Das größte Schuh-Museum der Welt in Kanada

von Peter Iden

Es gibt nur eine winzige Anzahl von heute existierenden Kulturen oder ausgestorbene Kulturen in der Welt, welche keine Schuhe tragen, oder getragen haben. Früher oder später mussten fast alle, meist durch umweltliche Einflüsse bedingt, Schuhe entwickeln, um die für ihr Leben sehr wichtigen Füße zu schützen. In einigen Fällen, wie dem der Imelda Marcos (Frau des Diktators der Philippinen) artete der Besitz von Schuhen in einer Phobie aus, indem sie etwa 1.500 Paar Schuhe in ihren Schränken hatte.


Das Schuhwesen wurde zu einer Wissenschaft, sobald es aus der manuellen Schuhmacherei zur voll automatischen Schuhfabrikation aufstieg.
Schuhmacherei der “alten Art” liegt in meiner Familie. Mein Großvater machte Schuhe in seinem Arbeitsraum im Keller unseres Hauses in Hamburg-Wandsbeck. Seine Spezialität waren Schuhe für gehbehinderte Menschen, etwas das die heutigen Podologen behandeln und ein Gebiet, auf dem ich persönliche Erfahrungen machte, seit ich aus der Karibik in 2011 eine bösartige Virus-Infektion mitbrachte, welche meine Füße und Beine befiel und selbst nach der Heilung immer noch gute und korrekte Schuhe erfordert. Seitdem habe ich ein notbedingtes Interesse an Schuhen entwickelt. Um es gleich im Voraus zu erwähnen, ich sammle zwar allerhand Sachen, aber keine Schuhe!
Eine weitere Lebenserfahrung wurde mir in den frühen 1950’er Jahren von meinem Stiefvater mit gegeben. In der Deutschen Armee wurde den Soldaten eingebläut, ihre Schuhe immer blitzblank zu putzen. Das blieb bei mir hängen, obwohl ich mich weigerte, seine Gummistiefel blank zu putzen. Wenn ich mir die Bilder aus den sumpfigen Schützengräben ansehe, wundere ich mich sowieso über diesen Irrsinn. Jedenfalls ist auch ein wenig seiner Penibilität in anderen Sachen bei mir hängen geblieben (bitte nicht meine Töchter um ihre Meinung in dieser Hinsicht befragen!).
Ich muss aber zugeben, dass mir zwei Tatsachen auch immer etwas über eine Person aussagen: 1) der innere und äußere Zustand ihres Autos, und 2) der Zustand ihrer Schuhe.
In meinem Interesse an Schuhen stehe ich aber nicht allein, wie die zahlreichen Schuh-Museen und ihre Sammlungen von Schuhen und ihrer Geschichten aus der ganzen Welt beweisen.

Das größte dieser Schuh-Museen in der Welt ist das Bata-Museum in Toronto, Kanada.
Es wurde 1995 von Sonja Bata, Frau des Eigentümers der Bata-Schuhfabrik gegründet.

Das Bata Schuh-Museum, neben seiner dauerhaften Ausstellung von Schuhwerk durch die Jahrtausende, bietet jederzeit Sonder-Ausstellungen, welche unter bestimmten Themen gewöhnlich mehrere Monate lang dauern, und oft sogar als spezielle Attraktionen  im Museum verbleiben. Unter diesen sind z.B. das “Schuhwerk auf Hohen Hacken”, “Traditionelles Schuhwerk der Arktischen Inuit”, “Modeausdruck im Schuhwerk” und “Glitzerndes Schuhwerk der Welt” besondere Favoriten.

Das Museum umfasst 3.663 qm und ist ein Besuch von mehreren Stunden wert,
je nach Interesse des Besuchers an Schuhwerk.

Sonja wurde in 1926 in der Schweiz als Tochter von Rechtsanwälten geboren. Vor und nach ihrer Einwanderung in 1940 interessierte sie sich an Schuhen, kaufte viele, studierte ihre Geschichte, und hatte bald eine Sammlung von 1.500 Paar Schuhen.
Das Interesse an Schuhen half ihr sicherlich, als sie in 1946 den Schuh-Fabrikanten Thomas Bata kennen lernte. Anstatt sich ihrem Traum als Architekt zu widmen fand die zwanzigjährige Architekturstudentin nicht nur ihren Mann, sondern auch ihre neue Aufgabe in der weiteren Entwicklung der Bata-Firma. Ihre Freunde aus der Universität blieben ihr jedoch treu und entwarfen die Pläne für das Hauptquartier von Bata (John Cresswell Parkin) und für ihr Bata Museum in Toronto sowie ihr Landhaus in Batawa (Raymond Moriyama).

Die Bata-Familie war auch in philantropischen Projekten aktiv. Unter anderem gab Sonja Bata finanzielle Unterstützung für eine französiche Sprachschule und half diese in Toronto zu etablieren. Sie besteht noch heute.
Bereits in 1979 hatte Sonja Bata durch eine Geldspende die Bata Shoe Museum Foundation gegründet. Ihre Schuhsammlung war der Kern des Bata-Museums. Sonja Bata starb in Toronto am 20. Februar 2018, im Alter von 81 Jahren.
Tomáš Jan Bata, geboren am 17. September 1914 in Prag in der Tschechoslowakei, war der Sohn des gleichnamigen Schuhfabrikanten. Er wanderte vor Anfang des Zweiten Weltkrieges in 1939 nach Kanada aus, zusammen mit etwa 100 anderen tschechischen Familien, und besiedelte die eigens für diesen Zweck von seinem Vater erbaute Stadt Batawa in Ost-Ontario, in derem Zentrum die ebenfalls neu erbaute Bata-Schuhfabrik lag. Von dort aus eröffnete Bata eine Ladenkette, welche in 1980 aus 250 Läden bestand, vorwiegend in den großen Shopping Zentren in Kanada.
Bata sprach fließend Tschechisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Schweizerisch und konnte sich in mehreren anderen Sprachen verständlich machen.
In 1989, nach dem Sturz des kommunistischen Regimes, kamen die in 1945 von diesem verstaatlichten tschechischen Bata-Firmen wieder in die Hände der Bata-Familie. Die kanadische Fabrik in Batawa wurde jedoch in 2000 in Anbetracht der neuen Quellen fuer Schuhe in China geschlossen. Bereits vorher wurde das Hauptquartier nach Toronto verlegt
Tomáš Jan Baťa starb am 1. September 2008 im Alter von 93 Jahren. Er hinterlässt seine Frau Sonja, drei Töchter Monica Pignal, Christine Schmidt, Rosemarie Blyth-Bata und einen Sohn, Thomas G. Bata, der in 2001 als Chairman der Firma gewählt wurde. Dazu 9 Enkel und 5 Urenkel.

 

(Anmerkung: Die Verantwortung für die Wahl der Bilder in diesem Beitrag liegt einzig und allein bei dem Autor unter der Fair Dealing Provision der kanadischen Copyright-Gesetze

 

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