Native People – Indian Medicine Wheel

von Peter Iden

In Brampton und Umgegend (Peel County, Ontario, Canada, 470,000 Einwohner) leben etwa 11,750 Einwohner mit einer Abstammung von Indianern, Metis oder Inuit. Von diesen werden 5,500 als „Registered Aboriginals“ anerkannt.

Am letzten Wocheende kamen einige Mitglieder der Peel Aboriginal Society hier in der Heart Lake Conservation Area zusammen, um ein traditionelles „Medicine Wheel“ (Medizin-Rad) zu erschaffen.

Die ersten weissen Ankoemmlinge brachten das hoelzerne Speichen-Rad aus Europa und uebernahmen irgendwann die Angewohnheit, die ebenfalls mitgebrachten Heilpflanzen zwischen den Speichen ausgedienter Raeder anzupflanzen. Noch heute gibt es in vielen Gaerten solche „Medicine Wheels“ mit Gewuerz- und Heilpflanzen.

Natuerlich gab es bei den Indianern keine Raeder, und auch das europaeische Wort „Medizin“ war ihnen unbekannt. Erst nach dem Kommen des Weissen Mannes wurden die „Healing Hoops“ (Heilende Kreise) auf „Medicine Wheels“ umbenannt. Dank der Rueckkehr zu den alten traditionellen Namen nennen die Indianer heute diese Gebilde „Sacred Hoops“ (Heilige Kreise).

Ein Kreis hat weder einen Anfang noch ein Ende. Er war den meisten aelteren Zivilisationen bekannt. Die Indianer bauten ihre Tipis in Rundform, weil es die einfachste Methode fuer nomadische Menschen ist, eine vorlaeufige Bleibe zu errichten. Die Igloos der Inuit, die „kotas“ (Kohten) der Lappen sind weitere Beispiele. Stonehenge in England ist wohl das bekannteste monolithische Kreisgebilde vorgeschichtlicher Zivilisationen. Verwandt sind auch die in den meisten christlichen Kirchen zu findenden Kreis- Fenster, und zahlreiche andere kreisfoermigen Symbole aller anderen Religionen.

Im Gegensatz zu Stonehenge – dessen Sinn noch heute in der dunklen Vergangenheit verborgen liegt – ist die Bedeutung der „Healing Hoops“ fuer die Original-Einwohner des nordamerikanischen Kontinents bekannt.

Im Westen Nordamerikas wurden diese magischen Kreise wegen der Abwesenheit von Holz aus Steinen gelegt. In den Waldgegenden des Ostens dagegen wurden sie oft aus Holz verlegt. Die magischen Kraefte der Kreise erstreckten sich hauptsaechlich auf ihre seelische Wirkung, weit weniger auf koerperliche Krankheiten, obwohl sie in einigen Stammesgruppen auch fuer Taenze und koerperliche Heiling durch die „Medizin-Maenner“ benutzt wurden.

Der Ort, den Brampton’s Indianer fuer ihr „Medicine Wheel“ waehlten, macht den seelischen Aspekt des Kreises klar. Er liegt unter mehreren „White Pines“ etwa 8 Meter ueber einem stillen Teil des Heart Lake. Ein Platz, den wir mit unserer Familie schon oft im Sommer sowie auch im Winter besucht haben.

Die „Waldland-Indianer (Ojibwa, Huronen, Iroquois und andere) sehen die „White Pine“ als „Baum des Friedens“ an. Rechtlich so, denn nirgendwo anders fuehlt man den Frieden der Natur mehr als unter White Pines, in deren langen Nadeln der Wind seine geheimnisvoll beruhigende Melodie spielt.

Die vier Segmente des Kreises sind nach den Haupt-Himmelsrichtungen ausgelegt. Die Tanne in der Mitte des Kreises ist nicht typisch fuer diese Strukturen, aber sie wurde von der Conservation Area gestiftet. An jedem der vier Segmente steht eine mit eingebrannten indianischen Symbolen (Ojibwa, mit einem leichten Einfluss westlicher indianischer Symbole) beschnitzte und bemalte Bank, von der man in eine der vier Haupt-Himmelsrichtungen blicken kann.

Es wuerde zu weit fuehren, die Bedeutung der Himmelsrichtungen hier ausgiebig zu erlaeutern, aber fuer die Indianer hat jede eine wichtige symbolische und religioese Bedeutung. Zahlreiche noch heute bekannte medizinische Pflanzen wie z.B. Sage (Salbei), Sweetgrass, Zeder, Tabak, wurden in den vier Beeten zwischen den Speichen gepflanzt. Kleine rote Flaggen zeigen an, wo die sehr jungen Pflanzen wachsen. Es bleibt zu hoffen, dass die Rehe im Park diese nicht als Dessert ansehen.

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

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3 Kommentare

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Tumeka 1. Oktober 2009 - 10:53

Hallo Peter,

da ich mich SEHR mit den kanadischen Ureinwohnern verbunden fuehle, freue ich mich sehr ueber deinen sehr informativen eintrag!

TAUSEND dank dafuer und auf hoffentlich noch viele mehr!

lg Tumeka

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Hartmut Scheu 28. September 2009 - 02:27

Hallo Peter!

Herzlichen Dank für diese interessanten Informationen.

Meine Frau und ich werden im November zum „FESTIVAL FOR ALL NATIONS“ nach Winnipeg fahren. Wir haben auch bereits Karten für den „Aboriginal Peoples Choice Musik Awards“ -Abend. Er wird live auf APTN im Fernsehen übertragen.

Wir werden vermutlich im Dezember nach Kenora, ON ziehen!

Alles Gute nach Ontario

Hartmut Scheu

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Thomas Stünkel 27. September 2009 - 23:42

Hallo Peter,

vielen Dank für Deinen ersten Gastautoren-Artikel!

Es werden doch sicher noch viel mehr, oder? 😉

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