Stechende und beissende Insekten in Kanada

von Peter Iden

Obwohl ich dieses am Anfang Maerz schreibe, ist das Wetter bereits fruehlingsmaessig nach einem Winter, der hier in Ontario milder als jemals vorher war. Aber warme Winter und wenig Schnee wirken sich auf einige Aspekte der Natur sehr negativ aus. Besonders die Insekten-Schaedlinge sowie dieStech- und Beiss-Insekten in unseren Waeldern, Wiesen, Fluessen, Seen und Suempfen werden in diesem Fruehling in ungewoehnlicher Anzahl zu finden sein. Oder vielmehr, man braucht sie nicht zu suchen, denn sie finden uns zweifellos sehr viel schneller.

In Kanada gibt es zahlreiche Insekten, die entweder stechen oder beissen. Dazu gehoeren einige, deren Anzahl besonders in den „Fruehlings-Monaten“ Mai und Juni so zahlreich ist, dass viele Kanadier es vorziehen, sich waehrend dieser Monate nicht in bewaldeten Gegenden aufzuhalten. Zahlreiche Spezies von fliegenden und kriechenden Insekten leben auf dem nordamerikanischen Kontinent, viele davon auch in Kanada. Dazu gehoeren Muecken, Beissfliegen, Zecken und andere. Die beiden „schlimmsten“ Insekten sind zweifellos die „Mosquitoes“ (Muecken) und die „Blackflies“ (Schwarzfliegen), gefolgt von Zecken, „Horseflies“ (Pferdefliegen) und Deerflies“ (Hirschfliegen).

Saemtliche dieser Insekten injizieren waehrend ihres Stechens oder Beissens eine Substanz, welche die Blutgerinnung verhindert und nach dem Stich oder Biss zum sehr unangenehmen Juckreiz oder zu weniger oder mehr starken, manchmal extremen Schwellungen fuehrt.

Die erste Gruppe:

Die Muecken, mit zahlreichen Spezies in fast allen Regionen der Welt – sind natuerlich bekannt als die groessten Uebertraeger von menschlichen Krankheiten, u.a. Malaria, Dengue-Fieber, Encephalitis, Gelbfieber und vieles mehr.

In Kanada ist bisher die einzige dokumentierte Gefahr durch Mueckenbisse der „West Nile Virus“. Allerdings befiel er in Kanada in den Jahren seit seiner Entdeckung relativ wenige Menschen. In den USA wurden in 2006 etwa 3,000 Faelle registriert. Nur sehr wenige davon waren toedlich, hauptsaechlich bei aelteren Menschen mit verminderter Immunabwehr.

Politisch gesehen hat der „West Nile Virus“ in Kanada etwa denselben Effekt wie die „Vogelpest“ in Deutschland gehabt: Milliarden-Ausgaben in Warnungs-Projekten und Medien-Publicity, ohne dass jemals eine vorhergesagte „Epidemie“ eingetreten ist. Aber „Epidemie“ ist heute ein verpoenter Begriff – man nennt es jetzt „Pandemik“.

Verwandt mit Muecken sind die winzigen “Midget-Flies” (Bueschelmuecken, 1,5mm lang), fast unsichtbar wenn sie in der Morgen- oder Abend-Daemmerung zu Hunderten angreifen. Die Indianer nannten sie nach der Ankunft des Weissen Mannes “no-see-ums” (man sieht sie nicht). Kleine rote juckende Flecken sind das Resultat ihrer Bisse.

Eine nicht beissende Art der “Midgets” sieht man oft in gewaltigen Schwaermen in April, Mai und Juni in Kanada ueber Fluessen und Seen fliegen. Sie sind harmlos, werden jedoch von Lampen, Autolichtern usw. magisch angezogen.

Die zweite Gruppe:

Die „Backflies“ – sind (zumindest in Nord-Amerika) bisher nicht als Traeger von Krankheiten ueberfuehrt worden. Aber der Biss ihrer zangenfoermigen „Beisswerkzeuge“ ist schmerzhaft. Sie beissen praktisch ein Stueck Haut heraus und saugen blitzschnell das ausfliessende Blut auf.

Die „Ticks“ (Zecken) sind besonders heimtueckisch. Sie leben in den Baeumen, Bueschen und Pflanzen. Sobald sie die Naehe eines Warmbluetlers fuehlen, lassen sie sich auf diesen fallen (ob Tier oder Mensch ist ihnen egal) oder heften sich an den Beinen fest und kriechen dann auf andere Koerperteile hoch. Die „Lyme-Krankheit“ (Borreliose) wird von Zecken uebertragen. Faelle dieser Krankheit in Kanada sind jedoch relativ selten.

„Horseflies“ und „Deerflies“ findet man meistens auf freiem Feld nahe Pferden, Kuehen, Hirschen und anderen Huftieren. Auch diese Fliegen sind bisher nicht als Krankheitstraeger ueberfuehrt worden, aber ihre Bisse sind schnell und schmerzhaft. Als Peiniger haariger Tiere verfangen sie sich meistens im menschlichen Haar.

Bienen, Wespen und Hornissen sind gewoehnlich harmlos, wenn man sich nicht zu dicht an ihre Nester heran wagt. Fuer Menschen, die allergisch gegen ihre Bisse sind empfiehlt es sich, jederzeit ein Anti-Allergie-Serum bei sich zu haben, denn ihre Stiche koennen in wenigen Faellen zu schweren Komplikationen fuehren – in seltenen Faellen zum Tod. Gefaehrlich in Kanada sind vor allem die Erdwespen, die ihre Nester im Erdboden verstecken und bei Annaeherung fast sofort angreifen. Zahlreiche Camping- und Natur-Ausfluege sind schon von diesen agressiven Wespen ruiniert worden.

Verhinderung und Abwehr:

Was kann man also in Kanada tun, um Insekten-Stiche und -Bisse zu verhindern, oder zumindest vermindern? Sicherlich der beste Weg, sich vor Insekten-Bissen und Stechen zu schuetzen, ist anfaellige Koerperteile durch ausreichende Kleidung (langaermelige Hemden, lange Hosen, Socken usw.) zu schuetzen. Bei den hier in Kanada oft im Sommer vorkommenden hohen Temperaturen nicht gerade angenehm, aber jedenfalls wirksam. Alle Kleidungsstuecke sollten hellfarbig sein, weil Insekten durch dunkle Farben angezogen werden. Zum Schutz des gesamten Kopfes gibt es hier feinmaschige Netzhauben, die sehr effektiv sind.

Zum Zweck des Hautschutzes gibt es diverse Tinkturen und Patent-Medikamente, die man in allen „Drug Stores“, „Pharmacies“ und fast ueberall anderswo kaufen kann.

Dazu ein persoenlicher Kommentar von mir: 60% aller „Insect Repellents“ in Kanada enthalten „DEET“, eine chemikalische Ingredienz zahlreicher Oele, Sprays und Salben gegen Insekten-Angriffe. Es ist ein Pestizid und kann nachteilige Einfluesse auf die Haut und die allgemeine Gesundheit eines Menschen haben. Und DEET hat die Eigenschaft, Plastik zu zersetzen. Man kann sich kaum vorstellen, was DEET der weitaus mehr empfindlichen Haut antut!

Der gleichzeitige Gebrauch von DEET-Produkten und Sonnenschutz-Produkten (Oel, Crème, Spray usw.) ist nicht ratsam, weil Sonnenschutzmittel auch scheinbar dazu beitragen, das mehr DEET von der Haut aufgesaugt wird.

Was sind also die „natuerlichen“ Alternativen fuer chemisch produzierte Insekten-Abwehrmittel? Zuerst einmal muss erwaehnt werden, dass saemtliche dieser Mittel nur einen Zweck haben: den Geruch des menschlichen Koerpers zu uebertoenen, sodass die Sinnesorgane der Insekten ihn nicht wahrnehmen oder ignorieren. Sie werden also praktisch irregeleitet.

Jedoch scheinen viele der wie Parfueme, Hautkreme, Desodorants und andere duftende “Schoenheits-Produkte” eher Insekten anzulocken als sie abzuschrecken. Der dauerhafte Gebrauch solcher Produkte macht daher Frauen scheinbar weit mehr anfaellig fuer Insekten-Angriffe als Maenner. Aber vielleicht ist der Grund dafuer auch, dass nur weibliche Muecken und Blackflies stechen und beissen?

Volatile Pflanzen-Extrakte oder „Aetherische Oele“ sind dagegen die alternativen Insekten-Schutzmittel. Sie werden auch in vielen Haushalts-Produkten benutzt, groesstenteils um deren ueberwiegend chemikalische Gerueche zu uebertoenen. Die wohlriechenden Haushalts-Produkte benutzen vorwiegend aetherische Oele nur zu diesem Zweck, obwohl heutzutage selbst „Wohlgeruch“ meist chemikalisch erzeugt wird.

Die folgenden Pflanzen-Oele eignen sich als Schutz gegen Insekten. Zu beachten ist, dass einige dieser Oele nicht fuer alle Menschen wirksam sind. Uebermaessige „Schwitzer“ z.B. werden immer das Problem haben, den Koerpergeruch als Insekten-Anziehungsfaktor zu uebertoenen. Andere wiederum koennen bestimmte aetherische Gerueche nicht ausstehen. Experimentieren ist das Leitwort.

Geranien-Oel; Katzenminze-Oel; Lavendel-Oel; Menthol-Oel; Rosmarin-Oel; Soja-Oel; Teebaum-Oel; Zedern-Oel; Zitronengras-Oel. Vanille-Extrakt ist wahrscheinlich das teuereste Insektenschutzmittel. Und zwar nicht die „Billig-Version“, die mit Alkohol vermischt ist und z.B. in der Karibik als „echt“ fur ein paar Dollar an Touristen verkauft wird. In Kanada ist das echte Produkt nur begrenzt erhaeltlich.

Auf „Vick’s Vaporub“, in jedem kanadischen Drug Store oder jeder Pharmacy zu haben, schwoeren viele Menschen. Es enthaelt mehrere Oele und Substanzen, darunter Kampfer, Menthol, Eucalyptus, Myristica, Thymol u.a. Der Nachteil ist dass es die Konsistenz von Vaseline hat, also ein „Schmieroel“ ist, und das kann ein grosses Problem fuer empfindliche Kleidungsstuecke sein. Bei Erkaeltungen der Atemwege allerdings ein vorzuegliches Mittel!

Persoenlich benutzen wir Zitronella-Produkte wie „Natrapel“. Es kommt als Lotion, Spray oder Oel und enthaelt 10% Citronella. Ebenfalls in den meisten Drug Stores und Pharmacies zu haben.

Zitronella ist ein natuerliches Produkt, ein Oel welches aus den Graesern „Cymbopogon nardus“ and „Cymbopogon winterianus“ entzogen wird. Diese Pflanzen wachsen ausschliesslich in Indonesien, Ceylon, Sri Lanka, Burma und Indien. Neuerdings werden sie auch in Mittel-Amerika, Sued-Amerika und Sued-Afrika angebaut. Zitronella ist relativ ungefaehrlich fuer Menschen, sollte allerdings bei kleineren Kindern spaerlich benutzt werden, und nur wo sie es nicht erreichen (lecken) koennen. Zitronella ist ein “Bio-Pestizid” und wird, mit Ausnahme bei Menschen mit empfindlicher Haut als eusserst sicher angesehen. Es ist wirksam gegen Muecken, Schwarzfliegen (blackflies), Zecken und Floehe.

Die Oele von Orangen, Zitronen, Limonen, Mandarinen, Pampelmusen und Bergamot sollen ebenfalls zur Insekten-Abwehr tauglich sein, aber es gibt wenig Literatur darueber.

„Kogi Outdoor Survival Lotion“ benutzen wir ebenfalls – wirklich eine total natuerliche Mischung von Kraeutern und Oelen, jedoch nur in Natur-Laeden zu habe (wird in Calgary hergestellt).

„Repel“ ist ein anderes Produkt mit Zitronen-Eukalyptus-Oel. Es wurde von „Consumer Reports“ mit „besser als Deet“ bewertet.

Vorsicht beim Gebrauch von Insekten-Abwehrmitteln:

Vorsicht bei der Benutzung besonders der chemikalischen Schutzmittel ist immer weise. Aber selbst bei „natuerlichen“ Insekten-Schutzmitteln sollten bestimmte Regeln befolgt werden:

Niemals auf Wunden oder irritierte Haut auftragen. Unter Kleidungsstuecken sind Schutzmittel sinnlos. Aerosol-Spruehdosen niemals in geschlossenen Raeumen gebrauchen.

Und Aerosol-Sprays niemals direkt auf das Gesicht richten. Einatmen von Aerosol-Sprays sollte unbedingt vermieden werden. Aerosol-Sprays zuerst auf die Haende auftragen, dann verreiben.

Bei Kindern sollte man keine Insekten-Schutzmittel um die Augen, Mund und Nase auftragen. Juengere Kinder (unter 10 Jahre) sollten niemals Schutzmittel ohne Hilfe von Erwachsenen benutzen, und bei Kleinkindern (unter 3 Jahre) sollten sie absolut niemals verwendet werden, sondern nur Moskito-Netze.

Fogger-Insektizide:

Der Gebrauch von sogenannten „Foggers“ (Fog = Nebel“) ist umstritten. Jedes Jahr sterben allein in den USA etwa 100 Menschen durch unsachgemaessen Gebrauch dieser Geraete. Spaetere Todesfaelle u.a. durch Entwicklung von Krebs, Nervenkrankheiten usw. sind zahlreich, aber werden kaum oder nicht dokumentiert. Es gibt solche „Insektizid-Nebelwerfer“ in diversen Groessen, professionell mit grossen Tanks mit Pumpn und Benzin-Motoren.

Der Normalverbraucher allerdings bedient sich kaum dieser Geraete, sondern kauft die handgehaltenen „Fogger-Dosen“ („Bug Bombs“) mit „Raid“ oder anderen Insektiziden. Das Prinzip der „Fogger“ ist es, eine Raeumlichkeit (Zimmer, Schuppen, Camper, Zelt usw. total mit Insektizid-Nebel zu fuellen. In den Ferien-Resorts der Welt werden oft ganze Gebiete in und um diese fast taeglich mit „Insektizid-Nebel“ besprueht, damit die Gaeste nicht von Insekten belaestigt werden.

Obwohl die „systemischen“ Insektizide nd Pestizide in Quebec und Ontario vor wenigen Monaten aus dem Handel gezogen wurden, sind die Gefahren der noch „erlaubten“ Insektizide und Pestizide nicht zu unterschaetzen. Erlaubt sind z.B. Pyrethrin, ein „natuerliches“, aus Chrysanthemen gewonnenes Insektizid, oder das chemisch hergestellte „Pyrethroid“. Aber auch diese sind nicht ungiftig und muessen mit Vorsicht benutzt werden.

Der Leitsatz ist einfach: Es gibt kein „sicheres“ Insektizid oder Pestizid!

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

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2 Kommentare

Algonquin National Park – Yatra2017 13. Juni 2017 - 14:57

[…] dann etwa hektisch, da ich kaum aus dem Zelt wieder überfallen wurde. Ich bin total zerstochen! Hier ein Bericht dazu. Beim Duschen morgens hatte einige Schutznetze über Kopf oder Oberkörper gespannt. Könnt ihr […]

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Christiane Bohm 30. Januar 2013 - 12:13

Weil ich mit meinen Hunden oft im Wald spazieren gehe, kommt es öfter mal vor, dass meine beiden Lieblinge mit Zecken oder anderem Ungeziefer nach Hause kommen. Das war für die Tiere und mich nicht besonders angenehm, weshalb ich mich im Internet auf die Suche nach einem guten Onlineshop machte, der Medizin für das Zeckenproblem anbietet. Zum Glück fand ich sehr schnell Vets4petz (www.vets4petz.nl), denn dort wird eine große Auswahl an Antiparasitika geboten. Für meine Hunde wählte ich ein Spray von Frontline, welches keinen Eigengeruch besitzt und meine Hunde super vertragen. Also ich kann Vets4petz nur weiterempfehlen!

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