Wüsten in Kanada

von Peter Iden

Okanagan Valley

Die Touristen-Literatur, die Medien und selbst die Regierung von Kanada versprechen Besuchern, dass sie in unserem Land außer den zahlreichen landschaftlichen Attraktionen auch in einigen Gegenden richtige “Wüsten” finden können.
Bevor sie diese Aussage machen, sollten sie allerdings den Begriff “Wüste” definieren, Daran scheitern jedoch die Quellen. Man muss sich also auf die lokalen Legenden stützen, welche die Ortschaften für die Touristen proklamieren.

Kanada hat in jeder Provinz trockene Punkte, wo weniger Regen fällt als in der Umgegend. In Ontario als Beispiel, wachsen Kakteen in den südlichsten Teilen. Die Touristen-Literatur gibt dafür nur “im Vorbeigehen” kurz Erwähnung.

eastern prickly pear cactus

Kaum eine Gegend hat die Wüsten-Legende mehr für den Tourismus ausgenutzt als Osoyoos im Okanagan Valley von British Columbia. Osoyoos liegt 136 km südlich vom Kelowna Airport und 63 km südlich von Penticon, sowie 400 km inland von Vancouver am Treffen der Highways 97 und 3, gar nicht so einsam wie die Medien es beschreiben. Die sind aber schon immer auf solche Geschichten herein gefallen.

Typisch dafür ist ein Artikel im Toronto Star vom 24.Juni 2009, der die Gegend von Osoyoos als “eine einsame Wüste” sowie “eine Ausdehnung der Sonora-Wüste” bezeichnet. Diese ist aber 260,000 qkm groß und erstreckt sich vom Staat Sonora in Nord-Mexiko über Süd-Arizona, Südost-Kalifornien, die Inseln der Baja California und den größten Teil der Baja Halbinsel, ist also mehr als 2,250 Kilometer von British Columbia und Osoyoos entfernt.

Angeblich ist die “Osoyoos-Wüste” die Heimat von 100 Pflanzen und 300 Tieren, welche es nirgendwo anders in Kanada geben soll. Allerdings wird das in der Website der Osoyoos Desert Society nicht bestätigt, kann aber vielleicht auf einen nicht voll informierten übereifrigen Naturführer zurück gehen.

 Osoyoos, BC

Tatsächlich ist die Osoyoos-Gegend eine halb-trockene “Steppe” mit Gräsern und Buscharten, für die längere Trockenheit kein Problem ist. Mehrere davon gibt es in keiner anderen Gegend von Kanada, und das trifft auch auf viele der 104 wirbellose Tiere zu.

Was ist aber eine wahre “Wüste”? Die Wissenschaft akzeptiert “Wüste” als eine Gegend, in der der “Trockenheits-Index” bei weniger als 0,2 liegt, d.h. dass die Verdunstung fünfmal höher ist als der Niederschlag.

In Europa gibt es nur eine einzige Wüste: die 280 qkm große Tabernas in der Provinz Almeria an der Küste Andalusiens in Spanien, wo die höchsten Temperaturen (40 Grad Celsius) in Europa nicht selten sind. Das Land ähnelt den amerikanischen Wüsten und wurde oft für die alten “Spaghetti Western” Filme benutzt. Es beherbergt nur wenige Tiere und Pflanzen.

Zwei weitere Sandwüsten in Europa, die 800 qkm Oltenia Sahara in Rumänien (die hauptsächlich durch Abrodung der Wälder entstand), und die durch Sandwinde formierten 300 qkm großen Deliblato Sands in Serbien sind (wie schon einer der Titel belegt) Sahara-ähnliche Sandwüsten mit einer sehr variablen Tier- und Pflanzenwelt.

Der trockenste Erdenfleck der USA ist Death Valley, obwohl ein anderer Ort, die Gegend von Calexico an der Grenze von Mexiko und Kalifornien, im Vergleich zu Death Valley nur die Hälfte an Niederschlag aufweist.

Wo liegt also die “wahre” Wüste in Kanada? Das Dorf Ashcroft (1,550 Einwohner) 230 km nordwestlich von Osoyoos und 94 km westlich von Kamloops am Trans-Canada Highway gelegen, machte bisher jedoch keinen “Osoyoos-Trara” aus der Tatsache, dass es in der einzigen “Wüste” in Kanada liegt.

Der durchschnittliche Regenfall von Osoyoos ist 323 mm im Jahr. Ashcroft bekommt nur 200 mm Regen jährlich. Für Kamloops liegt der jährliche Regenfall etwa in der Mitte der beiden Orte.

Ashcroft, welches wie alle anderen Plätze durch Covid-19 viele Arbeitsplätze sowie Touristen verloren hat, hat bisher von einer “Osoyoos-Legende” Abstand genommen, will nun aber auch auf denselben Wagen steigen, um zumindest mehr Touristen anzulocken. Der Gund dafür ist nicht zuletzt die populäre TV-FBI Drama-Serie “X-Files” mit David Duchovny und Gillian Anderson.

Eine ihrer Episoden wurde in 2015 in Ashcroft gefilmt, weil die Gegend dem in Roswell, New Mexico gelegenen mythologischen UFO-Absturzplatz in der TV-Serie ähnelt.

Die Sci-Fi Fans unter uns wissen natürlich, dass UFO’s immer in Wüsten landen.

Der angebliche Absturz in der Wüste und das resultierende Weltinteresse an dem Roswell-Vorfall hat zahlreiche Hypothesen mit sich gebracht. Weitaus die größte davon ist, dass die US-Regierung den Absturz am 1. Juli 1947 aus unbekannten politischen Gründen geheim halten wollte und die UFO und ihre Insassen – tot oder lebendig – seitdem versteckte.

Der Nachspann der X-Files Serie erklärt: “Keine ausserirdischen Lebewesen wurden während der Filmarbeiten verletzt”.

 

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3 Kommentare

PETER IDEN
PETER IDEN 30. August 2020 - 14:10

Das kommt davon, wenn man seine Landkarte verkehrt herum auf dem Schreibtisch hat, weil dort sowieso niemals genuegend Platz ist 🙂 Danke fuer die aufmerksame Berichtigung, Daniela!

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Daniela 30. August 2020 - 13:04

ich glaube hier hat sich ein Fehlerteufel eingeschlichen 😉 Osoyoos liegt doch eher 136 km südlich vom Kelowna Airport (nicht westlich) und eher 63 km südlich von Penticton (nicht nördlich)

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Gary Kiemle
Gary Kiemle 30. August 2020 - 13:15

Vielen Dank, da hast du natürlich absolut recht – wird sofort korrigiert! 🙂

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