Tierwelt Kanada – Der Biber

von Peter Iden

Wer an Kanada denkt, denkt hauptsaechlich an zwei Sachen: den Ahorn-Baum als National-Symbol und Quelle des Ahorn-Sirup, und den Biber. das tierische National-Symbol des Landes. Natuerlich ist die Liste der kanadischen Attraktionen sehr viel laenger, aber diese beiden sind synonym mit der Geschichte und Oekonomie des Landes. In 1975 wurde der Biber als nationales Tier-Symbol fuer Kanada ernannt. Aber schon lange vorher war er als Wappentier aufgenommen worden, wie z.B. von der Hudson’s Bay Company. Auch auf den Briefmarken von Kanada erschien der Biber mehrmals.

Der Anfang des heutigen Kanada ist eng mit dem Biber verbunden. Die ersten Siedler waren mit dem Biber bereits aus Europa bekannt, denn wie beim Bison, so gab es auch eine europaeische Art (Castor Fiber). Aber waehrend der Biber in Europa bereits fast ausgerottet war, gab es in Nord-Amerika schaetzungsweise zwischen 60 und 90 Millionen Biber (Castor Canadensis) zur Zeit der Ankunft der Europaer.

Die Pelze wurden in Europa zu Maenteln und anderen Kleidungsstuecken verarbeitet, die Haare wurden in “Biber-Huete” gepresst. Castoreum, eine Druesen-Fluessigkeit des Bibers, wurde bereits in Europa seit dem 10. Jahrhundert fuer medizinische Zwecke benutzt, was erheblich zur Ausrottung des europaeischen Spezies beitrug. Biber fressen mit Vorliebe die Rinde und die Blaetter von Espen und Birken, die sehr viel Salicin enthalten, welches sich im Castoreum zu Salicyl-Saeure entwickelt und eine dem Aspirin aehnliche medizinische Wirkung hat. Als Zusatz zu Parfums wird Castoreum ebenfalls haeufig benutzt.

Auch in Kanada wurden die Biber ziemlich stark dezimiert und waren Mitte des 19. Jahrhunderts vom Aussterben bedroht. Aber die Mode schwang um, und Biber-Maentel und Huete wurden durch Materialien wie Seide aus dem Orient oder Filz ersetzt. Inzwischen hat sich die Biber-Bevoelkerung wieder erheblich erhoeht, in einigen Gegenden werden sie sogar als Ungeziefer angesehen.

Amik der Biber war das Maskottchen der Sommer-Olympiade 1976 in Montreal. “Amik” oder “Ahmik” ist der Name des Bibers in der Algonquin-Sprache. Heute sieht man den Biber auf der Rueckseite der kanadischen 5 cent Muenze. Der de Havilland “Beaver”, das beruehmte Busch-Flugzeug von Kanada, wurde zum verlaesslichsten Klein-Flugzeug der Welt und half den Norden zu erschliessen. Und auf allen Jahrmaerkten in Kanada und in einigen Laeden kann man die “Beavertails” kaufen, eine mit Puderzucker bestreute Waffel-Art.

http://www.hww.ca/hww2.asp?id=82

Biber-Daemme:

Biber-Daemme sind der Weg, mit dem sich die Tiere einen ausreichenden Wasserbedarf sichern. Ihre Welt ist das Wasser. Es erlaubt ihnen, kleinere Baeume am Wasserrand zu faellen und diese sowie ihre Aeste, Rinde und Blaetter als Futter zu haben und die Staemme und Aeste als Befestigung ihrer Daemme zu benutzen. Sie sind Meister darin, diese zu verflechten und mit Matsch und Lehm zu wasserfesten Gebilden zu machen. Sie sind so fest gebaut, dass man sie als “Bruecken” ueber Suempfe und Baeche benutzen kann.

Die Biber-Daemme sind vielfach nicht gern gesehen, besonders in dichter besiedelten Gebieten, wo sie oft zu Ueberflutungen von Strassen und Feldern fuehren.

Auch diee “Burgen” (Lodges) der Biber bestehen aus Aesten, die eine oder mehrere Hoehlen bedecken. Diese liegen ueber dem Wasserspiegel, koennen aber von den Tieren nur durch Unterwasser-Eingaenge erreicht werden. Bevor das Wasser der Teiche (Beaver Ponds) in jedem Jahr ueberfriert, bedecken die Biber ihre Burgen mit Matsch, der so fest gefriert, dass weder Woelfe noch andere Raubtiere die Hoehlen erreichen koennen.

http://www.beaverdam.info

Ausser den Menschen haben die Biber zahlreiche andere Feinde, wie Adler, Alligatoren (Biber sind bis nach Nord-Mexiko verbreitet), Baeren, Bobcats, Cougars, Eulen, Habichte, Hunde, Koyoten, Mink, Otter, Wolverine und andere fleischfressende Tiere. Sie muessen ewig wachsam sein, und wenn Gefahr naht, verschwinden sie mit lautem Klatschen ihres flachen Schwanzes im Wasser, wodurch sie auch andere Biber warnen.

In 2007 fand ein Oekologe beim Durchsehen von Google Satelliten-Bildern im Wood Buffalo National Park in Nordost-Alberta einen Biberdamm, der mit 850 Metern zweifellos der laengste der Welt ist. Der Wood Buffalo Park ist der groesste National Park in Kanada mit 17,300 squ.miles (44,807 qkm). Im Vergleich misst die Schweiz 15,940 squ.miles (41,284 qkm). Der Damm wurde seit 1975 von mehreren Biber-Generationen gebaut und ist die Heimat fuer eine Bevoelkerung von schaetzungsweise 30 Tieren. Der bisher als laengster bekannte Biberdamm (mit 652 Metern) liegt bei Three Forks in Montana.

http://www.msnbc.msn.com/id/37038932/ns/technology_and_science-science/

Die Hudson’s Bay Company:

Der Biber wurde zum ersten und wertvollsten Export-Produkt von Kanada. Zuerst waren es die Franzosen, die den Handel beherrschten. In 1670 wurde von der Britischen Krone eine “Charter” (Lizenz) fuer die Formierung der heute aeltesten Firma in Nord-Amerika, der Hudson’s Bay Company, an den damaligen Gouverneur von “Upper Canada” (dem englischen Teil Kanada’s, heute Ontario) vergeben.

Die Hudson’s Bay Company (HBC) wurde damit zur “de facto Regierung” des gesamten Gebiets bis zur Hudson’s Bay und breitete sich ziemlich schnell nach Westen aus, wo sie im heutigen Manitoba und Saskatchewan ihre Forts bauten, um von den Indianern Felle einzuhandeln. Es waren zuerst vorwiegend Biber-Felle, aber zahlreiche Felle anderer Tiere wurden ebenso eingetauscht. Zur Bluetezeit der HBC war sie der groesste Landeigentuemer der Welt, mit 15% von Nord-Amerika als ihr Territorium.

Heute ist die HBC hauptsaechlich durch ihre zahlreichen “The Bay” Laeden bekannt, sowie auch ihrer Zellers, Home Outfitters und Fields Einzelhandels-Ketten. Im Januar 2006 wurde die HBC an den amerikanischen Multi-Millionaer Jerry Zucker verkauft. Zwei Jahre spaeter ging die HBC in den Besitz von NDRC ueber, die in den USA die Lord & Taylor Kette mit 47 Laeden betreibt, sowie die Fortunoff Juwelen und Haushalts-Laeden. Der Verkauf der geschichtlichen HBC in die USA brachte Kopfschuetteln bei vielen Kanadiern. Aber der Handel und die Finanzen kennen heute keine Grenzen mehr.

http://www.gov.mb.ca/chc/archives/hbca/about/hbc_history.html
http://www.hbc.com/hbcheritage/history/timeline/hbc/

Peter Iden
Brampton, Ontario, Kanada

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