Meine TOP-TEN Reisetipps für die Provinz Québec [Teil 2]

von Marc Lautenbacher

Inmitten von tausenden von Seevögeln: L’ile Bonaventure

Dies ist der TEIL 2 meiner ganz persönlichen TOP-TEN Reisetipps in der Provinz Québec, die ich zusammen mit meiner kanadischen Lebenspartnerin für unsere Leser besucht und vor Ort ausgekundschaftet habe. Sie sollen jedem Kanadareisenden einen kleinen Vorgeschmack davon geben, was man in der für meine Begriffe schönsten, ostkanadischen Provinz erwarten darf: einmalige Naturspektakel, das Leben von Aristokraten im 19. Jahrhundert, einzig mit dem Schiff erreichbare Inselwelten, fantastische Bergtouren und Skipisten mit Schneegarantie!!!

Tipp Nr. 6
L’ile Bonaventure mit grösster Seevogelkolonie Nordamerikas

Diese Vogelinsel ist wirklich ein Besuch wert! Denn auch wenn man nicht leidenschaftlicher Ornithologe ist, so ist es sicherlich für jedermann berührend, sich inmitten von tausenden von Seevögeln begeben zu können, wie es am Nordufer der Insel möglich ist. Die Insel Bonaventure ist in den Nationalpark Parc national de L’Île-Bonaventure et du Rocher-Percé eingegliedert und nur 5,8 Quadratkilometer groß. Das Parkgebiet teilt sich auf in den Rocher-Percé (zu deutsch: durchlöcherter Fels) sowie in die ausschließlich von Seevögeln bewohnte Insel. Hinzu kommen die umgebenden Meereszonen des Atlantiks. Die Insel selbst ist nur mit dem Schiff von Percé aus erreichbar, dem kleinen Hafenort mit rund 3.100 Einwohnern.

Als Kanada mit den USA im Jahr 1919 das Abkommen zum Schutze der Zugvögel abschloss (Migratory Bird Convention), wurde die Insel Bonaventure bereits unter Schutz gestellt: exakt 293 Vogelarten hatte man gezählt. In den Sommermonaten sollen insgesamt mehr als 350.000 Vögel (!) auf der Insel leben, darunter Trottellummen, Seeschwalben, Gryllteisten, Alkenvögel, Silber- und Mantelmöwen, Tordalke, Kormorane, Ohrenscharben, Papageitaucher und Kappenwaldsänger! Dabei ist die Dreizehenmöwen der am zweithäufigsten anzutreffende Seevogel.

Bereits 1971 erwarb die Québecer Regierung das Eiland, bis 1985 der heutige Nationalpark eröffnet wurde. Das Parkgebiet mit 467 ha Land- und 832 ha Seefläche wurde auch deswegen unter Schutz gestellt, weil es in der Brutperiode mit bis zu 120.000 Tieren die größte Basstölpelkolonie Nordamerikas beherbergt. 

Der Name des Vogels entsprang aus Missverständnis und völliger Unkenntnis der Tierwelt. 1448 wurde bereits eine große Brutkolonie auf der schottischen Felseninsel Bass Rock erwähnt, die zum deutschen Begriff Basstölpel (Morus bassanus) führte. Von französischen Fischern, die ihn Fou de Bassan tauften, wurden die Vögel als besonders „tölpelhaft“ angesehen, da sie fast immer ohne Beute im Schnabel wieder auftauchen. Denn im Gegensatz zu anderen Seevögeln verschlucken die flinken Tiere ihre Beute schon unter Wasser!

Gartengestaltung von heute: Das Festival international de jardins in Métis-sur-mer

Tipp Nr. 7
Les Jardins de Métis: fantastische Gartenanlage einer schottischen Aristokratenfamilie aus dem 19. Jahrhundert.

Unternimmt man eine Reise ganz in den Osten von Québec, dann ist ein Halt bei den inzwischen weit über die Grenzen der Region bekannten Jardins de Métis unumgänglich. Die acht Hektar große Gartenanlage liegt 40 Kilometer nördlich der Regionalhauptstadt Rimouski, direkt dem Südufer des Sankt-Lorenz-Stroms. Die Ausdehnung dieser Gärten ist für ein privates Anwesen wirklich erstaunlich, insbesondere seine Geschichte: Gründer der kanadischen Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Railway und Präsident der Bank of Montreal George Stephen, unter dem Titel First Baron Mount Stephen geadelt, erbaute 1887 dort den Sommersitz der Familie. Das Gebäude taufte er, wie damals in Kreisen des britischen Hochadels üblich, auf den Namen „Villa Estevan“. 

Knapp vierzig Jahre später ließ sich seine Nichte Elsie Reford dort nieder und verwandelte das gesamte Anwesen bis 1958 in ihr privates Gartenreich. Sie teilte das Grundstück in 15 verschiedene Bereiche auf und ließ rund 3000 verschiedene Pflanzenarten, meist von außerhalb Kanadas, dort anpflanzen. Als sie 1967 verstarb, ging das herrliche Ensemble in den Besitz der Provinzregierung von Québec über. Erst 1995 gründete Alexander Reford, ein Urenkel von Elsie Reford, eine private Stiftung und übernahm vom Staat die Ländereien samt Villa, die seither eine Site national du Canada darstellen.

Um noch mehr Interesse für das doch recht abgelegene Anwesen zu erwecken, findet seit 2000 ein internationales Gartengestaltungsfestival statt, das Festival international de jardins. Es ist ein hochkarätiger Event zeitgenössischer Künstler und Gartenarchitekten aus der ganzen Welt. Wir waren schon vier Mal dort: Fantastisch und inspirierend!

 

Kreuzfahrt im Sankt-Lorenz-Strom: Erkundung des Archipel de L’Isle-aux-Grues

Tipp Nr. 8
Archipel de L’Isle-aux-Grues: nur mit dem Schiff erreichbare Inselgruppe im Sankt Lorenz-Strom

Im Frühjahr vergangenen Jahres machte meine Schwägerin, Mitglied des Ornitologenklubs von Québec, den Vorschlag, einen Besuch des Archipel de L’Isle-aux-Grues mitten im Sankt-Lorenz-Strom abzustatten. Denn ab Mai bietet eine der kleinsten Inseln, die unbewohnte Insel Le Pilier de Bois Nistplätze von einigen hundert Tordalken (Alca torda), im Volksmund hier auch Petits pingouins genannt, sowie von Krähenscharben, Möwen und Trottellummen. Eine private Schifffahrtslinie ab dem Hafen in Berthier-sur-Mer gestattete es uns, sich der Inselgruppe trockenen Fusses zu nähern.

Das gesamte Archipel umfasst 21 Inselchen, die alle Französisch benannt sind und die sich bis auf drei Eilande sämtlich in Privatbesitz befinden. Die Grosse-Île, früher als Quarantäne-Insel bezeichnet, gehört heute dem kanadischen Staat und ist den verstorbenen Einwanderern gewidmet, die im 19. Jahrhundert hier ankamen. Sie ist heute ein Freilichtmuseum und zählt zu den „Lieu historique national du Canada“, als einem Ort von historischer Bedeutung. Ebenfalls dem Staat Kanada gehört die Île à l’Oignon.

Eigentümer der Île Madame ist der Vorstandsvorsitzende des auch in Deutschland sitzenden Konzerns Bombardier, Laurent Beaudoin. L’Île au Ruau wurde vor zehn Jahren für 3,7 Millionen Dollar an einen Immobilen-Magnat verkauft. Der Zugang ist dort nicht gestattet, wie auf den übrigen Inseln, die allesamt in Privatbesitz sind: Île Patience, Îles aux Frères, Île la Sottise, Île Sainte-Marguerite, Île Gointon, Île à Deux-Têtes, Île du Calumet, Île du Rocher Rouge, Île à Durand, Île-aux-Canards, Île Longue, Île de la Corneille, Île du Cheval, Île Ronde, Île au Canot sowie die Île-aux-Oies. 

Die einzig ganzjährig bewohnte Insel ist dagegen die Isle-aux-Grues, wohin sich immer ein Tagesausflug lohnt, um die Insel zu Fuß zu erkunden und zu entdecken. Man sollte nur den Gezeitenkalender im Auge behalten, da bei Ebbe keine Überfahrt möglich ist. Immerhin hatte Quebecs „Picasso“ seinen Hauptwohnsitz mit Atelier dort: der Maler und Bildhauer Jean-Paul Riopelle, ein international anerkannter Vertreter des Action Painting. Er wurde zwei Mal als Vertreter Kanadas auf die DOCUMENTA in Kassel eingeladen.

 

Schneegarantie auf den höchsten Pisten Ostkanadas – Le Massif de Charlevoix (Foto: Tourisme Charlevoix)

Tipp Nr. 9
Le Massif de Charlevoix: Skigebiet mit Schneegarantie und 48 Pisten, den höchsten Ostkanadas

Was dieses Gebiet wirklich anziehend macht, sind zwei unbestrittene Tatsachen. Erstens die Schneegarantie mit bis zu 6 Metern (!) jährlichem Schneefall. Zweitens seine exzeptionelle Lage, denn von der Bergstation hat man zuweilen den Eindruck, bei der Abfahrt direkt in den dort bereits 20 km breiten Sankt-Lorenz-Strom (siehe Foto) einzutauchen. Das Skigebiet erlaubt den mit Abstand größten Höhenunterschied von 770 Metern in Kanada östlich der Rockies. 

Auf den 57 Pisten jeglichen Schwierigkeitsgrades, die in Schneisen durch den Wald angelegt wurden, ist für jede Altersgruppe Skispaß pur gegeben. Die neu gebaute 7 ½ Kilometer lange Rodelbahn sollte man ausprobieren und für Free-Rider gibt es über einem Gebiet von 40 Hektar herrliche Ski Langlaufwege. Wie sagte Mike aus Toronto so schön: „It’s a thrilling winter-sport destination!“ 

Die Anfahrt von Québec-Stadt dauert mit dem Auto lediglich eine Stunde, jedoch ist in der Talstation, im etwas verschlafenen Ortschaft Petite-Rivière-Saint-François, übernachten möglich. Interessant für mich zu erfahren ist es, daß Daniel Gauthier, Mitbegründer des weltbekannten Cirque du Soleil, im Jahre 2009 zehn Millionen Dollar aus eigener Tasche dort investierte. Sein Plan war, unter dem Markenzeichen Le Massif de Charlevoix die Region, aus der er stammt, touristisch besser zu entwickeln. Mehrere Tourismusprojekte sowie die Reaktivierung der bestehenden Bahnlinie zwischen Québec und La Malbaie hat er bis heute realisiert. Sein neuester Coup vom vergangenen Herbst: er konnte den weltweit agierenden Club Med überzeugen, dort 2021 sein erstes Skidorf von ganz Nordamerika zu eröffnen.

 

Der Autor für unsere Leser unterwegs: Nationalpark „Les Grands-Jardins“

Tipp Nr. 10
Bergtour auf 980 Meter Meereshöhe im Nationalpark „Les Grands-Jardins“ mit Blick auf Meteoritenkrater

Eine fantastische Bergtour auf den Gipfel des Mont du Lac des Cygnes bietet dieser Nationalpark. Direkt vom gleichnamigen Besucherzentrum am Haupteingang des Schutzgebietes geht es los. Man sollte etwa vier Stunden für den Auf- und Abstieg auf dem sehr steilen, aber gut ausgebauten Wanderweg von 8,6 Kilometern einkalkulieren, der nach gut zwei Dritteln der Wegstrecke bis zu einem Rastplatz führt. Dieser liegt an einem herrlich einsamen Bergsee, dem Lac Georges. Von dort geht es weiter über Stock und Stein durch den völlig naturbelassenen Urwald, der kurz vor dem Gipfel in einen Holzplankenweg mit nicht wenigen Treppen übergeht. Es ist ein Höhenunterschied von 501 Metern zu überwinden, der Gipfel liegt oberhalb der Baumgrenze bei 980 Metern. Der Blick auf den Millionen von Jahren alten Meteoritenkrater von Baie-Saint-Paul ist atemberaubend. Profiwanderer können auch die längere Tagestour von insgesamt 11,5 Kilometer für den Hin- und Rückweg wählen, die ebenfalls zum Gipfel führt. 

Das top moderne „Chalet Experience“ kann man mieten: echter Komfort in der Wildnis!

Zu deutsch hat man den Park „Grosse Gärten“ getauft. Ganz zu Recht, wie ich meine! Denn oft glaubt man sich regelrecht in einem botanischen Garten zu befinden, so herrlich vielfältig ist die Vegetation. Wir haben auch schon Bären, Tannenhühner und Karibus beobachten können. Der Nationalpark Le parc national des Grands-Jardins liegt auf einem Gesamtgebiet von 319 Quadratkilometern (!) inmitten der Verwaltungsregion Capitale-Nationale und ist rund zwei Autostunden von Québec Stadt entfernt. Er wurde 1988 von der UNESCO als zentraler Teil des Biosphärenreservates Charlevoix aufgenommen. Mit mehreren Berggipfeln oberhalb der Baumgrenze bis 1000 Metern, seinen gut ausgebauten Wanderwegen, unzähligen von Seesaiblingen und Forellen bevölkerten Seen, seiner Taigazone und seinen ursprünglichen Nadelwäldern ist der Park wie geschaffen für Entspannung und Erholung inmitten der Natur.

Wir übernachten immer in einem der top modernen Chalet Expérience, eingerichtet im schwedischen Stil, das uns mit Dusche und Toilette, Küche und Kamin echten Komfort in der Wildnis bietet. Mein Tipp zum Baden im Park: der Natursee Lac Arthabaska, nur 25 Kilometer vom oben genannten Besucherzentrum entfernt, ist herrlich!

Beitrag und sämtliche Fotos, ausser Le Massif de Charlevoix:
Marc Lautenbacher (zertifizierter Stadtführer in deutscher Sprache für die Stadt Québec)

TOP-TEN-Reisetipps von Nr.1 bis Nr.5 siehe TEIL 1

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