Québec – hier fing alles an

von Peter Dambier

Hier fing alles an. Unser Aufenthalt in Québec, die Besiedelung von La Nouvelle France und Amerika und ganz Kanada. Die berühmte Rede von Charles De Gaulle, die aus einem einzigen Satz bestand und die ihm die mühevolle Reise durch den Rest Kanadas erspart hat. Er durfte am nächsten Tag wieder nachhause fliegen, weil kein kanadischer Politiker mehr mit ihm reden wollte. Was sind schon ein paar Politiker gegen das größte französischsprachige Land der Welt?

Menschen sind wertvoll in Québec und nichts ist den Québecois wertvoller, als ihre Kinder. Kein Autofahrer würde es wagen, an einem haltenden Schulbus vorbei zu fahren, auch nicht gegenüber, und wenn er es doch wagen würde, dann wäre er auf der Stelle seinen Führerschein los.

Québec ist die größte und die am dichtesten besiedelte kanadische Provinz. Weil Québec viel größer ist, als Frankreich, haben die Menschen hier viel mehr Platz, als irgendwo in Europa.

Ganz Amerika spricht Franösisch, zumindest hier, außer in Montréal. Dort spricht man auch Italienisch, Spanisch, Türkisch und manchmal sogar Englisch. Amerikaner sind meist aus Québec zumindest aber aus Kanada. Die Leute welche wir als Amis bezeichnen, kennt man in Québec nur als Gastarbeiter oder Touristen. Kanada ist das größte Land der Welt, seit es die Sowjetunion nicht mehr gibt. Ich habe Rußland nicht nachgemessen, aber es ist ein sehr großes Land und es gibt dort eine Taiga, genau wie in Québec.

Montréal haben wir uns für den Schluß aufgehoben. Einmal kurz vor die Tür und kanadische Luft geschnuppert, dann haben wir den Anschlußflug nach Québec genommen. Der Flug, den Saint Laurent entlang war beinahe wie ein Flug durchs Neckartal, aber Burgen gab es keine und das Chateau Frontenac ist im Gegensatz zum Heidelberger Schloß noch ganz.

Auf dem Boden sah alles ganz anders aus. Der Saint Laurent ist fast so breit wie der Bodensee. Es geht nicht schnell mal über die Brücke und auf dem Saint Laurent schwimmen Ozeandampfer, keine Neckarschiffchen. Dabei ist Québec die Stelle wo der Lorenz am engsten ist. Es hat eine Bedeutung wie Frankfurt, nur Furt, ohne Frank und eine Furt ist es auch nicht, höchstens im Winter vielleicht, aber der Lorenz friert schon lange nicht mehr zu. Französische Fischer, aus der Normandie und der Bretagne haben hier Lachse gefangen, lange bevor der Bischof von Québec dem Vatikan den Tip gab, an welchem Datum sich Kolumbus wo entdecken lassen soll.

Ein Bißchen kann man La Ville de Québec mit Heidelberg vergleichen. So wie es Heidelberg nur einmal in Deutschland gibt, so gibt es La Ville de Québec nur einmal in ganz Kanada. Aber es ist größer, es ist steiler und da wo in Heidelberg Ruinen stehen, da sind in Québec die Gebäude noch ganz und bewohnt, als Geschäfte oder Hotels genutzt.

Québec ist grün, wie das Dach vom Schloß Frontenac, so auch die Regierung und überhaupt das ganze Land. Geheizt wird selbstverständlich mit Strom. Alles andere macht Dreck und muß importiert werden. Strom hat Québec im Überfluß und versorgt halb Kanada und die halbe USA damit. In den Städten haben wir mehr grün gesehen, als bei uns auf dem Lande.

Warum schreiben wir so viel über ein Land in dem Französisch gesprochen wird, wo doch die meisten nur Englisch können und lieber in eine Provinz ziehen die Englisch spricht?

Weil kaum jemand ahnt, wie wichtig Französisch in Kanada ist. Überall gibt es Oasen in denen Französisch sich gegen Englisch behauptet und es gibt weitere Provinzen in denen Französich dem Englischen zumindest ebenbürtig ist.

Erst bei unserer Abreise haben wir bemerkt, wieviele Deutschsprachige es in Québec gibt. Weil die „Franzosen“ in Kanada eine Minderheit sind, hat es Québec wie keine andere Provinz verstanden, Minderheiten zu integrieren. Wer als Deutscher auf eine deutsche Ranch in Neu Braunschweig zieht, wird sein Leben lang ein Deutscher bleiben. Wer nach Québec auswandert, wird in Kanada schneller für ein Québecois gehalten, als er seinen Kanadischen Pass bekommt.

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2 Kommentare

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Erwin Steyrer 5. Oktober 2009 - 17:02

Ja ich kann Tumeka da nur beipflichten und ich werde es mir auch anschauen! aber mein Koffer steht in Kanadas Norden im Yukon dem schönen, rauhen Land.

Grüße Erwin

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Tumeka 1. Oktober 2009 - 11:17

Hallo Peter,

also ich habe eine richtige Gänsehaut bei deinem Bericht bekommen… im POSITIVEN Sinne natürlich *zwinker*
du hast das wirklich sehr schön beschrieben!!
ich war noch nie in Québec, werde es aber sicherirgendwann einmal besuchen, aber mein herz schlägt ganz sicher für den westen kanadas! frag mich nicht warum, aber aus irgendeinem grund fühle ich mich nur in die westliche region hingezogen und das obwohl ich doch verwandschaft im osten habe!!
ich freue mich auf einen regen dialog mit dir!!

lg Tumeka

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