Mushing mit Hundeschlitten in Kanada

von Peter Iden

Der lange kanadische Winter steht vor der Tür. Mögliche Schneefälle sind für Ontario und einige andere Provinzen vorhergesagt und jeden Tag hier am Ende Oktober möglich. Das bringt natürlich viele Kanadier auf den Gedanken, einmal eine Fahrt mit einem Hundeschlitten zu machen, oder solch ein lang vergangenes Erlebnis wieder aufzufrischen.
Als ehemaliger Eigentümer von drei Siberian Huskies sowie als “Gastgeber” für mehrere “Zulauf-Huskies” war und ist dieser Gedanke immer im Hintergrund unserer Wintererfahrungen, auch wenn wir es in den meisten Jahren nicht wahr machen.


Geschichtlich wurden Hunde bereits seit mehreren Tausend Jahren als Haus- und Arbeitstiere benutzt. Sie zogen ihre Schlitten und wurden als Packtiere und Travois-Hunde für Jäger benutzt. Sie passten auf die Kinder der Eskimos auf wenn die Väter jagen gingen, oder wenn die Mütter anderweitig beschäftigt waren. Weil sie sich ohne große Schwierigkeiten auf tiefem Schnee und rauhem Eis bewegen und beissende Kälte sowie längere Hungerzeiten überstehen konnten, waren sie ein sehr wertvolles Eigentum für die Inuit.

Die Schlittenhunde heutzutage sind Kreuzungen von verschiedenen Hundearten und sehen oft ganz anders aus als ein (in der Vorstellung der meisten Menschen) “hübscher” Husky.  Sie sind wirklich eine bunte Ansammlung zotteliger Hundetypen mit oft zweifelhafter Abstammung.
Aber auch der “Alaska Husky” ist eine Kreuzung z.B. von Sibirischem Husky, Windhund und Pointer.
Die heutigen Schlitten machten eine Evolution von Transportfahrzeugen der Eskimos und Indianer der nördlichen Arktik zu den heutigen Modellen, die meistens noch einen “Passagier-Sitz” vor dem Musher haben.
Die Hunde sind in Paaren zusammen an der “Tug Line” angeseilt, welche wiederum an die Zugleine (Tow Line) angeschlossen ist. Die Hunde direkt vor dem Schlitten sind die “Wheel Dogs”, deren Job es ist, den anderen Hunden durch Druck an ihren Leinen Richtungsänderungen zu übermitteln.
Jeder Hund in einem Team hat seinen eigenen Charakter. Und nicht jeder Hund eignet sich als Führungs-Hund oder selbst als Schlittenhund. Einige, wie der weiße Husky auf unserer Tour, sind einfach zu faul oder lassen sich z.B. von kleinen Tieren (wie Eichhörnchen) vom Pfad ableiten.

Sibierische Huskies sind starrsinnig und bestehen auch als Familienmitglieder auf ihre territorischen Rechte. Unter anderem darf man einem Husky zwar Futter geben, aber unter keinen Umständen wieder wegnehmen. Dasselbe gilt fuer Spielsachen wie ausgestopfte Puppen, Hundeknochen usw. (die bei Huskies sowieso nicht lange leben!).
Sie sind aber ausgezeichnete “Kinderhunde” und tolerieren selbst die kleinsten Kinder und die von diesen oft ausgeführte rauhe Behandlung (wie z.B.an den Haaren oder Ohren ziehen und ähnliche “Spielereien”).
Im Gegensatz zu den “Mode-Hunden” sind lange Geschlechtslinien und Stammbäume für die Schlittenhunde nicht notwendig. Was zählt ist nur ihre Ausdauer und Geschwindigkeit.
Nur einer unserer Huskies hatte einen Stammbaum. Auf einer Hunde-Show sagte man uns, dass unser Husky “Star” sich nicht als Schlittenhund eignete, weil er durch seine lange Ahnenlinie eine Krankheit der Hüfte entwickeln “könnte”, die sogenannte Hüftgelenksdysplasie, unter der auch Deutsche Schäferhunde leiden). Gut, dass wir keine Schlittenhund-Ambitionen für ihn hatten!
Die Sprache der Eigentümer von Hunde-Teams ist mit allerhand spezifischen Worten und Befehlen für die Hunde angereichert. Die Person welche ein Team leitet und betreut ist ein “Musher”. Er oder sie gibt kurze Befehle an die Hunde, wie “Hike” (los geht’s”), “Gee” (nach rechts), “Haw” (nach links), “Easy” (lansam), “Whoa” (Stop), und andere.
Unter bestimmten Konditionen wie in nassem oder klebendem Schnee tragen die Hunde kleine Stiefel (Booties) um die Formierung von Eis zwischen ihren Zehen zu vermeiden.

Als Bremse dient eine “Klaue” am Ende des Schlittens, welche der Musher mit seinem Fuß bedienen kann.  Meistens jedoch genügt der Ruf “Whoa” um die Hunde zum Stehen zu bringen. Der Bogen am Vorderende des Schlittens hat den gleichen Zweck wie die Stoßtange an einem Auto.
Ich wäre in großen Schwierigkeiten wenn ich nicht die wichtigen Ereignisse für Schlittenhunde und ihre Fans erwähnen würde. Das sind die vielen Rennen verschiedener Länge und Schwierigkeit, welche jedoch fast ausschliesslich in Alaska und Yukon stattfinden.
“Sprint Races” finden finden dort fast überall statt wo Schlittenhunde zu finden sind. Sie bestehen aus Tagesrennen von kurzer Distanz, oft mehrere hinter einander. Sie finden in Fairbanks und Anchorage (Alaska) statt.
Rennen mit mittlerer Distanz (Mid-Distance Races) über 300 bis 500 km sind mit Wildnis-Camping, extremem Wetter und rauhen Trails Erlebnisse einer anderen Art.
Eines der zwei “Großen Rennen”, das “Yukon Quest”, beginnt in Kanada (Whitehorse) und endet in Alaska (Fairbanks). Das andere, das “Iditarod”, wird innerhalb Alaskas von Anchorage bis Nome ausgetragen. Beide sind 1.000 Meilen (1.600km) lang.
Wer einen Vorgeschmack auf den Yukon Quest (das weltberühmte Hundeschlitten-Rennen von Kanada nach Alaska) haben möchte, kann sich fuer einen Platz in Whitehorse in dem kürzeren “Yukon Quest 300” bewerben und Erfahrung sammeln. Oder als Zuschauer am Start oder Ziel dabei sein.
Das erste “Iditarod” Rennen fand in 1973 statt. Der Name stammt aus der Deg Xinag Sprache der Deg Hit’an (Ingalik) Indianer von Zentral-Alaska. Er bezeichnet den Fluss Hidethod (Iditarod River) (Quelle: University of Alaska Professor James Kari).
Das Rennen wird zum Gedenken an 20 Teams von Hundeschlitten veranstaltet, die in 1925 während brutaler Wetterkonditionen auf einer 1.085 km und 6 Tage langen Fahrt ein Serum gegen eine schwere Diphterie-Epidemie aus Nome abholten.
Aber Dog Sledding ist nicht nur ein Wintersport. Im Sommer ist “Dog Carting” in einigen Gegenden von Kanada populär, nicht zuletzt um die Hunde in Kondition zu halten. Dryland Mushing wird in vielen Ländern praktiziert und macht fast ebenso viel Spass wie Snow Mushing.
Wo kann man in Kanada auf begleitete Tagestouren oder Übernachttouren gehen? Von einer Kurztour, ein paar Stunden oder einen ganzen Tag lang, bis zu längeren von 2 bis 3 Tagen gibt es eine ziemlich große Wahl, besonders in Ontario und Quebec. Ein Blick ins Internet (“Sled Dog Tours) wird sicher Erfolg haben.

Das Alter der Teilnehmer spielt keine Rolle, aber eine gute Gesundheit ist Voraussetzung. Dazu warme Kleidung und bei laengeren Touren eine vom Veranstalter gemietete einfache Ausrüstung (Schlafsack usw.). Geschlafen wird meistens in alten Hunting Cabins, seltener sogar in Zelten.

Die Waldstrecken werden gewöhnlich auf den zu diesem Zweck angelegten (groomed) Pfaden bewältigt. Fuer die Kurztouren sollte man auf eine Strecke auf einem See bestehen, wo die Hunde ihre absolut erstaunliche Geschwindigkeit herzeigen können. Ein Nervenkitzel besonderer Art!

Die Kosten? 145 $ bis 190 $ pro Person für eine 2-Stunden Tour; Halb-Tagestour $ 199 bis $ 270; Ganze Tage für $ 350 bis $ 450; Multi-Tage, Heli- copter und Privat-Touren auf Anfrage. GST zusätzlich.

Meine Bilder stammen von einer Familientour mit sieben Mitgliedern im Februar 2004 in der Haliburton Forest and Wildlife Reserve. Wir hatten bereits im Herbst 2003 dort eine Fahrt in einem 12-sitzigen Voyageur-Canoe sowie eine “Tree Canopy Tour” zwischen Hochwald-Bäumen auf an diesen befestigten Hängebrücken und Seilen absolviert (das jetzige Arbeitsfeld meiner jüngsten Tochter im Camp Muskoka bei Port Sydney).

Wir hatten fünf Schlitten-Teams, jeder mit seinem eigenen Schlitten außer meiner ältesten Enkelin und meinem zweitjüngsten Enkel, die als Passagiere mitfuhren. Einer der Hunde, ein schneeweißer Husky, war zu faul um zu arbeiten und musste einen Teil der Tour ebenfalls als Passagier mitfahren.

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Peter Schleifenbaum aus Deutschland kaufte die Haliburton Forest and Wildlife Reserve in 1988, um dort ein Programm für die Aurechterhaltung und das Management der kanadischen Wälder zu entwickeln. Im Rückblick war seine Idee wohl genau so erfolglos wie die eines Schweizer Immigranten, der hierher kam, um den kanadischen Farmern “das richtige Farmen” (wie in der Schweiz) beizubringen. Beide kamen nach Kanada mit der Überzeugung, dass dieses Land rückständig auf diesen Gebieten war.

Der Schweizer verkauft jetzt Gesundheitsprodukte. Haliburton Forest wurde vor wenigen Jahren an eine Firma verkauft, welche die touristischen Ziele sowie die Waldbewirtschaftung der Firma auf einer anderen Ebene mit sechs Splitter-Divisionen weiterführt.

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