Denglisch in Kanada

von Peter Iden


Kanada ist ein Land, in dem man Englisch sprechen muss, um sich hier zurecht zu finden. Akzente werden akzeptiert, und selbst viele schon länger hier lebenden Einwanderer verlieren diese auch nicht nach vielen Jahren. Französisch in Quebec und einigen maritimen Provinzen hilft, ist aber generell weiter westlich keine notwendige Sprache.

Bereits kurz nach meiner Ankunft in Kanada wurde mir bewusst, dass man an ihren Akzenten erkennen kann, woher die verschiedenen Einwanderer stammen. Für mich gibt mir diese Tatsache immer eine kleine Chance, Unterhaltungen mit ihnen zu beginnen.
Die Frage “where do you come from?” oder “what language is that you are speaking?” wird einem von niemanden in Kanada übel genommen.

Kanadier, im Gegensatz zu den Amerikanern, haben keine erkennbaren regionalen Unterschiede in ihrer Sprache, auch wenn es unterschiedlche Begriffe in einigen Regionen gibt (siehe meine zwei Beiträge im Kanada Spezialist zu diesem Thema).

Die einzige Ausnahme sind die Neufundländer, deren Sprache sich praktisch bis zu ihrer Aufnahme in den kanadischen Bund in 1948 sehr unterschiedlich vom Rest von Kanada hauptsächlich aus dem Irischen Englisch entwickelt hatte, und noch heute diesen Charakter klar trägt.

Eines fiel mir allerdings schon fast sofort nach Ankunft in Toronto auf. Viele der Deutsch-Kanadier hatten die Unart, Denglisch zu sprechen, eine Art pejorative Vermischung von Deutsch und Englisch. Für perfekte Deutsch und (beinahe perfekte) Englisch-Sprecher wie mich war diese Sprachweise ein Greuel.

Meine Eltern hatten z.B. ein deutsches Ehepaar kennen gelernt, die diese “Sprache” bestens beherrschten. Wollten sie am Ende eines Besuchs nachhause gehen sagte die Frau: “Ich muss jetzt aber home um die Butter aus dem Fridge zu taken”!

Ich führte den Gebrauch dieser horrenden Sprachweise auf ihre mangelnden Kenntnisse beider Sprachen zurück.

Selbst Kanzlerin Angela Merkel hat ja kürzlich auch ein denglisches Wort benutzt, um die “Eurozone Crisis” zu beschreiben (“Shitstorm”). Das ist nun auch im Duden gelandet, zusätzlich zu “Flashmob”, “Cashcow”, “Handy”, “Snackbox”, Basecap” und “Leasen”.

Die Gruppe “Wise Guys” sowie Udo Jürgens haben den Trend (!) zum Denglisch vor bereits etwa 20 Jahren bestens mit ihren Hits “Gib mir meine Sprache zurück” und “Merry Christmas allerseits” aufgedeckt.

https://www.youtube.com/watch?v=VnA5WG39eJ8

https://www.youtube.com/watch?v=rWic-x1RRxE

Auf der anderen Seite liegen die Pseudo-Begriffe, -Worte und -Namen. Sie sind zwar oft ähnlich, jedoch nicht wahr. In der Literatur gibt es Beispiele von zahlreichen Schriftstellern, die ihre Bücher unter Pseudo-Namen schrieben (wie Samuel Langhorne Clemens = Mark  Twain: Tom Sawyers Abenteuer; David John Moore Cornwall = John le Carre: Perlentaucher).

Pseudo-englische Worte, aus deutschen Worten übernommen, existierten natürlich schon lange vorher, wie z.B. “hock”, “stein”, “strafe”, “fatherland”, “folk”, “blitz” und andere, aber das sind keine “denglischen” Ausdrücke sondern aus der deutschen Sprache geborgte Pseudo-Worte, weil es keine englischen dafür gab. Die deutsche Sprache ist ähnlich mit Begriffen aus der französischen Sprache durchsetzt, weil es an deutschen mangelte.

In den letzten zwanzig oder so Jahren haben viele englische Worte ihren Weg in die deutsche Sprache gefunden. Der technologische Anglizismus fing an mit “Computer”, und weil Englisch die weltweite Technologie-Sprache ist, mussten natürlich auch die Begriffe für zahlreiches Zubehör, wie “CPU”, “Mouse”, “Download”, “URL” und viele andere übernommen werden.

Auf anderen Gebieten fand dasselbe statt. Worte wie “Bonus”, “Business Class”, “Lifestyle”, “Non-Stop”, Flyer” und “Package Deal” werden benutzt weil es keine deutschen Begriffe für sie gibt. Und “Brunch”, “Container”, “VIP”, “RV” sowie “Skyscraper” sind  Deutschen bekannt, selbst wenn sie keine Geschäftsleute sind. Deutsche Übersetzungen wie “Wolkenkratzer“ existieren kaum, und Begriffe wie “Handzettel” benutzt niemand mehr.

 

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