Skurriles aus Kanada Nr. 51

by Bernadette Calonego

Ein Elch kommt mir nicht ins Haus!

Text und Foto: Bernadette Calonego

Manch ein Tourist würde liebend gern das Geweih eines kanadischen Elchs als Souvenir nach Hause nehmen.
Es gehört ja heutzutage zu einer modernen Inneneinrichtung, den Kopfschmuck irgendeines Geweihträgers an die Wand zu nageln. Diesem Trend eifern auch erstaunlich viele Nicht-Jäger nach. In der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador dagegen haben Elchgeweihe einen ganz anderen Stellenwert, nämlich fast keinen.

Die Einheimischen dürfen alle ein bis zwei Jahre einen Elch töten, dessen Fleisch sie für den Eigengebrauch in die Kühltruhe legen.  Für den Abschuss brauchen sie eine Genehmigung der Behörden. Das Geweih dürfen sie nicht verkaufen oder einem Fremden verschenken, der es ins Ausland schmuggeln will.  So stapeln sich Pyramiden von Geweihen in Schuppen oder im Gras davor. Die Besitzer wissen gar nicht, was sie mit den vielen Geweihen anfangen sollen. Kaum jemand betrachtet sie als begehrte Trophäen. Oft hängt eines über dem Eingang eines Schuppens oder einer Werkstatt. Manchmal werden die Sptzen der Schaufeln zu Garderobenhaken für Arbeitskleider umfunktioniert. Kürzlich traf ich Elchgeweihe als Wegweiser auf einem Wanderpfad an. Auch hinter dem Schuppen neben meiner Bleibe in Neufundland liegen zwei. Der Mann, der sie erbeutet hat, will sie um keinen Preis im Haus haben.
Das findet er so ziemlich das Letzte. Er ist damit nicht allein: Ich habe bislang noch in keinem Privathaus in Neufundland ein Elchgeweih im Wohnzimmer gesehen.

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