Kanada Einwanderung drastisch reduziert? Zahlen, Fakten und Chancen 2026

Kanada aktuell 2026 Teil 2

von Gerd Damitz
Kanada Einwanderung drastisch reduziert? Zahlen, Fakten und Chancen 2026

Kanada Einwanderung drastisch reduziert?

Wieder so eine Schlagzeile, die niemand nachgerechnet hat — ein dramatischer Satz, der ungeprüft durch die Medien wandert. Im ersten Teil war es die „Wirtschaftskatastrophe“, diesmal ist es die Behauptung, Kanada habe seine Einwanderung „drastisch reduziert“. Auch das klingt nach Niedergang, und auch das hält der Prüfung nicht stand. Es ist nun wirklich mein Thema — also schauen wir wieder in die Primärzahlen der Einwanderungsbehörde ‚IRCC‘ statt in die Schlagzeile.

Kanada aktuell Einwanderer Statistik

Die Entwicklung der letzten zehn Jahre sieht so aus: 2015 waren es rund 272.000 ‚Permanent Residents‘, dann ging es Jahr für Jahr nach oben, 2020 kam der pandemiebedingte Einbruch auf nur ~185.000, und danach folgte ein historisches Hoch — Spitzenwert 2024 mit 483.640 Personen. Für 2025 sind es nach vorläufigen Zahlen rund 393.500 (das offizielle Ziel lag bei 395.000, also praktisch punktgenau getroffen).

Und jetzt die Einordnung, auf die es ankommt: Ja, gegenüber dem Rekordjahr 2024 ist das ein Rückgang, von 484.000 auf 394.000, also rund minus 19 %. Aber 393.500 entsprechen ziemlich genau dem Niveau von 2021 (~405.000) — und 2021 wurde Kanada noch dafür gefeiert, wie kraftvoll es nach der Pandemie Zuwanderung organisiert. Anders gesagt: Das angeblich „drastisch reduzierte“ Kanada nimmt 2025 immer noch mehr dauerhafte Einwanderer auf als in jedem einzelnen Jahr zwischen 2015 und 2020. Von „Notbremse“ kann da keine Rede sein.

Was tatsächlich passiert, ist etwas anderes — und es passt zu dem, worüber ich hier bereits geschrieben habe. Nach dem enormen Boom der Jahre 2022 bis 2024, der den Wohnungsmarkt und die kommunale Infrastruktur real überdehnt hat, fährt Kanada planvoll auf ein nachhaltigeres, aber immer noch sehr hohes Niveau zurück. Der Immigration Levels Plan 2025–2027′ sieht 395.000 (2025) und je 380.000 für 2026 und 2027 vor (Quelle: IRCC). Das ist eine Normalisierung auf hohem Plateau, keine Abkehr von der Einwanderung.

Und was ist nun mit den viel beschworenen „immer weniger Deutschen“? Stimmt schon — 2025 zogen nur noch rund 1.800 Deutsche nach Kanada (Quelle: Statistisches Bundesamt), gegenüber etwa 3.000 im Jahr 2005. Aber bevor daraus eine „Krise“ der kanadischen Einwanderung gebastelt wird, zwei nüchterne Punkte:

Erstens reden wir über eine winzige, völlig untypische Gruppe: Über das ganze Jahrzehnt bewegte sich die deutsche Auswanderung nach Kanada in einem schmalen Band von gut tausend bis dreitausend Personen pro Jahr -mit dem üblichen Corona-Loch 2020/21-, nie war es eine Massenbewegung. Kanadas ‚Permanent Residence’-System richtet sich global an qualifizierte Fachkräfte; die größten Herkunftsländer sind seit Jahren Indien, die Philippinen und China. Aus 1.800 Deutschen lässt sich über ein System, das jährlich fast 400.000 Menschen aufnimmt, schlicht nichts ableiten.

Zweitens ist der Rückgang gar kein Kanada-Sondereffekt. Die deutschen Zuzüge in die USA sind im selben Zeitraum um 35 % gefallen, und insgesamt haben 2025 so viele Deutsche das Land verlassen wie nie zuvor — sie wählen nur nähere, billiger erreichbare Ziele wie die Schweiz, Österreich oder Spanien. Der Trend sagt also mehr über deutsches Auswanderungsverhalten aus als über Nordamerika. Und die in den NTV- und Stern-Meldungen genannten Gründe -Wohnungsnot, Klima, Arbeitsmarkt- stehen so gar nicht in der Destatis-Veröffentlichung; das ist redaktionelle Deutung, teils wortgleich von KI-Aggregatoren übernommen, die selbst auf mögliche ‚Halluzinationen’ hinweisen.

Womit wir beim eigentlich interessanten Punkt wären — denn an einer Stelle hat Kanada tatsächlich kräftig auf die Bremse getreten, nur eben nicht bei den Permanent Residents, sondern bei den temporären Aufenthalten. Genau die waren in den Boomjahren aus dem Ruder gelaufen. Die Zahl der Studienerlaubnisse etwa ist von über einer Million im Januar 2024 auf rund 725.000 im September 2025 gefallen, und für 2026 deckelt ‚IRCC’ sie auf 408.000 — rund 16 % weniger als 2024 (Quelle: IRCC). Das erklärte Ziel: den Anteil der temporären Bewohner an der Bevölkerung bis Ende 2027 unter 5 % zu drücken.

Und das hat einen handfesten Nebeneffekt, der in der deutschen Berichterstattung komplett fehlt: Der überhitzte Wohnungsmarkt entspannt sich. Wo weniger Menschen gleichzeitig eine Wohnung suchen, wächst das Angebot — die Leerstandsquote bei Mietwohnungen kletterte 2025 auf 3,1 % (nach 2,2 % im Vorjahr), Vermieter locken wieder mit Anreizen, und die Angebotsmieten geben nach (Quelle: CMHC, Rental Market Report 2025). In Montreal machte die durchschnittliche Angebotsmiete im Oktober 2025 noch 30,3 % des Mietereinkommens aus — nach 34,2 % zwei Jahre zuvor. Die staatliche Wohnungsagentur ‚CMHC’ erwartet, dass sich die Bezahlbarkeit über die nächsten Jahre weiter verbessert, weil gerade die temporäre Zuwanderung gedrosselt wird — nicht die dauerhafte — und zugleich viel neuer Wohnraum fertig wird.

Für wen das gut ist? Für alle, die in Kanada wohnen oder hinwollen. Ausgerechnet die Wohnungsnot, die hierzulande als Argument gegen Kanada angeführt wird, wird durch die gedrosselte Temporär-Zuwanderung gerade kleiner — zugunsten von Mietern und, mittelfristig, auch von Käufern. Das ist die ironische Pointe der ganzen Debatte: Was als Beleg für Kanadas Niedergang erzählt wird, ist in Wahrheit eine gezielte Korrektur, die den Standort attraktiver macht, nicht unattraktiver.

Ausblick: Wo die Chancen liegen

Womit wir beim spannendsten Teil wären — und beim eigentlichen Grund, warum ich als Einwanderungsberater überhaupt so genau hinschaue. Denn wenn die Schreckensbilder nicht stimmen, drängt sich die umgekehrte Frage auf: Welche Chancen eröffnet ein Kanada, das wirtschaftlich vorne mitspielt, gezielt in Energie und Rohstoffe investiert, Bürokratie abbaut und nebenbei den überhitzten Wohnungsmarkt entspannt? Welche Berufe sind gefragt, welche Wege führen hin, und ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt? Genau darum geht es im dritten und letzten Teil.

Fortsetzung folgt.

Ihr Gerd Damitz

Hier geht’s zu Teil 1

 * Gerd Damitz (Dipl. Kfm.U) ist lizenzierter kanadischer Einwanderungsberater mit staatlicher Beratungsgenehmigung für Deutschland, Business Stratege, Lobbyist und Adjunct Professor (sinngemäß Honorarprofessor) an der Queen’s University, mit einer Berufserfahrung von 30 Jahren. Er war maßgeblich an der Gründung und dem Aufbau des kanadischen Einwanderungsberater-Berufsverbandes CAPIC und der kanadischen Einwanderungsberater-Aufsichtsbehörde CICC beteiligt. Er ist Präsident von Amirsalam & Damitz Canada Immigration Counsel (www.VisasCanada.com) und kann für Einwanderungsfragen und -beratung unter info@visascanada.com erreicht werden.

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1 Kommentar

Otto Stalder 29. Juni 2026 - 12:57

Liebe Alle! Ich finde es schade meine Freunde Bruno Niederer vor 50 Jahren aus der Schweiz nach Thunder Bay und Dieter Kaufmann als Grafiker haben viel getan dass Canada gross wurde beide haben sich Super integriert und Familie.
Was ich nicht verstehe sind die Büro Sesselfurzer die heute nicht mehr BerufsProfi hineinlassen und ein Riesen Theater machen. Dafür Taxifahrer in Toronto wo nicht einmal wissen wo man hin möchte.
Ich hätte als Pensionär ohne viel Lohn der Gemeinde Wawa verschiedenes helfen können auch mit meinem Bärntütsch Englisch aber Sesselfurzer verhindern dass Wissen nach Canada kommt! Es muss nicht immer HighTech wissen von Grossfirmen sein. Canada hat von Pionieren profitiert!

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