen Wiedereinfuehrung. die in 1982 in Ontario mit Eiern aus Alaska begann.

Harry Lumsden, ein Biologe der Ministry of Natural Resources in Ontario, brachte in 1982 eine Anzahl von 23 Schwaneneiern aus Alaska nach Ontario und gab nach ihrer Ausbruetung jeweils einige der jungen Voegel an die Eigentuemer von 23 Privat-Teichen ab. Mehr als 540 Trompeter-Schwaene wurden aus deren Bruten freigelassen.

In 2010 wurde ihre Bevoelkerung auf etwa 1,000 Voegel geschaetzt (Quellen: “Ontario Birds” Vol.30, August.2012 und Harry Lumsden in “Lake Simcoe Living”, Jul/Aug. 2014).

Aehnliche Programme in den USA (Minnesota, Iowa etc.) hatten ebenfalls Erfolg. In 1930 gab es nur 69 Trumpeter Swans in Amerika. In Minnesota z.B. brachte die Wieder-Einfuehrung die Schwaene von Null auf 2,000 in 2004 (MN Department of Natural Resources).

Fuer mich als damaliger Toronto Parks Naturalist sind die Trompeter-Schwaene von besonderem Interesse, denn zur Zeit ihrer Wiedereinfuehrung war ich in Toronto auf einem verwandten Gebiet aktiv: der Wiedereinfuehrung der Kanada-Gaense (Branta canadensis) in Kanada.

Allerdings war uns in Toronto nichts von der Trumpeter-Schwan Wiedereinfuehrung bekannt, welche unter einem anderen Programm der Ministry of Natural Resource stattfand. Kommunikation selbst innerhalb derselben Regierungs Departments war damals (und ist noch heute) meistens abwesend. Ich arbeitete fuer Tommy Thompson, dem Parks Supervisor von Toronto. Die Schwaene waren unter der Kontrolle der Federation of Anglers and Hunters.

Die heutige Verbreitung der Kanada-Gaense ueberall im Land brauche ich kaum zu erwaehnen. Die Trompeter-Schwaene sind ebenfalls nach 96-jaehriger Abwesenheit wieder fast ueberall zu finden, nachdem das erste Paar (“Big Guy” und “Lady Girl”) in der Wye Marsh bei Midland in Ontario ausgesetzt wurde.

Die kanadische Geschichte ist angefuellt mit den Jahres-Wanderungen von Tieren, von Beluga-Walen im Osten zu den grossen Walen an beiden Kuesten, von den Karibus zu den Weissen Pelikanen, von den Monarch-Butterflies bis zu den Polarbaeren, und natuerlich denen der diversen Vogelarten wie z.B. Robins und Strandlaeufer.

Auch wir Menschen waren einst Weltwanderer. Wir folgten den Jahreszeiten und flohen vor mehreren Eiszeiten in waermere Gegenden der Welt.

Die Geschichte der Wanderungen der Menschheit aus ihrem Ursprung in Afrika nordwaerts ueber Asien nach Nordamerika und von dort nach Sueden und Suedamerika, und aus Asien ueber die Steppen des Ostens in Eurasien, sind heute durch Funde von Skeletten und Werkzeugen durch Archaeologen, und durch die festen, oft ueberschneidende Palaeontologie-Methoden wie Radiokarbon-Datierung und andere verlaessliche Methoden in aller Welt bewiesen.

Vielleicht ist ja auch der Tourismus eine Art von der uns angeborene Wanderlust bei Menschen, denn wir suchen, wie auch die Tiere, nach denselben Ueberwinterungs-Bedingungen: Sonne, Waerme und Abwechslung im Leben und Essen!

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