Indianische Spiel-Kasinos in Kanada und den USA

von Peter Iden

Es gibt eine Seite des Lebens der “Natives” (den „First Nations“) in Kanada und den USA, von der man besonders in Europa kaum etwas hoert, liest oder sogar weiss.

In Nord-Amerika werden zahlreiche Spiel-Kasinos und viele Bingo-Hallen von Indianern betrieben. Es gibt etwa 500 solcher Kasinos und Spielhallen in 28 Staaten der USA. 240 der 562 anerkannten Staemme in den USA und Kanada haben ihre eigenen Kasinos, in denen mehr als 700,000 Angestellte arbeiten.

Insgesamt waren die Einnahmen der Native Casinos in Nord-Amerika im letzten Jahr etwa 27 Milliarden Dollar. 40% der Netto-Einnahmen gehen an die Staemme, und das ist immerhin keine Kleinigkeit fuer die „First Nations“.

Kasinos werden nur in der Naehe der grossen Staedte gebaut. In Ontario sind es die indianischen Kasinos in Rama, Port Perry und Kenora, alle weniger als 2 Stunden von Toronto und anderen Staedten entfernt. Die Ausnahme ist das Casino in Windsor, welches in 2008 von der amerikanischen Caesars Casino- und Hotel-Kette uebernommen wurde. British Columbia hat 12 Kasinos, keines davon „Native“. 22 der 31 Spielkasinos in Kanada liegen in Alberta, davon sind 4 Native. In Saskatchewan sind 2 der 7 Kasinos Native; in Manitoba 3 von 7; keines der 3 Kasinos in Quebec ist Native; New Brunswick 3 aus 3; Nova Scotia 0 aus 3.

In Provinzen wie Prince Edward Island, Newfoundland and Labrador, Nova Scotia, oder in den drei Territorien fehlt das Potenzial, genuegend Spieler anzulocken. Quebec ist eine der beiden Provinzen, die bisher den Natives das Recht zu Casinos verwehrt haben. British Columbia ist die andere.

Das Grund-Konzept, die Spielkasinos den Indianern zu ueberlassen, war urspruenglich gut: sie sollten ihnen bezahlte Arbeit verschaffen, sie aus ihrer Armut heraus bringen, und nebenbei noch Geld fuer die Staemme verschaffen. Das „Arbeit verschaffen“ funktioniert allerdings nicht. In den indianischen Spiel-Kasinos (nicht nur in Ontario) sieht man kaum Indianer, die dort arbeiten. Sie brauchen die Jobs nicht, denn jedes Stammes-Mitglied bekommt einen Anteil aus dem Profit ihrer Kasinos.

Die Spielkasinos in Kanada sind zum Teil gewaltige Strukturen, zwar nicht so exzentrisch wie die in Las Vegas, Reno oder Atlantic City, aber trotzdem sehr imposant. Casino Rama, etwa eine Stunde noerdlich von Toronto in der Rama-Reservation gelegen, hat 2,500 slot machines, mehr als 110 Spieltische, neun Restaurants, eine Musikhalle mit 5,200 Sitzen und Spitzen-Unterhaltung, ein 300-Zimmer Hotel mit „Health Spa“ und Sport-Klub.

In Ontario allein bekommen 133 Indianer-Staemme etwa 60 Millionen Dollar jaehrlich aus dem Profit des Casino Rama. Es ist anzunehmen, dass ihnen aehnliche Summen aus den anderen Kasinos zukommen. Alle der Kasinos wurden im Namen der Regierung erbaut, zum groessten Teil auf Reservat-Laendereien, und natuerlich mit erheblichen Steuergeld-Subventionen (Indianer zahlen keine Steuern!). Die Austeilung und Auszahlung der Rama-Gelder an die verschiedenen Staemme wird von einem Kommittee von fuenf Mitgliedern entschieden und hat schon Anlass zu mehreren juristischen Streitigkeiten gegeben, die allein zwischen 2002 und 2006 sieben Millionen Dollar kosteten. Dazu kommen die Gehaelter und Kosten des Kommittees von beinahe zwei Millionen Dollar. Also nichts Neues in der Verwaltung von gemeinnuetzigen Geldern, die fuer Wohltaetigkeits-Zwecke gedacht sind.

Spielkasinos, Lottos, Bingo, Pferderennen, On-line Gambling und andere legalisierte Gluecksspiele sind eine enorme Quelle von indirekten Steuern fuer die Regierung. Allein in Ontario nimmt die Regierung jaehrlich etwa zwei Milliarden Dollars durch “Gambling” ein, als ein gesetzlich geregelter “Anteil” an diesen Aktivitaeten. „Government Gambling“ ist erlaubt, „Private Gambling“ ist gesetzwidrig. In US-Staaten wie Nevada ist sogar Prostitution gesetzlich erlaubt, natuerlich weil sie Steuern abwirft.

Eine Insel wie das US-Protektorat Puerto Rico hat nicht weniger als 28 Spielkasinos, weil es ein grosses Touristenziel ist. In der Spiel- und Prostitutions-Hoelle Nevada dagegen gibt es 356 Gambling Casinos, von denen allerdings nur 3 von Natives betrieben werden. Las Vegas hat 154 Casinos, Reno 23. Im US-Staat Hawaii dagegen (einem weitaus groesseren Touristenziel), ist jede Art von Gambling verboten.

In Kanada wird das “Gambling”, der Alkohol und das Tabak-Geschaeft hauptsaechlich durch die Regierungen kontrolliert oder sogar betrieben. Die Ironie liegt darin, dass dieselben Regierungen, die damit einen gewaltigen Profit machen, zur selben Zeit diese Aktivitaeten als gesundheitsschaedlich bekaempfen. Ein kleiner Prozentsatz des Profits wird dazu gebraucht, den Menschen beizubringen, dass “Gambling” sowie der Konsum von Alkohol und Tabakprodukten die totale Abhaengigkeit von diesen Aktivitaeten und Produkten foerdert. Im Fall des Kasino-Profits der Regierung werden nur etwa 2% fuer die Bekaempfung von Spielsucht verwendet.

Die beiden groessten Spielkasinos der Welt sind nicht in Atlantic City, Las Vegas, Reno oder Europa, sondern im Staate Connecticut in den USA. Das Foxwood Resort Casino in Ledyard wird vom Mashantucket Pequot Stamm betrieben, und nimmt jaehrlich 1,5 Milliarden Dollar ein. Das Kasino hat 7,200 „Slot Machines“ („one-armed-bandits“) und 380 Spieltische auf 29,170 qm. Das zweitgroesste Kasino der Welt, der Mohegan Sun Resort and Casino bei Uncasville in Connecticut wird vom Mohegan Stamm in Zusammenarbeit mit einem suedafrikanischen Gambling Konglomerat betrieben. Das Casino hat 3,000 „Slot Machines“ und 180 Spieltische auf 14,000 qm. 25% des Profits geht an den Staat Connecticut. In den ersten 10 Jahren (seit 1992) erhielt der Staat nur von Foxwood insgesamt 1,7 Milliarden Dollar. Beide Kasinos liegen etwa halbwegs zwischen New York und Boston.

Statistisch gesehen profitieren die „Natives“ enorm durch die Kasinos ihrer Staemme. Die Fort McDowell Nation in Arizona ist wahrscheinlich das beste Beispiel dafuer; zwischen 1990 und 2000 hat sich das Haushalts-Einkommen aus dem Kasino-Erloes des Stammes von $ 18,182 auf $ 50,313 beinahe verdreifacht. Welcher Indianer will dafuer noch arbeiten?

Auf der anderen Seite existieren in vielen indianischen Ortschaften wie z.B. auf der Tobique First Nation Reservation nahe Grand Falls, New Brunswick, kleinere „Gambling Facilities“ wie „Lucky’s Entertainment“, mit etwa 200 Lotterie-Maschinen, die etwa $ 750,000 Dollar pro Jahr fuer den Stamm auswerfen. Chief (Haeuptling) Gerald Bear sagte kuerzlich, dass sein Stamm ohne diese Beihilfe nicht existieren koennte. Das bringt natuerlich die Frage auf, wieviele Nicht-Mitglieder des Stammes ihr Geld in diese Maschinen stecken, oder ob die Natives all ihr Geld dort verlieren.

Der „Kasino-Reichtum“ vieler Indianer-Staemme bringt natuerlich noch eine andere Frage: wenn die Staemme so reich sind, warum gibt es dann so viele arme „Natives“ auf den Strassen der grossen Staedte? Die Antwort ist alles andere als leicht. Fakten wie Mentalitaet, soziale Gewohnheiten, Alkohol, Drogen und vieles andere spielen eine grosse Rolle im Leben der Indianer. Tatsache ist auch, dass viele ihren Status als registrierte Indianer verloren haben und daher keine Gelder mehr von der Regierung oder von ihren Staemmen bekommen. Dazu eine Erklaerung der Torontoer Mi’kmac-Rechtsanwaeltin Pam Palmater, welche die Non-Status-Situation klarstellt.

http://www.500nations.com/Indian_Casinos.asp

http://www.indiangaming.org/

http://www.nonstatusindian.com/bio/default.htm

http://nonstatusindian.blogspot.com/2010/01/what-is-non-status-indian.html

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

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