Skurriles aus Kanada Nr. 9

von Bernadette Calonego

Schicke Schulden

von Bernadette Calonego, VancouverIMG_4701 - Copy

Ich weiss, dass mich meine Nachbarn ein bisschen bemitleiden. Ich wohne „nur“ zur Miete, während alle Kanadier, die es sich leisten können, ein Haus kaufen. Das sind rund 70 Prozent der Haushalte. Die Mieter dagegen sind mit einem Makel behaftet. Sie gelten als Verlierer, Randständige, Entwurzelte. In Vancouver gibt es zwar mehr Mieter als in anderen Teilen Kanadas, weil hier das Wohneigentum so teuer ist. Aber wer irgendwie kann, kauft sich wenigstens ein „Condo“, eine Eigentumswohnung in der Agglomeration. Ich besitze ein Auto, das hebt meinen sozialen Status ein wenig.

Der Linienbus in meiner Gegend wird im Volksmund „Loser Cruiser“ genannt, was soviel wie „Transport für Verlierer“ bedeutet. Allerdings sind die teuren Autos an meiner Strasse, das weiss ich inzwischen, alle auf Pump gekauft. Dass ich keine Schulden mache, finden meine Bekannten wirklich komisch. Manchmal fühlt sich Kanada wie eine Klassen-Gesellschaft an. Da gibt es jene Verdiener, denen der Arbeitgeber die Krankenkassenprämien bezahlt, Augen- und Zahnarzt inbegriffen. Und die Ehepartner sind auch gleich gratis mitversichert. Nicht zu reden von den Mitgliedern der Gewerkschaften, die Krankentage wie Urlaub beziehen. Da sind die zahlreichen Beamten, die mit 55 in den Ruhestand gehen – was überhaupt das Ziel vieler Kanadier ist. Falls sie bis dann nicht in Schulden versinken.

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