Wasser in Kanada – Teil 2

von Peter Iden

Das älteste Wasser der Welt wurde in Kanada gefunden.

 

15. Mai 2013. Prähistorisches Wasser in Kanada entdeckt

 

Kanadische Forscher haben in einem Bergwerk nahe Timmins in Nord-Ontario in  einer Tiefe von mehr als zwei Kilometern Wasserreservoirs gefunden, die aus der Erdfrühzeit stammen. Mehr als eine Milliarden Jahre befindet sich das Wasser nun dort. In ihm fanden die Forscher Spuren seltener Edelgase sowie von Methan und molekularem Wasserstoff. Diese Edelgase seien für die Entwicklung von Mikroben notwendig,  so die Forscher.

Es sei sogar möglich, dass das Wasser seit mehr als 2,6 Milliarden Jahren dort eingeschlossen gewesen ist. Darauf deutet ein Xenon-Isotop hin, dass einer Form entspricht, die vor gut zweieinhalb Milliarden Jahren in der Erdatmosphäre existiert hat. Dann müsste das Wasser eben zu jener Zeit eingeschlossen und isoliert worden sein.

Dass sich ein Wasserreservoir in der Mine befindet, wissen die Kanadier allerdings schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Minenarbeitern war aufgefallen, dass in der Region immer wieder salziges Wasser in ihre Stollen tropfte. Auf die Idee, das Wasser zu analysieren, kam aber erst ein kanadisch-britisches Team, das seine Forschungsergebnisse nun im Fachmagazin “Nature” veröffentlichte. Damit ist die Forschung noch nicht beendet. Bis zu einem Jahr kann es dauern, bis die Wissenschaftler herausfinden, ob und wenn ja was für Mikroben sich in dem uralten Wasserreservoir befinden.

“Es ist das aelteste Wasser, das jemals gefunden wurde. Der Fund aendert das gesamte Spielfeld.” sagte  die kanadische Geologin Barbara Sherwood Lollar von der Universitaet von Toronto. Ihr Kollege Chris Ballentine an der Universitaet von Manchester in England beschreibt das Wasser als Teil eines zusammenhaengenden Wassersystems tief unter dem mehre Milliarden alten “Canadian Shield”

Wasser, welches moeglicherweise Mikroben enthaelt, die z.B. auch auf beginnendes Leben auf anderen Planeten hindeuten und die Basis fuer den Beginn alles Lebens auf der Erde waren. (national post.com/nationalgeographic.com/discovery.com/scienceworldreport.com/Kanada Newsletter, 28. Mai, 2013)

Obwohl die Suche nach Mikroben noch nicht abgeschlossen ist, fanden die Wissenschaftler einen Reichtum an fluessigen Gasen wie Wasserstoff, Methan und Isotope edler Gase wie Helium, Neon, Argon und Xenon. Wasserstoff in der gleichen Menge und Composition wie es in der Naehe von hydrothermischen Quellen auf dem Meeresgrund vorkommt,  in denen ein Reichtum an mikroskopischem Leben existiert.

Der Fund des aeltesten Wassers der Welt in Kanada bewegte mich dazu, meinen bereits vor etwa einem Jahr geschriebenen Beitrag fuer KanadaSpezialist wieder aus seinem Schlaf in meinem Archiv zu erwecken. Mein erster Beitrag zum “Wasser in Kanada” beschaeftigte sich mit den Problemen der Wasserverschmutzung, mit denen sich selbst ein riesiges Land wie Kanada auseinander setzen muss, trotzdem es den groessten Vorrat an Frischwasser in der Welt enthaelt.

https://www.kanadaspezialist.com/2012/08/13/wasser-in-kanada-teil-1/4095/

Der folgende Beitrag ist basiert auf zahlreichen Fakten von renommierten Schriften und Wissenschaftlern. Unter anderem wurde er von einem der bekanntesten Wissenschaftler  auf dem Gebiet der weltweiten Wasser-Qualitaet gelesen und kurz kommentiert. Unterlassungsfehler, soweit praesent, sind meine.

Das sauberste Wasser der Welt liegt ebenfalls in Kanada.

Dass Kanada das sauberste Wasser der Welt hat, ausser den unterirdischen antarktischen Wasser-Reserven, ist generell die Auffassung, welche selbst die meisten Kanadier mit dem Rest der Welt teilen. Schliesslich  enthaelt das Land ein Fuenftel des Frischwassers in der Welt. Jeder vierte Kanadier und jeder zehnte Amerikaner lebt direkt an, oder in naechster Naehe der Grossen Seen. Und 90% aller Kanadier leben nicht weiter als 100 bis 150 Kilometer von diesen Seen und der Kanada/US Grenze entfernt.

Nur Brasilien und Russland haben mehr Frischwasser als Kanada.

Statistisch gesehen  sind 9% von Kanada mit Wasser bedeckt. Von den schaetzungsweise 3 Millionen Seen in Kanada (nicht statistisch belegt) sind 31,752  groesser als drei qkm, 561 groesser als 1,000 qkm. Die meisten groesseren und grossen Seen liegen in Ontario, den North West Territories und Manitoba. Die zehn groessten Seen umfassen  insgesamt 288,682 qkm, also genug um 80% von Deutschland zu bedecken. Genug, um  Oestrreich dreimal und die Schweiz siebenmal total unter Wasser zu setzen.

Menschen haben sich von Anfang an zuerst an den Gewaessern ihrer Laender angesiedelt. Wasser war und ist immer noch fuer ihr Leben sowie fuer die Entwicklung und das Wachstum  ihrer Wohnorte und Industrien das wichtigste Element. Besonders in Kanada ist die Auffassung verbreitet, dass das Land mehr Wasser zur Verfuegung hat als die meisten anderen Laender, und dass die Versorgung mit diesem wichtigen Element daher grenzenlos ist. Kanadier haben den hoechsten Wasserverbrauch der Welt.

Mit dem Beginn des “Industriellen-Zeitalters” am  Anfang des letzten Jahrhunderts wurde Wasser auch aeusserst  wichtig fuer die Industrien,  von denen viele ebenfalls einen extrem hohen  Wasserverbrauch haben.

Die Belastung durch die menschliche und industrielle Ballung, gekoppelt mit dem hohen Wasserverbrauch , wirkt sich nicht gerade vorteilhaft auf die Wasser-Quelitaet aus, was sich vor allem in den Grossen Seen und fast allen Gewaessern im Sueden des Landes bemerkbar macht.

Industrien im Norden Kanada’s (z.B. die Holzfabriken und Minen) haben ebenfalls einen enorm hohen Wasserverbrauch. Dass sie zusaetzlich ihre Produkte mit Chemikalien behandeln und ihre Abwaesser oft unzulaenglich und nur  teilweise geklaert in Fluesse und Seen ableiten, traegt ebenfalls nichts zu einer Verbesserung der Qualitaet des Wassers in bestimmten Gegenden  bei.

Gekoppelt mit dem hohen Wasserverbrauch im Sueden des Landes ist die Tatsache, dass beinahe zwei Drittel der Fluesse und damit des Frischwassers in Kanada nicht nach Sueden, sondern nach Norden fliessen und dort in den spaerlich besiedelten Gegenden des arktischen Ozeans enden. Dieses Wasser geht  zwar im grossen Zyklus des Wassers der Welt nicht verloren, aber es vermindert natuerlich die verfuegbaren Wasservorraete im Sueden des Landes.

Im Angesicht der Tatsache, dass das sauberste Wasser der Welt in Kanada gefunden wurde, kommen natuerlich mehrere  Fragen auf:

Wo in Kanada findet man das sauberste Wasser ?;

Wie kommt oder kam es ueberhaupt  dort hin?

Wo und wie kann man es kommerziell bekommen?

Auf diese Fragen komme ich im naechsten Beitrag zurueck.

Sichtbares und unsichtbares Wasser.

Kanada ist bekannt fuer seine Unmenge an “sichtbarem” Wasser in seinen zig-hunderttausenden  grossen und kleinen Seen und Fluessen . Aber selbst die meisten Kanadier wissen nicht dass die natuerlichen unterirdischen Wasser Reservoire des Landes weitaus mehr Wasser enthalten als an der Oberflaeche sichtbar ist.

Dieses “unsichtbare” Wasser  unter der Erdoberflaeche ist in sogenannten “ Aquifers” abgelagert. Jeder Kontinent, selbst Afrika und die Antarktis, hat solche unsichtbaren Wasser-Reserven.

Nahe der Oberflaeche  findet man es in wasserdurchlaessigen  geologischen Formationen, wie z.B. in Sand, Geroell, Kalkstein oder Sandstein, welche das Wasser entweder lagern oder durchfliessen  lassen.  Es ist kein “altes” Wasser und ist relativ leicht erreichbar. Es kann sich in den meisten Faellen durch Zufluss  aus hoeher gelegenen Quellen und Regenwasser-Infiltrierung  “erneuern”,  aber diesem Prozess sind bei uebermaessigem Wasser-Entzug bestimmte Grenzen gesetzt.

Die tiefer gelegenen  Aquifer lagern gewoehnlich zwischen undurchdringlichen Schichten von Lehm, Fels usw. Das in ihnen “gefangene” Wasser ist sogenanntes “fossiles Wasser” oder “Paleo-Wasser”, welches dort bereits seit Jahrtausenden oder sogar Millionen Jahre lagern kann. Der Fund in Ontario beweist, dass es wahrscheinlich sogar bereits zwei Milliarden Jahre dort liegt.

Aber unterirdische Wasserlager bereiten bei uebermaessigem Entzug durch Abpumpen gewaltige Probleme. Mexico City ist wohl das bekannteste Beispiel dafuer. Diese gigantische Stadt von 20 Millionen Einwohnern bekommt 73% ihres Wasserverbrauchs aus dem Grundwasser unter der Stadt, welches zum groessten Teil nicht “erneuerbar” ist.  Die Stadt versinkt daher immer tiefer in das Vacuum des ausgepumpten Aquifers..

Dasselbe gilt auch fuer den unkontrollierten Entzug von Grundwasser fuer landwirtschaftliche Bewaesserungen. Das San Joaquin Valley in Kalifornien sinkt seit Jahrzehnten immer tiefer.  Sinkende Landoberflaechen bringen Probleme mit sich, welche nicht rueckgaengig gemacht werden koennen. In Mexico City zerbroeckeln die Gebaeude. In  New Orleans beguenstigt die heute tiefer als der Wasserstand des Ozeans liegende Stadt Ueberflutungen  durch Regenstuerme und Orkane .

Das Frischwasser von Kanada.

In Kanada sind etwa 30 groessere Aquifer bekannt, die bis zu 100,000 qm Wasser enthalten, vorwiegend “Fossil-Wasser”, welches schon seit vielen Jahrtausenden in gewaltigen Ansammlungen unter der Erdoberflaeche liegt, aber auch in Aquifern in den oberen Bodenschichten. Karte: Frischwasser der Welt:

http://ngm.nationalgeographic.com/2010/04/water/water-animation

In den groesseren Staedten Kanada’sstammt ein Grossteil des Trinkwassers aus den Seen und Fluessen, und nur sehr wenig aus Brunnen.

Die landwirtschaftliche Bevoelkerung aller Provinzen dagegen ist von Brunnen abhaengig. Neun Millionen Kanadier, also etwas mehr als ein Viertel der kanadischen Bevoelkerung, bekommen ihr Trinkwasser aus Brunnen, die zum Teil artesisch sind, d.h. das Wasser steigt unter Selbstdruck aus ihnen auf.

Diese Art Brunnen muessen “gekappt” werden, waehrend das Wasser aus nicht artesischen Brunnen  mit Hilfe von Pumpen  an die Oberflaeche gebracht wird. Zwei Drittel der kanadischen Brunnenwasser-Verbraucher leben in kleineren Ortschaften ohne staedtische Trinkwasser-Versorgung.

In Prince Edward Island z.B. kommt beinahe 100% des Trinkwassers aus Brunnen, in New Brunswick sind es 60%.

In Alberta, Saskatchewan und Manitoba ist der Hauptverbrauch von Grundwasser fuer Herdentiere bestimmt und kommt ebenfalls fast ausschliesslich aus Brunnen.

Das kanadische Grundwasser  muss aber nicht nur direkt fuer den menschlichen und tierischen Verbrauch herhalten, sondern wird auch zur Bewaesserung von Feldern  und Fischfarmen benutzt,  sowie fuer  den  Abbau von Mineralien und die Gewinnung von Kohlenwasserstoff .

http://atlas.nrcan.gc.ca/site/english/maps/freshwater/distribution/groundwater/groundwater_pop.jpg/image_view

Trinkwasser-Qualitaet in Kanada:

Die Qualitaet des Wassers in Kanada nicht universell garantiert gut.  Selbst  in einer “natuerlichen” Umgebung kann man es nicht immer bedenkenlos trinken. Und in den bevoelkerten Gegenden von Kanada muessen Millionen von Menschen chloriniertes und speziell behandeltes Leitungswasser oder Flaschenwasser trinken. Das wiederum bringt fuer einen Teil der Bevoelkerung Gesundheitsprobleme mit sich. Probleme, die sich heute in jedem industriellen Land hauptsaechlich in ihrer Gesundheit bemerkbar machen.

In Kanada variiert die Qualitaet des Wassers vom Standpunkt der Verschmutzung oder seiner “Trinkbarkeit” je nach der Praesenz natuerlicher oder durch Menschen beigefuegter Elemente wie Mineralien, Bakterien, Chemikalien usw.

Staedtische Wasserbearbeitung kann zwar einen Grossteil der Wasserveschmutzung  bis zu einer bestimmten Richtlinie beseitigen, hinterlaesst jedoch Bestandteile, die keinerlei Bearbeitung oder “Klaerung” beseitigen kann.

Das “sauberste” Wasser der Welt lagert zweifellos bis zu 4,000 Meter tief in den unterirdischen Frischwasser-Seen der unbesielten Antarktis. Dort ist es aber nicht fuer die Menschen erreichbar. Es gibt etwa 140 solcher Frischwasser -Ablagerungen unter Antarktika, wo es seit vielen Millionen Jahren ohne menschliche Beeinflussung und Verschmutzung liegt. Wie bereits erwaehnt, gibt es allerdings auch in vielen besiedelten Laendernsolche unterirdische Wasser-Reserven.

Kanadier haben Angst vor “schlechtem” Wasser:

Kanadier haben eine gesunde Angst vor schlechtem Wasser, nicht zuletzt weil Faelle von Krankheiten und Tod durch verseuchtes Wasser immer wieder von den Medien endlos verfolgt, und in vielen Faellen stark aufgebauscht werden.

Ein Beispiel ist Walkerton, Ontario, wo im Jahre 2000 durch landwirtschaftliche Verseuchung des Trinkwassers aus einem Aquifer 7 Menschen starben und Hunderte krank wurden. Eine Tragoedie zweifellos, aber vermeidbar weil sie auf die Unzulaenglichkeit der Ueberwachung durch die zustaendigen Behoerden zurueck zu fuehren ist.

Sicher ist allerdings, dass man aus vielen Gewaessern in Kanada ohne Probleme trinken kann. Aber man sollte wissen, was oberhalb des Platzes liegt, an dem man das Wasser trinkt. Viele der kleineren Ortschaften in Kanada haben keine, oder nur sehr unzulaengliche  Abwasser-Aufbereitungs-Anlagen, oder ihre Industrien  leiten chemisch  verseuchte Abwaesser ohne Filterung in die Fluesse und Seen.

Anderswo wiederum finden landwirtschaftliche Chemikalien auf “Schleichwegen” ihren Weg in die Baeche und Fluesse, oder sickern in unterirdiche Wasseradern, Reservoire und Aquifer ein. Diese Probleme existieren weltweit, und Kanada unterscheidet sich nicht von den USA und den industriellen Laendern  in Europa. Die Verschmutzungen  der grossen  Fluesse in Nord-Amerika und Europa sind nur einige gut dokumentierte Beispiele.

http://www.ec.gc.ca/eau-water/default.asp?lang=En&n=51E3DE0C-1

http://rabble.ca/blogs/bloggers/mvk/2010/07/canada-europe-trade-deals-threatens-public-water-canada

Die Welt will kanadisches Wasser haben:

Besonders die Nachbarn in den USA sind enorm an Kanada’s Wasser interessiert. Bereits in den spaeten 1950’er und 1960’er Jahren wurde ein Projekt unter dem Namen “North American Water and Power Alliance” (NAWAPA), bekannt gemacht, unter dem enorme Frischwassermengen aus Alaska und Kanada in fast alle Regionen der USA transportiert werden sollten. Ein Netzwerk von zigtausenden  Kilometern sollte das Wasser durch Pipelines und Kanaele nach Sueden transporieren, teilweise sogar bis nach Mexiko.

Das NAWAPA Projekt verlief sich ueber die Jahre in den politischen  Suempfen  beider Laender, hauptsaechlich  wegen den Weigerungen der Provinzen,  einen Grossteil des kanadischen Frischwassers in die USA zu leiten. In 2010 jedoch wurde das Projekt durch den politischen US-Aktivisten Lyndon Larouche wieder an die Oeffentlichkeit gebracht.

http://www.schillerinstitute.org/economy/phys_econ/2010/nawapa_interactive_map_pr.html

Auch die europaeischen Laender und China haben ihren Blick in Richtung Kanada fuer sein Wasser. Die enorme Logistik der Uebermittlung des Wassers ueber die Ozeane nach Westen und Osten muesste allerdings zuerst bewaeltigt werden.

Peter Iden,

Brampton, Ontario, Canada.

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