Ein Jahr – NICHT – in Kanada. Eine Bilanz!

von Ira Hoch
Was ist passiert? Wie konnte das geschehen?

Ich wollte vier ganze Monate in Kanada verbringen, mit den Flugtickets schon in der Hand ereilte mich – Corona! Ja, ja ich weiß, das Reisen ist nicht das Wesentliche angesichts dieser Gefährdungssituation … und es geht uns doch gut und … Hauptsache gesund!

Und da kann ich auch wirklich nicht klagen!

Gesund bin ich geblieben, meine Lieben auch, ich habe einen sicheren, systemrelevanten Job und mein Pferd, die Siri, die mich durch die tiefen Wälder trägt, selbstverständlich coronakonform alleine und ohne soziale Interaktionen.  Damit geht’s mir viel besser als vielen, wenn nicht sogar königlich. Das ist mir klar.

Trotzdem, irgendwas passiert mit mir!

Ich ertappe mich dabei, schwere Holztransporter zu fotografieren, die massive Stämme geladen haben und sich durch steile Serpentinenstraßen abwärts wälzen, gerne vor dem Hintergrund schroffer Felswände in den bayerischen Alpen. Verfallene Heuschober oder alte Scheunen werden auch gerne genommen und natürlich Seelandschaften in malerischer Natur. Überhaupt wählt meine Kamera ständig Motive aus, die man – mit etwas Geschick – leicht zur Kanada-Kulisse faken könnte.

Warum nur?

Ach ja, da findet sich auch noch flaschenweise Ahornsirup in meinem Küchenschrank, der wird schon flockig, da kein Mensch so viel davon verbrauchen kann, wie ich nachkaufe … und dauernd zaubere ich Poutine auf den Tisch, Beaver Tails gelingen mir leider nicht.  Mehr und mehr meiner eigenen Kanada-Fotos zwängen sich, zu Postern aufgebläht, in die restlichen Lücken an den Zimmerwänden und kleiner Mitbring-Nippes, aus den vergangenen Reisen, findet sich auf Podestchen und Tischchen arrangiert, die fast schon kleinen Altaren zu gleichen beginnen.

Hilfe! Ich mache mir Sorgen!

Zum einen um meinen Verstand, zum anderen um meinen Geldbeutel.

Denn: wiederholt bin ich dem hemmungslosen Kaufrausch erlegen, zum Beispiel hier auf der KanadaSpezialist.com-Seite im Kanada-Shop! Kontrollverlust pur! Die Sachen sind aber auch zu schön, nützlich und voller Links zu Sehnsuchtslandschaften und Orten, da geht mir einfach das Herz auf.

Und somit kennt mich mein Umfeld fast nur noch in Textilien mit Kanada-Logos gehüllt herumgeisternd, wie ein fleischgewordenes Kanada-Maskottchen.

An meinem Hals hängt ein als Anhänger gefasster Loonie am Lederbändchen, um den werde ich beneidet. Ein echter Renner für andere Süchtige auf Entzug!

Meine arme Siri muss mit mir durch die heimischen Wälder klettern, wie 2018 mein Wanderreitpferd Rocky in Alberta in den Rocky Mountains. Ich befinde mich auf Fotosafari nach unseren heimischen Elks und fühle mich dabei wie am Rande des Bow Valley Parkways zwischen Banff und Lake Louise, wo mir großartige Aufnahmen gelangen … und ein Nachhall der damaligen Glückshormone kitzelt mir wieder das Herz!

Trotzdem gelingt es mir einfach nicht mehr, Geschichten zu schreiben. Irgendwie ist alles erzählt.

Der Alltag ist jetzt zu ernsthaft geworden für Inspiration und wenn doch, dann in anderer Form. Der Esprit ist verloren gegangen.

Ich muss sagen, mir fehlen Kanada und die Menschen, die ich dort kenne, enorm.  Es bedeutete schon immer mehr als einfach nur eine Reise, dort zu sein … dort sein zu dürfen!

Ich denke, ich bin mit diesem Gefühl nicht alleine.

Der erzwungene Stillstand durch Covid hat klar herausgezeichnet, wo die Quellen der Inspiration und Freude für jeden Einzelnen liegen mögen.

Eben gerade durch deren Verlust oder auch Verzicht darauf. Für eine Weile. Hoffentlich.

Auch wenn es egoistisch klingen mag, ich finde es existenziell wichtig und legitim, an diesen Qualitäten festzuhalten. Sich auszurichten nach dem Funkenschlag, der uns zum Lodern bringt, uns für etwas brennen lässt.

Der Dalai-Lama sagt das Streben nach Glück ist der Motor des Menschen. Das ist ein toller Satz für mich! Denn ein glücklicher Mensch ist immer auch ein besserer Kollege, ein hilfsbereiterer Nachbar und ein freudvollerer Mitmensch.

Ein stärkerer Freund. Einfach ein Mensch mit Strahlkraft.

Das tut allen und allem gut.

Daher wünsche ich uns allen Glück. Das, das uns findet und auch das, das wir suchen.

Und hey, meine Tickets habe ich ja noch!

Happy trails!

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