Am 24. Juni ist Kanada blau – besonders in Québec – Über den Autor Peter Dambier

von Peter Dambier

1956 habe ich das Licht der Welt erblickt und eines fiel mir gleich auf: Dunkel ist es und viel zu eng. Es war die Altstadt von Heppenheim, zwischen Hessen, Baden-Würthemberg und Rheinland Pfalz, aber eigentlich zu keinem der drei zugehörig.

Ein Umzug in die Weststadt hat mir für kurze Zeit Erleuchtung gebracht, aber nicht lange, dann wurde die Aussicht von Hochhäusern verbaut und lange Schatten bestärkten das Gefühl, daß hier nicht das Paradies liegen konnte.

Das Gymnasium und erste zaghafte Kontakte mit Französich und Englisch zeigten mir, daß hier nicht der Stein der Weisen liegen konnte. Wie paßt eine Sprache, die nur aus Ausnahmen zu bestehen scheint und der wichtige Teile fehlen, zu einem Land in dem alles geregelt ist und Ausnahmen gnadenlos ausgemerzt werden?

Beschäftigung mit meiner Muttersprache, Hessisch, zeigte mir, daß dies nicht immer so gewesen sein muß. Sprachliche Schätze wie das hessische „kad kadde how“ oder seine eifelaner Entsprechung „gift gen grid“ lassen eine Zeit erahnen, die schon lange vergessen war, als die Vergangenheit sich vollendete. Die Spanier kennen diese Zeit und die Franzosen können sie beschreiben. Obwohl es diese Zeit im Englischen auch nicht gibt, wird sie doch von den Engländern, bei tiefsinnigen Gesprächen benutzt, besonders wenn es um Werwölfe oder Elfen geht.

Als wir am Lac-Saint-Jean waren, in der Heimat des Loup Garaux, des Werwolfes, da haben wir gelernt, das wir keine Angst haben brauchen. Der frißt nur die Roten. Und deshalb ist der Autor blau.

Die Sprache ist unser ältestes und vielleicht schönstes Spielzeug. Man kann sie nicht lernen, aber man kann damit spielen und je mehr man damit spielt, desto besser wird man.

Ein guter Tag mit der französischen Sprache zu spielen, ist der Jour Du Saint Jean Baptiste, der 24. Juni. Da ist ganz Kanada blau, besonders in Québec. Die ganze Nacht trift man Menschen die auffällig blau gekleidet sind und auch die Stimmung ist blau und den Loup Garaux haben wir glücklicherweise nicht gesehen.

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