Kanada – Schulsystem für Kinder mit besonderen Bedürfnissen

von Gundula Meyer-Eppler

Es existiert hier schon ein guter Artikel über das Schulsystem in BC.

Ich möchte nur dazu fügen, dass das Schulsystem hier dem Gesamtschulsystem in Deutschland nah kommt, geht aber ein Schritt weiter indem es auch die behinderten Kinder mit einschliesst.

Auf dem Lande ist die Bevölkerungsdichte so schwach, dass es keine getrennten Schulsysteme geben könnte. Alle Kinder besuchen die gleiche Schule. In den wenigen Grossstädten hat man die Möglichkeit Montessori Schulen oder Waldorf Schulen usw zu besuchen, es ist aber extrem teuer.

Manche Schulen haben zwar ein Resourcenraum wo die „special needs“ Kinder oft unterrichtet werden, weil dort Computer stehen oder sonstige Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Aber im Prinzip laufen die behinderten Kinder mit ihren Klassen mit, so viel wie eben möglich ist.

Wenn man Glück hat und eine kleine Schule hat, sind die Klassen oft gemischte Klassen, z.B. die Jahrgangsstufen 1 und 2 zusammen in einem Raum. Das bedeutet, dass die Lehrer sehr individuell unterrichten müssen und die Klassenstärke auch oft klein ist. Ideale Bedingungen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen!

Ausserdem gibt es „Aides“,  Hilfslehrer die jeweils für die einzlenen besonderen Kinder zuständig sind. Je nach Behinderung bekommen die Kinder den ganzen Tag eine 1-1 Betreuung oder nur einen Teil des Tages für die Bereiche wo es notwendig ist. Diese Aides sind unterschiedlich ausgebildet, aber manchmal hat man grosses Glück und bekommt sehr erfahrene Menschen.

Es wird ca. 2x im Jahr ein IEP (individual education plan) angefertigt für die besonderen Kinder. Anhand dieses Planes wird ein Curriculum für dieses Kind erstellt. Bei Bedarf kann an diesem Plan wieder gearbeitet werden und Veränderungen können eingebracht werden. Es sollen alle an dem Plan beteiligt werden die mit dem Kind arbeiten, Therapeuten (hier ein Teil des Schulsystems und nicht des Gesundheitssystems), Aides, Lehrer, Eltern, Psychologen, usw.

Gelder sind oft knapp und Therapeuten noch knapper. Die Therpeuten kommen  oft nur 2x im Schuljahr in die Schule, begutachten das Kind, und schreiben einen Plan für die Lehrer und die Aides wie mit dem Kind gearbeitet werden soll. Manchmal kommen regelmässig andere Aides von den Therapeuten und arbeiten mit den Kindern. Aber die ausgebildete Fachkräfte sieht man selten.

Im Ganzen, trotz einigen Mängeln, bringt das System grössere Lernfortschritte als das deutsche System bzw. Systeme. Wir haben beides damals erprobt in NRW, die Integration sowie die Sonderschule. Hier gibt es eindeutig mehr akademische Fortschritte.

Der deutliche Nachteil von dieser STruktur ist, dass die Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu wenig andere Kinder mit Behinderungen haben um wirklich tiefer gehende Freundschaften zu schliessen. In den sehr grossen Schulen in den Grossstädten ist das anders, aber auf dem Lande sind eben kleine Schulen und wenige Kinder mit Behinderungen. Die nicht-behinderten Kinder sind oft toll und sehr akzeptierend, aber es hat einfach nicht die gleiche Tiefe wie eine Freundschaft unter Gleichgesinnten.

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