Die Geier von Kanada

von Peter Iden


Kanada – das Land der Wildnis und der Wilden Tiere. Besucher versuchen nicht nur die herrliche Landschaft zu geniessen, sondern auch die wilden Tiere zu erspaehen und zu fotografieren.
Die weiter suedlich beheimateten Tiere kennen keine Grenzen und sind im Lauf der Jahrtausende nach Kanada “invasiv eingewandert”. Die Anzahl dieser Arten werden auf 1,442 geschaetzt, inclusive Fische, Voegel, Pflanzen, Insekten und wirbellose Tiere. Um nur eines von ihnen zu nennen: die Beutelratte (als Opossum bekannt), die sich unter Lastwagen aus den Staaten versteckt und dann hier abspringt!
Aber ich moechte mich auf eine Vogelart beschraenken die, wie viele Tiere dem Rueckzug der letzten Eiszeit vor etwa 11,000 Jahren nach dem Norden folgte:
Der Truthahn-Geier (Turkey Vulture – Cathartes aura) ist die zahlreichste Geier-Art in der Neuen Welt. Sein Verbreitungs-Gebiet umfasst 28 Millionen qkm, vom Sueden Kanada’s bis Kap Horn. Die Population der Truthahn-Geier wird auf 4,5 Millionen geschaetzt.

Trotz ihres oft mit gierigen Menschen verglichenen Rufs sind sie fuer Menschen und auch fuer ihre Kinder harmlos.
Sie ziehen offenes Land, subtropische Waelder und Gewaesser, buschiges Land, Wuesten und Vorgebirge vor, werden jedoch auch auf Weiden, Grassland und in feuchten Gegenden gefunden.
In den suedlichen US-Staaten sind sie Dauerbewohner. Aus Kanada jedoch wandern sie im Herbst nach Zentral- und Sued-Amerika und in die Karibik.
Aehnlich der Habichte, die aufsteigende Thermalwinde suchen, die jedoch über dem Wasser der Grossen Seen nicht stark genug sind, folgen sie deren Nordkuesten bis sie an den Luecken der Seen nach Sueden abbiegen. Im Westen sind die Aufwinde der Berge taeglich präsent, und sie folgen ihnen in den Sueden.
Trotz ihrer Vorliebe fuer tote Tiere, die sie mit ihren scharfen Schnaebeln zerreissen, sowie ihrer Angewohnheit an heissen Tagen auf ihre Fuesse zu urinieren um sie zu kuehlen, sind die Truthahn-Geier sehr saubere Voegel. Sie putzen ihre Federn jeden Tag zwei bis drei Stunden lang. Sie baden, soweit moeglich, im Wasser, putzen und schrubben auch dabei eine halbe Stunde lang ihre Federn und setzen sich dann zum Trocknen mit gespreizten Fluegeln auf Pfosten und Zweige.
Ihre Brutzeit beginnt im Maerz und ist auf ihrer Hoehe im April und Mai. Ihr Balzritual ist unkompliziert. Mehrere Voegel sammeln sich im Kreis und huepfen mit gespreizten Fluegeln etwas herum, Ob der beste Huepfer die schoenste Geierin bekommt, ist nicht klar zu ersehen.
Die Truthahn-Geier nesten in Felsenspalten, auf Felsen-Vorspruengen, in Dickichten, Tierhoehlen, verlassenen Nestern von Habichten und Reihern, sowie in verlassenen Gebaeuden. Sie legen 1 bis 3 Eier. Ausserhalb ihrer Brutzeit uebernachten sie oft in kleinen Gruppen in Baeumen, zu denen sie immer wieder zurueckkehren.

Auf meinen taeglichen Sommer-Wanderungen an den Straenden von Wasaga Beach sehe ich jedesmal die Turkey Vultures ihre Kreise ueber Land und entlang des Ufers ziehen, auf der Suche nach Karkassen. Sie suchen nach frisch getoeteten Tieren und moegen keine alten und verwesten Karkasse.
Mit ihrem unglaublichen Sehvermoegen und ihrem erstaunlichen Geruchssinn koennen sie die in Kanada auf unseren Strassen zahlreichen ueberfahrenen Tiere (hier als “roadkills” bekannt) sowie tote Moeven am Strand aus mehr als 1,000 m Hoehe erkennen und aus mehr als einem Kilometer entfernt riechen.  Sie fressen alles bis auf die Knochen, sind also eine „Reinlichkeits-Polizei“ fuer die kanadischen Strassen.

(Anmerkung: die Auswahl der Bilder in diesem Beitrag liegt einzig und allein in meiner Verantwortung unter der Fair Dealing Provision der kanadischen Copyright-Gesetze).

 

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