Kanadakolumne Nr. 9 – Wie überlebe ich einen Bärenangriff?

von Mady Host

Kanada - Kolumne 903. Juni 2010: In der letz­ten Kolumne ist das Thema „Bär“ lei­der viel zu kurz gekom­men. Aus die­sem Grund möchte ich die aktu­elle Kolumne ganz den pel­zi­gen Rie­sen wid­men. Außer­dem bekom­men Cor­ne­lia und ich bald Besuch von mei­ner Fami­lie. Damit möchte ich jetzt aber nicht zum Aus­druck brin­gen, dass meine Fami­lie Ähnlich­kei­ten mit Bären hat. Es geht viel­mehr darum, dass wir mit den Bei­den – mei­nem Vater und mei­ner Groß­mut­ter – einen Aus­flug nach „Tofino“ pla­nen. Das Sur­fer­pa­ra­dies gilt als land­schaft­li­cher Juwel an der West­küste von Van­cou­ver Island und besitzt nicht nur mensch­li­che Ein­woh­ner, son­dern auch tie­ri­sche Mit­bür­ger. Dazu gehö­ren lei­der auch die plü­schi­gen Raub­tiere, vor denen ich mich so fürchte. Damit Cor­ne­lia, mein Vater, meine Oma und ich den Aus­flug unbe­scha­det über­ste­hen, habe ich mich in das Thema „Bären-Sicherheit“ ein­ge­le­sen.

Zual­ler­erst infor­miert mich meine Quelle dar­über, dass Bären weder nied­lich noch zahm sind und man auf kei­nen Fall mit ihnen kuscheln sollte. Das lässt sich ein­rich­ten. Dann erfahre ich, dass der Geruch von Kos­me­tik­pro­duk­ten und Zahn­pasta mög­li­cher­weise Bären anzieht. Ich werde wohl ab heute schon an einer neuen Gur­gel­tech­nik arbei­ten, damit der Bär, wenn ich ihn begrüße und ein freund­li­ches „Hallo“ hau­che, keine Minz-Rückstände erschnup­pern kann. Und was die Kos­me­tik angeht: Es sind nur zwei Aus­flugstage, tröste ich mich. Zudem wird emp­foh­len in einer klei­nen Gruppe zu wan­dern und stets Geräu­sche zu machen – das bekom­men wir hin! Sollte vor uns den­noch ein Bär auf­tau­chen, müs­sen wir einen gro­ßen Bogen um ihn herum lau­fen. Sollte er trotz­dem zu nah bei uns sein und sich erhe­ben, dann müs­sen wir sanft mit ihm reden, damit er weiß, dass wir Men­schen sind. Sollte er trotz allem mit den Kie­fern klap­pern, den Kopf sen­ken und die Ohren anle­gen; dann ist es an der Zeit sich tot­zu­stel­len. Aller­dings nur, wenn es sich um eine Abwehr­at­ta­cke eines Grizz­lys han­delt, den WIR über­rascht haben.

In mei­ner Vor­stel­lung liegt der Über­ra­schungs­mo­ment zwar eher bei mir, als beim Bären; aber gut. Nach der Atta­cke – und das ist meine Lieb­lings­re­gel – sol­len wir so schnell wie mög­lich ver­schwin­den und dem Parkran­ger Bescheid geben. Über­haupt kein Pro­blem. Jetzt bin ich völ­lig beru­higt. Der Zusatz, dass Bären so schnell lau­fen kön­nen wie Renn­pferde; fan­tas­ti­sche Schwim­mer sind; über einen extrem guten Hör– und Seh­sinn ver­fü­gen; einen scharf­sin­ni­gen Geruchs­sinn haben und her­vor­ra­gende Baum­klet­te­rer sind, macht es nicht bes­ser. Ich lese aber auch, dass man den Bären nicht direkt in die Augen schauen sollte. Nun weiß ich was ich mache: Ich benutze schon eine Woche vor dem Trip keine Pfle­ge­pro­dukte mehr, putze am Mor­gen vor der Abfahrt meine Zähne nicht, über­lege mir einen freund­li­chen Text für den her­an­na­hen­den Bären und nehme vor­sichts­hal­ber meine Brille ab, damit ich erst gar nicht in Ver­su­chung komme, ihm direkt in die Augen zu sehen, wäh­rend ich mich tot­ stelle.

„Tofino“ wir kommen!

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