Vancouver 2010 – Rückblick

von Kerstin Auer

Am 17. Dezember 2010 verkündete Edward Furlong, der Vorsitzende des olympischen Kommitees für die Winterspiele in Vancouver (2010), offiziell dass die Olympiade mindestens das eingespielt hat, was sie gekostet hat.

Ich kann mich sehr gut an das Jahr vor den Spielen erinnern – es wurde heiß diskutiert und demonstriert – viele Kanadier wollten die Olympiade hier absolut nicht haben. Die gängige Meinung war dass Vancouver nach den Spielen finanziell genauso schlecht dastehen würde wie Calgary 1988. Calgary brauchte damals etliche Jahre um sich davon zu erholen und nach der jüngsten Wirtschaftskrise, die keineswegs vorbei war, sahen die Leute in British Columbia das gleiche Schicksal auf Vancouver zukommen.

Je näher die Spiele kamen, desto stiller wurden die Kritiker… Das olympische Fieber hatte sie alle erfasst.  Am 1. November begann der Fackellauf, der bisher längste in olympischer Geschichte. Eine Reise von 45 000 km, von Victoria, British Columbia bis an die Ostküste Kanadas und zurück – die Route war so geplant, dass jeder Kanadier an einem der 106 Tage die Möglichkeit hatte die Fackel zu sehen, für keinen war es eine längere Anfahrt als eine Stunde (und das heißt was, in so einem riesigen Land!) Die Fackel wurde auf über 100 Arten transportiert – zu Fuß, mit dem Kanu, vom Indianerhäuptling auf dem Pferd und natürlich auf Schlittschuhen.

Wir hatten auch hier in Merritt die Möglichkeit die Fackel hautnah zu erleben – Merritt, BC war einer der offiziellen Anlaufpunkte des Fackellaufs. Am 6. Februar 2010 war es soweit. Den ganzen Tag über wurde am Aufbau einer massiven Bühne gearbeitet, darauf stand der Kessel, in dem das olympische Feuer flackern sollte. Die Fackel war bereits unterwegs und die ganze Stadt war auf den Beinen. Gesichter bemalt, Haare rot und weiß gefärbt, olympische Mützen und Handschuhe – es ist kaum zu beschreiben. Auf der Bühne warteten die offiziellen Vertreter der Stadt, die Mounties und der Landtags-Abgeordnete. Als die letzte Fackelläuferin auf der Bühne eintraf war niemand mehr zu halten. Der in ein „O Canada“ übergehende Jubel, als das Feuer loderte, war ohrenbetäubend. Ich habe heute noch Gänsehaut wenn ich daran denke.

Die ganze Olympiade war berauschend. Ich war 2006 von der Fußball WM schon ganz beeindruckt, aber die Spiele übertrafen sogar das. Die Kanadier belächeln ja die Amerikaner sonst immer etwas wegen ihres Patriotismus, in dieser Zeit kam aber so richtig zum Vorschein wie stolz die Kanadier auf ihr Land sind. Und das zurecht! Einige meiner Bekannten hatten Karten zur Eröffnungszeremonie. Von den kleinen technischen Problemen am Ende der Zeremonie ließ sich niemand beirren – alle sprachen nur davon wie stolz sie auf ihr Land waren und was für ein unvergessliches Erlebnis es war.

Am Ende blieben nur positive Erinnerungen – auch unter den Kritikern. Und dank der Mitteilung von Edward Furlong am 17. Dezember ist es nun auch offiziell – die olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver waren ein voller Erfolg!

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