Unimog Abenteuer in Canada: Yukon und Alaska, Teil 1

von Stefan Dr. Kelbch

  1. Juli 2016

Wir erreichen die Grenze zum Yukon (früher Yukon Territory).
Kurz vor Watson Lake verordne ich meiner Patientin noch eine Wasserkur:
Wir gehen im schön warmen Lucky Lake schwimmen. Erfrischt fahren wir in Watson Lake ein, gehen kurz ins Visitor Center und suchen dann im „Watson Lake Signpost Forest“ unser Schild von 2008 („Much: 7064 km“).

Watson Lake Sign Post Forest, 2015 schon 82.500 Schilder

Bald habe ich es unter den über 82.500 Schildern gefunden, es geht doch nichts über ein gutes Gedächtnis. Es sieht noch wie neu aus, trotz -50°C im Winter und +30°C im Sommer (wie heute).
Danach wird eingekauft (huch, das ist hier ja schon ganz schön teuer!).


Noch schnell eine Fishing Licence besorgt und dann zur Show im Northern Light Center. Immer noch der gleiche Rundum-Film wie 2008. Aber der Teil über die Aurora Borealis (Nordlichter) ist sehr schön und neueren Datums.
Gegen 19:30 Uhr bei prallem Sonnenschein (sieht aus wie 16 Uhr bei uns) nehmen wir die ersten km des Campbell Highways (CH) unter die Räder. Nachdem wir die Außenbereiche von Watson Lake hinter uns gelassen haben, finden wir schnell einen versteckten Stellplatz an einem kleinen See und lassen den Tag ausklingen.
Ich nenne den See „Shootout Lake“ weil in der Nähe (vermutlich) ein paar Natives rumballern. Es ist Samstag, genug Bier und Munition für 14 Tage sind eingekauft – man gönnt sich ja sonst nichts. Geballert wird auf alles.
In der Nähe unseres Stellplatzes haben sie irgendein elektrisches Gerät mit Blei in seine Einzelteile zerlegt.
Hoffentlich kommt SUMO nicht in ihre Schusslinie…

Wir haben überlebt und genießen noch ein paar km die Asphaltdecke des CH.
Damit ist es nach 80 km vorbei, es geht mit ordentlichem Gravel weiter, bis…
„Road Construction“, selbst hier auf einer der am wenigsten befahren Straßen im Yukon. Es wird gebaggert, geschoben, gegradet usw. SUMO freut sich, dass er mal wieder zeigen kann, was er offroad drauf hat. 10 km wühlen wir uns durch die Baustelle. Danach gibt es wieder guten Gravel.
Wir machen einen kurzen Besuch beim Simpson Lake,  der ist aber nichts zum Angeln ohne Boot. Wir müssen demnächst unsere Yacht aktivieren.
Auf der Weiterfahrt fängt es an zu regnen und SUMO ferkelt sich wieder ein. Der nächste Campground ist uns bekannt, hier waren wir 2008 schon.
Wir  parken sogar auf dem gleichen Stellplatz wie damals, 10 m vom schönen Frances Lake entfernt. Jetzt wird es endlich Zeit, unser Kanu aufzubauen. Alle Stausäcke müssen vom Dachgepäckträger runter. Einer ist innen nass – was dem Inhalt (Tauchausrüstung) aber nichts ausgemacht hat.
Dann kommt ein Nissan Pickup mit Tischer Kabine vorbei, mit Angelika und Jürgen aus Schleswig. Wir quatschen uns fest, so lange, bis Elke vor Hunger pfeift.
Die Angeltour mit dem Kanu muss heute ausfallen, zu spät und durch ein kurzes Gewitter ist der See zu aufgewühlt.
Wir beschließen, morgen einen Ruhetag einzulegen. Kurz vor der Bettruhe gehe ich noch im See baden, gar nicht kalt!

Heute ist Ruhetag.
Stundenlang bin ich mit dem Kanu auf dem See und versuche mit Trolling eine Lake Trout (Seeforelle) zu fangen. Den See in Strandnähe nach Norden und in der Seemitte wieder zurück – leider nichts. Hat aber Spaß gemacht.
Elke strickt derweil ihre Weste weiter.
Wir relaxen, lesen und grillen am Abend.
Vorher bringen wir noch das Kanu auf das Dach. SUMO ist nun 4,0 m hoch. Wir haben keine Lust, das Kanu an jedem See auf und wieder abzubauen.
Hier gibt es einige Weißkopf-Seeadler. Der Tag war heute sehr windig und meist bedeckt.

Noch 190 km bis Ross River, wir rollen durch einsame, schöne Landschaften.
Es ist kaum Verkehr, alle Stunde mal ein Fahrzeug, dann auf einmal drei große Trucks hintereinander, mit Baumaschinen auf den Anhängern und Überbreite. Ich quetsche mich mit SUMO an den Straßenrand.
Unterwegs einige Fotostopps und ein Turnout mit Info über die hier lebende Caribooherde (ca. 5000 Tiere).
Gegen 11 Uhr kommen wir in Ross River (RR) an, tanken nach und kaufen noch ein paar Grillwürstchen in dem armseligen Food-Laden. RR ist immer noch das gleiche heruntergekommene Kaff, wie vor 33 oder 8 Jahren. Die Bewohner der anderen Ortschaften des Yukon nennen Ross River „Lost Liver“, weil wohl viele der Einwohner von RR Stammkunden im Liquor Store sind…
RR liegt zwischen der South und North Canol Road (Canol steht für  Canada oil).
Die Canol Road wurde 1943 von den Amerikanern als Versorgungsstraße für die parallel verlaufende Öl-Pipeline gebaut, die von Camp Canol, bei Norman Wells am Mackenzie River nach Johnsons Crossing führte. Man wollte im Yukon aus dem Öl von Norman Wells Treibstoff herstellen. Dazu wurde extra eine Raffinerie in Einzelteilen in den Yukon geschafft. Der Pipelinebau dauerte länger als erwartet und wurde x-mal teurer als berechnet. Als das Öl endlich floss, stellte man fest, dass es doch viel billiger ist, den Treibstoff über den mittlerweile operativen AH direkt in den Norden zu schaffen. Nach nur kurzer Betriebsdauer wurde die Pipeline wieder eingemottet und später abgebaut.
Die Straßen sind geblieben. Die North Canol (232 km one way) endet aber für Fahrzeuge kurz hinter dem McMillan Pass in der Nahanni Range.
Die verbliebenen 370 km nach Norman Wells sind heute nur noch zu Fuß zu bezwingen – auf dem “North Canol Heritage Trail”.
Die einzige Sehenswürdigkeit von RR, die alte Suspension Fußbrücke über den Pelly River, ist seit 2013 gesperrt, wegen Baufälligkeit. Sie soll aber irgendwann  wieder hergerichtet werden. 2008 sind wir noch über sie gelaufen.
Aber die Fähre über den Pelly zur North Canol Road gibt es noch. Immer noch kostenlos und immer noch von einem alten Indianer bedient.
Jetzt beginnt endlich meine Traum-Tour, 2008 hatte es leider nicht geklappt.
Direkt an der Fähre, dann der Schock „Cariboo River Bridge max 5 to“. Das würde bedeuten, wir können mit SUMO die North Canol nicht fahren…
Mein Traum – ausgeträumt?

Sch…., was nun?

Ich begrüße den alten Indianer und quetsche ihn aus: Kein Problem mit der Brücke, könnte ich ruhig fahren. Ok…. Was soll‘s, Brücken sind doch immer für das Doppelte der Nennlast ausgelegt, oder? Ich hoffe das gilt auch für Canada.
Egal, no risk, no fun – wir setzen über.
Zunächst geht es am Ross River entlang, dann länger durch Wald und Busch. Bergauf, bergab geht die rauhe, schmale Straße – SUMO freut es.
Bald wird der Track offener und wir kommen den Bergen immer näher.
Nach 100 km kommt die Cariboo Bridge, auch hier ein Schild, aber mit der Aufschrift  MAX 10 to, 5 to pro Achse!
Gut gelaunt rollt SUMO darüber. Man darf sich halt nicht verrückt machen lassen.
Wir sehen uns einen möglichen Stellplatz am Dragon Lake an, ganz ok, aber das muss noch besser gehen. Erst wird mal den Nachtisch geerntet (Himbeeren und Walderdbeeren), dann  fahren wir weiter zum Sheldon Lake. Ein kleiner Stichweg führt von der North Canol hinunter zum See. Auf halber Strecke versperrt ein dicker, tiefhängender  Ast die Weiterfahrt. Machete raus, 5 Minuten gehackt und weiter geht es, durch Schlammlöcher und tiefe Pfützen zu einem wunderschönen Platz, 10m vom Ufer des Sheldon Lake, vor der Kulisse des gleich genannten Berges.
Der See ist rundum gesäumt von Bergen, majestätisch ragt der Mount Sheldon (2114m) nordwestlich  von uns auf, im Norden sieht man die Berge der Nahanni Range (Itsi-, Logan- und Hess-Mountains). Ein Anblick an dem man sich gar nicht satt sehen kann.

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SUMO vor dem Mount Sheldon

Canada und Yukon par excellence. Wir sind völlig alleine hier, kein Mensch im weiten Umkreis. Die Sonne sinkt tiefer und beleuchtet die Berge mit ihrem besonderen Abend-Licht.
Dafür liebe ich Canada!
Nur das Angeln war wieder mal nicht von Erfolg gekrönt. Hier funktioniert sowieso nur Wasserei mit Nassfliege, weil Blinker und Wobbler sofort ins Unterwasserkraut greifen.

Ab dem Sheldon Lake wird der Track rauer. Viele Auswaschungen und Potholes ohne Ende. Die Szenerie wird immer Hochgebirge-ähnlicher. Wir erreichen das erste Schrottlager ausgemusterter Militär LKW’s aus dem zweiten Weltkrieg.

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Mein neuer Truck (some work needs to be done…)

Kurz dahinter liegt der zweite Abstellplatz alter Trucks. Nach etwa 50 km kommt dann der Hauptparkplatz.

 

 

 

 

 

 

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Trucks for sale! Good Prices, low miles!

Auf immer “anspruchsvollerem”  Track geht es weiter der Grenze zwischen dem Yukon und den North West Territories (NWT) entgegen. Die Berge sind grandios, Gletscher blinken uns an. Am McMillan Pass verläuft die Grenze zu den NWT.  Wir fahren weiter, solange es noch geht.
Manchmal muss sich SUMO etwas anstrengen. Doch dann ist irgendwann Schluss:

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Erste “Brücke” in den NWT, hier geht es nur noch mit Furten weiter

SUMO könnte zwar da durch, aber der Creek hat in der Mitte eine tiefe Stelle – wie tief?
Da kein Baum zum Bergen bereit steht (wir sind über der Baumgrenze), verzichten wir auf Experimente.
Das letzte Fahrzeug haben wir vor 200 km gesehen. Hier beginnt der “North Canol Heritage Trail”.
Von hier an gibt es keine Brücken über Bäche und Flüsse mehr.
Aber mehr war auch gar nicht geplant.
Wir drehen um. Wie auch wir, dreht sich das Wetter, es fängt an zu regnen und wir geraten in ein dickes Gewitter.
Jetzt wird der Track noch “anspruchsvoller” – aber kein Problem für SUMO.
Stunden später stellen wir ihn am Dragon Lake ab. Eine kurze Sonnenperiode beleuchtet den See, bis wieder ein Gewitter losbricht. SUMO wackelt wie ein Lämmerschwanz.
Ich bekomme davon nichts mit, da ich mich früh in die Falle gehauen habe.
Den ganzen Tag offroad fahren, mit voller Konzentration, das fordert seinen Tribut.

Wir verlassen den Dragon Lake und streben auf besserer Piste wieder Ross River entgegen. Jede Straße sieht in Gegenrichtung anders aus. Der Abstecher hat sich also doppelt gelohnt. Kurz vor dem Pelly River laufen uns Wildpferde vor den Kuhfänger, aber der funktioniert ja auch bei Elchen und Pferden.
Am Pelly River liegt die Barge am gegenüberliegenden Ufer, doch der Fährmann sieht uns und setzt sofort über.

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Pelly Barge

“Thank you for travelling SUMO Adventure Tours”
sind meine abschließenden Worte für den North Canol Road Trip.
Nun noch schnell nachgetankt (auch auf der North Canol bleibt SUMO unter 20l/100km), -gnadenlos günstig hier für den Norden – und wir fahren auf die South Canol Road.

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Alles sehr rustikal hier…

Aber nur 25 km one way, um uns den Lapie Canyon und das Tal des Flusses anzusehen.
Nach Rückkehr zum CH geht es Faro entgegen. Unterwegs sehen wir einen weiteren Canyon des Lapie River. Es fängt wieder an zu regnen.

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1 Kommentar

Andrew Seal 16. Juni 2017 - 23:15

Hallo Dr. Kelbch,

Ich bin ein Journalist bei der Zeitung Yukon News. Ich suche jemand zu interviewen der eine Rundfahrt in Yukon mit einem Unimog gemacht hat. (Wäre auch super mit jemandem zu reden der gerade in Whitehorse ist, oder bald nach Whitehorse kommt, wenn Sie jemanden kennen).

Ich würde gerne mit Ihnen reden wenn Sie interessiert sind.

MfG,
Andrew

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