Die Steinstrände von Kanada

von Peter Iden

Red Sand Beach, Prince Edward Island

Meine Streifzüge mit meinen Töchtern durch die Naturgebiete unserer Umgegend sind oft die Basis für meine Schriften im Kanada Spezialist Blog.
Meine jüngste Tochter und ich besuchten im October 2020 einen Strand nur wenige Kilometer nördlich von Wasaga Beach. Ein Strand, der anstatt mit Sand fast total mit runden Steinen bedeckt ist. Sylvia sammelt dort immer einige Steine für ihren “Rock Garden”, sowie auch ein paar für eine Freundin, welche diese mit kleinen Malereien als Geschenke für ihre Freunde verziert.

                                                   

          

 

 

 

 

 

Meine bemalten Steine bei Wasaga Beach   –   Sylvia sucht runde Steine, Oktober 2020

Die meisten weißen Sandstrände der nördlichen Gegenden bestehen aus Felsengesteinen, welche in der Geschichte unserer Erde durch Erosion von Wind, Wasser und Wellen zu Agglomeraten von Kies und Sand zermahlen wurden. Evolution ist ein Dauer-Prozess, der sich noch heute fortsetzt. In den nördlichen Regionen bestehen die weißen Strände generell aus zermahlenem Quarzgestein. Der Prozess beginnt mit einem Haufen Sedimenten (Matsch, Schlick oder Sand), zu welchem sich im Lauf der Jahrtausende oder sogar Jahrmillionen durch die Strömungen des Wassers härtere Elemente wie Muschelschalen, Blätter und Fossilien gesellen, ein als “Konkretion” bekannter Prozess (Quelle: Geological Survey of Canada).

Steinstrand, Lake Superior, Ontario

In den meisten Plätzen bleiben die Konkretionen in ihrer Form, aber wenn z.B. Calzit dazu kommt (das Basismaterial für Sandstein), zementiert diese die Kokretionen zu riesigen Steinen, wie z.B.die am Pond Inlet in der kanadischen Arktis.
Die Karibischen und Pazifischen Inseln dagegen bekamen ihre schwarzen Sandstrände aus gemahlenem vulkanischem Lava-Gestein und ihre brilliant weißen Strände aus gemahlenen Korallen. Aber besonders dort führen immer noch andauernd vulkanische Aktivitäten zu neuer Lavagestein-Formierung im Ozean, und dadurch zur Fortsetzung der Evolution.
Die weißen Strände von Hawaii verbergen jedoch noch ein anderes absolut unbekanntes Geheimnis der Quelle für ihren Sand. Der dort sehr zahlreiche “Parrot Fish” (Papageienfisch) ernährt sich von den auf den Korallen wachsenden Algen. Mit seinen etwa 1.000 Zähnen, welche in 15 Reihen seines unwahrscheinlich starken Gebisses arrangiert sind, frisst er auch mit jedem “Schnabel” voll Algen einen Teil der soliden Korallen, die er dann in seinem Körper zermahlt und als Kot ausstößt. Einer dieser Fische kann im Jahr bis zu 450 kg Sand ausstoßen. (Quellen: University of Wisconsin und das Lawrence Berkeley National Laboratory der University of Berkeley).
Die Biophyskerin Dr. Pupa Gilbert (geb. Gelsomina de Stasio) hat sich das Studium dieser Fische zur Aufgabe gemacht. Verwechseln sollte man jedoch nicht ihren Spitznamen mit ihrem Gebiet der Studie des Kots der Papageienfische, denn eine “Pupa” ist das Puppen-Stadium in der Metamorphose einer Raupe zu einer Motte oder in einen Schmetterling.
Aber zurück zu den Farben von Sand: Wie schon erwähnt kommen Elemente wie Mineralien, Pflanzen und tote Lebewesen in der Evolution des Sandes dazu und ändern seine Farben. Das ergab in der Erdgeschichte viele eigenartige Strände, von denen besonders Kanada eine große Anzahl hat.
Saskatchewan hat zum Beispiel einen lilafarbenen Strand, der aus Sand von Granatsteinen besteht. Granat ist der Geburtsstein für im Januar geborene Menschen.
Alberta hat den Red Rock Coulee im gleichnamigen Provinzpark in dem große runde rote Sandstein-Konkretionen von mehr als 2,5 Metern Durchmesser herumliegen, zwar heute nicht am Strand, sondern in einer Gegend von Kanada, welche vor etwa 80 Millionen Jahren von drei gewaltigen Ozeanen, den “Interior Seaways” bedeckt und geteilt wurde, die den gesamten nord-amerikanischen Kontinent in drei Teile zerbrachen.
Die ehemaligen Strände dieser Ozeane sind beliebte Fundorte für “Rockhounds” (Amateur-Geologen), die dort nach Steinen suchen, welche Halbedelsteine wie Amethysten enthalten, wie z.B. bei Thunder Bay, Ontario, in einer ehemaligen Amethyst-Mine. Dort kann man Amethyststeine finden, seine Funde mitnehmen, nachdem man für sie nach Gewicht bezahlt. Amethysten sind der Geburtsstein für im Februar geborene Menschen. Sie werden oft zu Juwelenschmuck verarbeitet.

 

 

 

 

 

Amethyst

Rosa Strand mit Busch                                                                                 
Prince Edward Island ist für seine roten Strände bekannt, deren ursprüngliches Sandstein durch seinen Eisengehalt eine rötliche Farbe bekam – siehe Titelbild. Abgesehen von der Red Shore Region im Zentrum der Insel (nahe der Cavendish Beach) hat diese kleinste Provinz Kanada’s 800 km Strände, die meisten allerdings mit weißem Sand.

New Brunswick und Nova Scotia haben mehrere Steinstrände, die wir bereits besuchten, als unsere drei Töchter (und wir) noch viel jünger waren.

Meine Frau und Töchter – Gaspe Peninsula, circa 1975

Um die Georgian Bay herum in Ontario gibt es viele Strände, an denen sich kleine, rundlich verwitterte Steine während der vielen Stürme ansammeln.
Steinstrand mit angeschwemmten Holz
(Bild – Steinchen auf Schwemmholz – Wasaga Beach)
Auch in Ontario liegt der kleine Ort Marathon, etwa 1.000 km von Toronto entfernt und genau so weit von Winnipeg, und dann noch etwa 5 km weiter vom Trans-Canada Highway. Nach ungefähr zehn Stunden Fahrt kann man dort dann über die vielen Steine des Strandes stolpern. Vorausgesetzt, dass man soweit fahren will nur um Steine zu sehen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pebble Beach, Marathon, Ontario

In den Northwest Territories und Nunavut sind Stein-Strände zahlreich zwischen Paulatuk, NWT und Coral Harbour in Nunavut.

Stone Beach, Northwest Territories

In den Geschichten der alten Inuit-Erzähler dieser Küste waren es waren es Anzeichen des Besuchs von außerirdischen Kreaturen, welche die Steine als Erinnerung hinterließen.

 

(Anmerkung: Die Verantwortung für die Wahl der Bilder in diesem Beitrag liegt einzig und allein bei dem Autor unter der Fair Dealing Provision der kanadischen Copyright-Gesetze).

 

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