Marathon Trail zum Agawa Canyon, Ontario

von Gary Kiemle

Eine Reise in den Agawa Canyon, eine eindrucksvolle Schlucht, wie man sie in dieser doch recht flachen Provinz nicht erwartet. 185 Kilometer sind es mit der „Algoma Central Railway“ ab Sault Ste. Marie bis Agawa, wo der Zug ein paar Stunden hält und am selben Tag zurückdampft. Eine Straße führt nicht dorthin.
Nördlich von Hibbard Bay, in einem alten Lavagebiet, findet sich ein wahres Dorado für den Gesteinssammler; die Wildnis des Lake Superior Provincial Park ist eine Herausforderung für den gestandenen Backpacker, der von hier einen Marathon Trail zum bereits erwähnten Agawa Canyon unter die Schuhe nehmen kann.

Da sind die Aussichts- und Fotoplätze nach der Überquerung des Agawa River (Agawa Bay Lookout); die anderthalb Kilometer danach folgenden geheimnisvollen Felszeichnungen, deren Alter und Bedeutung niemand enträtseln konnte, die aber das Grundthema von Longfellows indianischem Vers-Epos „Hiawatha“ darstellen. Vorsicht bei Kanu-Touren auf eigene Faust – der Obere See war nicht ohne Grund schon bei den Voyageurs gefürchtet! Im Park gibt es geführte Kanu- und Wandertouren.


Wenige Kilometer hinter dem Park liegt Wawa – und das hier beheimatete Monstrum der „Wawa Goose“ . Das Gebilde ist fast zehn Meter hoch, also unübersehbar, und soll über zwei Tonnen wiegen. Wawa ist ein bedeutender Ausgangspunkt für Touren in die endlosen Wälder für Jäger, Angler usw.
Der Highway 17 wendet sich auf den folgenden 180 Kilometer landeinwärts, passiert halbwegs dieser Strecke White River, ebenfalls ein wichtiger Startplatz für Wildnis-Fans und gleichzeitig der kälteste Platz des kontinentalen Kanada: –58° C wurden hier gemessen! Rechts und links der Straße dehnt sich Urwald, Sumpf, Wasser – eine ursprüngliche und für den, der nicht mit ihr vertraut ist, gefährliche Wildnis. Da ist schon mancher, der nur mal einen kurzen „Waldspaziergang“ machen wollte, spulos verschwunden. Nicht, dass da Bären und Wölfe auf ihre nichtsahnenden Opfer lauern würden. Die gibt es zwar, aber sie halten sich meist im entfernteren Hinterland auf. Nein, der Unkundige verliert die Orientierung und gerät in Panik, läuft in die falsche Richtung . . .

Text Quelle: „Kanada zwischen Rockies und Arktis“ – von Roland Kiemle

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