Container-Farmen in Kanada

von Peter Iden


Das Konzept für „Innen-Landwirtschaft“, also Hydrokultur auf horizontaler oder vertikaler Ebene, ist keine neue Idee, genauso wenig wie Hydroponik. Was jedoch neu daran ist, ist, dass die Entwicklung neuer Techniken in der Hydroponik, Aquaponik und Aeroponik durch die Legalisierung von Cannabis in Kanada und anderen Ländern einen erheblichen Aufschwung erlebt hat. Kanada hat heute mindestens ein Dutzend Cannabis-Plantagen, eine davon in Creemore, nur etwa 15 Minuten von meinem Heimatort Wasaga Beach entfernt.

Augenblicklich gibt es mehr als sein Dutzend hydropische Farmen in Kanada (mehr als 2,000 in den USA), die eine erstaunliche Auswahl an 35 Gemüsen und Kräutern in ihren Gewächshäusern (jedoch nicht in Containern) produzieren, um diese entweder direkt an Verbraucher oder an lokale Restaurants und Geschäfte zu vertreiben, aber kein Cannabis anbauen.

Eine der hydropischen Farmen in Ontario, die verschiedene Landwirtschaftsprodukte aufziehen, Elevate Farms in Welland (Website: https://elevate.farm/), haben eine Produktion von jährlich 454,000 kg von Salat-, Rucola-, Basilikum- und anderen Blattpflanzen. Eine andere ist Abbey Farms in den Algonquin Highlands, Ontario (nahe Haliburton), die während des Sommers auch ein attraktives Touristenziel sind (https://www.facebook.com/abbeygrows/).

In Quebec plant die Montrealer Firma „Upculture“ (Website: https://www.upculture.com/) eine große vertikale Farm für den lokalen Markt. „Das Potenzial ist unbegrenzt“, sagt Abraham Gusman, der Präsident von Upculture (https://www.youtube.com/watch?v=nYDsyr_OP1Y).

Angesichts der Wetterschwankungen heutzutage – lange Trockenzeiten, plötzliche Kälteperioden, unerwartete Regen- und Schmelzwasser-Überschwemmungen usw.- ist es allerdings, allein von der Produktionsmenge gesehen, sinnvoll, sie für eine kanadische „Innen-Landwirtschaft“ zu benutzen, weil sie unabhängig vom Außenwetter sind und eine kontinuierliche Wachstumszeit garantieren.

Für einen Flachland-Farmer wäre natürlich das Konzept einer Hydrokultur in Containern anfänglich undenkbar, weil er auch noch seine eigenen Felder bestellen muss. Aber diese ohne Zweifel sehr zeitspielige Periode fällt ja im langen kanadischen Winter weg, wenn die Vertikal-Farmen am aktivsten sind (https://www.youtube.com/watch?v=ryCkqWI4xtQ).

Fast alle Blüten-Pflanzen produzieren essbare „Früchte“. Die großen „harten“ Früchte, (wie Tomaten, Avocados, Oliven, Mais, Gurken, Zucchini, Melonen, Chili, Auberginen und grüne Erbsen) sind wegen ihrer Festigkeit bestens für diese Farmen geeignet, aber die kleineren Weichfrüchte wie Erdbeeren und Brombeeren werden nicht auf den meisten der heutigen hydrophonischen Farmen angebaut, sondern aus warmen Ländern von Kanada importiert (Mexiko, Chile).

Auch in Europa ist vertikale hydropische Landwirtschaft nicht neu, obgleich man sie wohl eher dort als „horizontal“ bezeichnen kann. Eine dänische Firma plant die größte Farm des Kontinents im Dezember zu eröffnen. “Nordic Harvest”, in Co-operation mit der „YesHealth“ Gruppe in Taiwan (die bereits die größten hydropischen Farmen in China betreibt), wird jährlich 100 Tonnen Gemüse und Kräuter für den europäischen Markt produzieren (https://www.nordicharvest.com/).

Grundsatz für Container-Farmen sind natürlich die Behälter. Es gibt bereits mehr als 5-1/2 Tausend Container-Schiffe in der Welt. Die neuesten Container-Schiffe sind 400 Meter lang. Mehrere Tausend von ihnen wurden bereits gebaut und sind im Frachtdienst tätig. Ein 400 Meter langes Schiff fasst bis zu 24,000 Container von 20 feet (6 Meter) Länge.

In Toronto und anderswo in Kanada stehen zigtausende von Frachtcontainern in diversen Lager- und Sammelplätzen unbenutzt herum. Sie enthielten ursprünglich Frachtsendungen jeder Art aus allen Übersee-Ländern der Welt. Eine Rückführung in ihre Ursprungsländer lohnt sich nicht, wenn man die Kosten für einen leeren Container mit demselben Volumen wie ein voller bedenkt, und wenn nicht genügend Produkte in ihre Ursprungsländer zurückfließen.

Die in Kanada verbleibenden Container nehmen also immer mehr Lagerplätze in Anspruch. Sie werden sporadisch an Geschäfte und Privatpersonen als „Lagerschuppen“ verkauft und man sieht sie relativ oft (obgleich nicht optisch ansprechend) neben oder hinter deren Gebäuden stehen. Ein gebrauchter 6-Meter Container kostet in Toronto zwischen CAD 2,700 und CAD 4,000, zusätzlich Anlieferung.

Die Wahl der Bilder zu diesem Beitrag obliegt einzig und allein dem Autor unter der Fair Dealing Provision der kanadischen Copyright-Gesetze.

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