Container-Einwanderung nach Kanada

von Peter Iden am 30. Oktober 2009

Einwanderung nach Kanada mit einem Container

Die 10 Container-Gebote für die Einwanderung nach Kanada

Viele Einwanderer nehmen heutzutage fast ihren gesamten Haushalt mit nach Kanada. Andere wiederum verschleudern ihren Haushalt im Heimatland und beschraenken ihre Mitbringsel auf eine oder mehrere Kisten. Diese “Gebote” sind fuer diejenigen gedacht, die ihren Haushalt in einen 20-Fuss oder sogar 40-Fuss Container verstauen.

Es gibt bei der Eiwanderung mit Schiffs-Containern einige Tips, die zu beachten sind.

Wer ein paar Dollar sparen will, kann sich nach dem billigsten Preis umsehen, aber das ist meistens nicht der beste und billigste Weg, besonders wenn der deutsche Spediteur keine festen Geschaefts-Verbindungen in Kanada hat.

Die groesseren Firmen (Schenker, Kuehne und Nagel, Panalpina usw.) sind etwas teurer, aber sie sind hier in Kanada sehr weitgehend repraesentiert.

  1. Der Frachtbrief muss eine “Through Bill of Lading” sein, d.h. er muss die “door-to-door” Befoerderung beinhalten. Leider machen einige Leute immer wieder den Fehler, ihre Container- Sendung am Ankunfthafen in Kanada zu terminieren. Sie glauben, dass sie damit Geld sparen. Aber innerhalb der Stadtgebiete kostet die Anlieferung eines 20-foot Containers etwa $ 250, oder etwa $ 350 fuer einen 40-footer. Eine Anlieferung auf 150 km kann $ 750 und mehr kosten, dazu heute noch eine “Fuel Surcharge” von 18% bis 27%.

  2. Private Container muessen persoenlich von den Eigentuemern durch den Zoll gebracht werden. Das kann und darf kein Spediteur machen, weil sich der Eigentuemer dem Zoll gegenueber als solcher ausweisen muss.

  3. Auf jeden Fall muss eine Liste mit dem Inhalt eines Containers vorhanden sein, falls der Zoll diese sehen will. Darauf brauchen allerdings nicht jedes Besteck, jedes Kleidungsstueck usw. separat aufgefuehrt werden, sondern eben nur “Kitchen- and tableware”, “used clothing” usw.

  4. Groessere sowie elektrische und elektronische Geraete muessen separat aufgefuehrt werden, zusammen mit ihrem Gebrauchtwerten (used values). Der Import von Autos, Schusswaffen, Esswaren, Alkohol und anderen Sachen unterliegt separaten Regeln in Kanada.

  5. Eine sehr wichtige Frage an den Spediteur ist, wie lange man Container zum Ausladen zur Verfuegung hat. In den Stadtgebieten ist das meistens 24 Stunden, in weiter abgelegenen Ortschaften oft nicht laenger als zwei Stunden. Fuer Extra-Stunden muss man je nach Lokalitaet etwa $ 50 bis $75 pro Stunde bezahlen.

  6. Ebenfalls sehr wichtig ist die Frage, wo der Container waehrend des Entladens geparkt werden kann oder darf. Besonders in Stadtgebieten koennte es gesetzlich nicht gestattet sein, einen Container ohne Genehmigung am Strassenrand oder auf einem gemeinsamen Fahrweg abzustellen.

  7. Bei der Einwanderung vor dem Zeitpunkt, an dem der Container ankommt, wurde schon erwaehnt, dass man seine Inhalts-Liste bei der Einwanderung vom Zoll abstempeln laesst (als “goods to follow”).

  8. Auf jeden Fall sollte man niemals einen vollen Container laengere Zeit irgendwo unterstellen lassen. Die Lagergebuehren (Storage) liegen in vielen Faellen zwischen $ 75 und $ 200 pro Tag. Dazu kommen dann noch die Container-Miete (Demurrage) und andere Spesen, die sich zusammen auf Tausende von Dollars summieren koennen.

  9. Der beste Weg – sollte noch keine Wohnung vorhanden sein – ist sich einen der ueberall in Kanada vorhandenen “Storage Units” zu mieten (Kostenpunkt in Toronto zwischen $ 150 bis $ 200 pro Monat, den Container dort hin bringen zu lassen und in die Storage Unit umzuladen. Eigentuemer muessen auf jeden Fall dabei sein.

  10. Der anliefernde Trucker ist absolut nicht verpflichtet, bei der Entladung zu helfen, aber wenn nicht genuegend Leute dafuer zusammen kommen, laesst ein Fuenfziger Dollar-Schein Wunder geschehen!

Einige zusaetzliche Gebote: Man kann natuerlich seinen Haushalt selbst in einem Container verstauen. Aber das ist absolut nicht zu empfehlen, denn dazu gehoeren Experten. Die grossen Spediteure haben solche Leute, und auch die Materialien dafuer. Ausserdem koennte unsachgemaesse Verpackung im Falle von Transportschaeden ein Grund zur Ablehnung von Schadenersatz durch den Spediteur oder den Versicherer sein.

Falls ein Container tatsaechlich mit beschaedigtem Inhalt angeliefert wird, sollte er auf keinen Fall entladen werden, sondern sofort durch ein Mitglied oder Agenten des Spediteurs oder seiner Versicherungs-Firma begutachtet werden. Es ist sehr wichtig, eine Kopie des Gutachtens sofort bei seiner Ausstellung anzufordern.

Ein Schadens-Ersatz kann viele Monate in Anspruch nehmen, weil der Container auf seiner Ueberfahrt durch zahlreiche Firmen-Haende weiter gereicht wurde (von denen jede natuerlich die Schuld auf eine andere Partei abwaelzen will).

Peter Iden Kanadischer Zoll-Spezialist Brampton, Ontario, Kanada

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{ 7 Kommentare… unten lesen oder hinzufügen }

Peter Dambier 2. November 2009 um 11:55

Danke Peter. Wir überlegen heute schon bei jeder Anschaffung, wird es halten bis zu unserer Auswanderung, blos nicht länger. Zwei Umzüge in den letzten Jahren lassen uns die Haare zu Berge stehen. Der Lieferwagen war kleiner als ein 20 Fuss Container und wir wussten sofort wohin mit dem Inhalt.

Herbert Boenisch 4. Dezember 2009 um 11:41

Hallo Peter,
im Prinzip kann ich Dir nur zustimmen, wir haben unseren Container im April 2009 kommen lassen.
Als Ergaenzung die Preise : X-ray im LA /USA 350.- Dollar. War nicht zu verhindern, weil die Reederei das Schiff umgeladen hat. Gebuehr Abholung vom Hafen zur Spedition 350,- Dollar.
Zollabfertigung war Problemlos.
Wir haben selber be/und entladen, es gab keinen Bruch. Der Transport bis vor unser Haus haette 1800 Dollar gekostet (750km). Allerdings war der Container bis Vancouver 20 Fuss etwa 2400,/Euro teuer und haette sich bei Ablieferung bis Valemoutn verdoppelt.

Allerdings war die Geschichte insgesamt sehr kompliziert. Ich werde Sie vielleicht hier im Blog veroeffentlichen.

Alles Gute

Herbert

Thomas Stünkel 4. Dezember 2009 um 11:47

Hallo Herbert,

ich würde mich sehr freuen, wenn Du Deine Erfahrungen hier auf KanadaSpezialist.com veröffentlichst!

Viele Grüße

Thomas

Logistiker 4. Dezember 2009 um 13:46

Achtet auf jeden Fall drauf, daß das Frachtangebot auf door-2-door lautet um versteckte Kosten zu vermeiden.
Einfach heißt das also: die Ware wird bei Euch abgeholt, Ihr verladet in einem festgelegten Zeitraum selbst (ggf. ist der Container gestellt und wird am nächsten Tag abgeholt) , der Container wird “vor der Tür” am Ziel abgestellt und ihr könnt ihn wieder abladen :)

Lou 10. Januar 2011 um 18:10

hallo,
hat jemand eine idee, ob man sich auf einem containerschiff nach kanada überschiffen lassen kann, und wenn ja, mit welcher firma?
vielleicht habt ihr ja mal jemanden davon reden hören ..
vielleicht kann man als gegenleistung ja auch auf dem frachter arbeiten?

würd mich wahnsinnig übern tipp freuen !!!
1000 dank

Peter Iden 11. Januar 2011 um 16:43

Soweit ich weiss, koennen Frachtschiffe bis zu 12 Kabinen fuer Passagiere haben, bevor sie gezwungen sind, einen Arzt an Bord zu nehmen. Ob das auch fuer Container-Schiffe gilt, kann ich nicht sagen. Versuche einmal diese Adressen:
http://www.frachtschiff-reisen.net/
http://www.alexa.com/siteinfo/frachtschiff-reisen.net
http://www.grimaldi-freightercruises.com/freighter/england/htb.htm
Beste Gruesse,
Peter Iden.

Silke Oldenburg 8. September 2011 um 11:13

Hallo Peter,
wie lange dauert so ein Containertransport von Deutschland nach Vancouver? Planen gerade unsere Auswanderung…Mein Mann ist Canadier, weißt Du, was unser Kind und ich noch an wichtigen Unterlagen benötigen? außer Visum natürlich. Weißt du, ob ich als Ehefrau automatisch eine Arbeitserlaubnis bekomme? Oder irgendwelche ultra wichtigen Tipps? Dinge, die wir in jedem FAll bedenken sollten, von denen wir bisher nichts gewusst haben? Die Menschen beim auswärtigen Amt sind leider schnell genervt und es dauert ewig, dort durchzukommen. Hoffe auf ein paar wertvolle Tipps von Dir. Danke im Voraus, Gruß Silke

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