THE GREAT TRAIL – 11. ETAPPE

by Heidi Giebl

Unterwegs auf dem TRANS CANADA TRAIL – Alberta Teil 2

ALBERTA – „Wild Rose Country“ … das ist noch immer der Inbegriff von Freiheit und Abenteuer – von spektakulären Landschaften und Regionen, in denen die Natur noch unberührt und ursprünglich ist und sich Wild-West-Romantik einstellt!

In Alberta, der viertgrößten Provinz Kanadas, verläuft der Great Trail über insgesamt ca. 3.430 km – teils Land-, teils Wasserrouten – und ist Ausgangspunkt für viele Entdeckungen und Abenteuer. Still und eher unbekannt sind die Pfade des Nordens – bestens geeignet, die Wunder der Umgebung zu erkunden. Jeder Streckenabschnitt glänzt durch seine einzigartige Geschichte.

Besonders kühn gestaltet sich der Trans Canada Trail – seit 2016 offiziell „The Great Trail“ genannt – in Albertas Norden. Der nördliche Teil schlängelt sich zunächst von Calgary kommend durch Red Deer nach Edmonton, Albertas Hauptstadt am North Saskatchewan River. Das Gebiet war bereits vor mehr als 11.000 Jahren von Indianern besiedelt und gewaltige Öl- und Gasvorkommen machen die Region heute zu einer der reichsten Gegenden Kanadas.

In Edmonton, dem „Tor zum Norden“, verläuft der Great Trail durch das North Saskatchewan River Valley und ist ein Ganzjahres-Ausflugsziel. Der „Edmonton River Valley Trail“ ist die längste zusammenhängende städtische Parkanlage Nordamerikas und ein ca. 150 km langes Netz an Fuß- und Radwegen begeistert sowohl Einheimische als auch Besucher und lockt zu den verschiedensten Freizeitvergnügungen! Die Entdeckungsreise führt vorbei an den einzigartigen Gewächshäusern in Pyramidenform („Muttart Conservatory“) mit Pflanzen aus aller Welt. Viel Flair verbreiten die ganzjährig stattfindenden Festivals in den mehr als zwanzig Parks entlang des Edmonton River Valley Trails. In Albertas Hauptstadt gibt es immer etwas zu feiern und die vielfältigen kulturellen Traditionen werden bis heute gepflegt. Reichlich Genuss und großes Vergnügen bereitet auch ein Bummel durch das nahe gelegene lebendige „Strathcona Viertel“, dem ältesten Teil der Stadt. Sehr interessant und lohnenswert ist auch ein Abstecher zum Fort Edmonton Park – hier lässt sich die Geschichte der Region erleben! Zwischen 1795 und 1891 entstanden fünf Fort-Edmonton-Handelsposten, wobei sich das fünfte und letzte Fort zum heutigen Edmonton entwickelte! Auch ein Ausflug in den bekannten Edmonton Valley Zoo verspricht viel Spass – nicht nur für Kinder!

Etwa 150 km nördlich von Edmonton verläuft der Great Trail ab Athabasca zweigeteilt in einer Land- und einer Wasserroute.

Die nördlichen Land- und Wasserwege treffen sich wieder in Inuvik in den Northwest Territorien und führen von dort aus weiter nach Tuktoyaktuk am Arktischen Ozean.

Die Wasserroute in Alberta führt über ca. 650 km dem Athabasca River folgend nördlich durch Fort McMurray zum Lake Athabasca. Fort McMurray – einmal bekannt durch seine Ölsande und zum anderen durch eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte Kanadas, den verheerenden Waldbränden im Jahre 2016, ist die nördlichste Stadt Albertas und die Chancen, das Nordlicht zu beobachten, sind hier besonders hoch. Das Gebiet zählt zu den weltweit besten Gegenden zur Beobachtung des faszinierenden Naturschauspiels, der Aurora Borealis.

Der mächtige Athabasca River bietet in seinem spektakulären Lauf Rafting-Erlebnisse für jeden Geschicklichkeitsgrad; Stromschnellen sorgen bei den Wildwasser-Freaks für Spaß, Nervenkitzel und Spannung. Adrenalin pur! Keine Häuser, keine Siedlung, nur Wälder und Inseln begleiten die Paddler auf ihrer Fahrt auf dem gewaltigen Fluss – ein beispielloses und intensives Naturerlebnis!

Foto: Gary Kiemle

Ein beeindruckender Streckenabschnitt des Great Trail ist der ca. 150 km lange historische Athabasca Landing Trail (ALT). Der Freizeitpfad hebt die historischen und natürlichen Merkmale dieser Region besonders hervor. Diese Landroute verläuft ca. 25 km nordöstlich von Edmonton beginnend bei Fort Saskatchewan – bekannt wegen seiner petrochemischen Anlagen – und führt nach Athabasca. Gepflegte Rad- und Wanderwege durchziehen das North Saskatchewan River Gebiet; der Trail umfasst auch Wege zum Reiten, Langlaufen, Hundeschlittenfahren uvm..

Der Athabasca Landing Trail ist die einzige Überlandroute des Great Trail in die nördlichen Territorien. Er verbindet sich mit dem Peace River Trail und dem Iron Horse Trail, dem längsten Abschnitt des Great Trail in Alberta. Eine stillgelegte Eisenbahntrasse dient als Basis für den Iron Horse Trail und wird hauptsächlich von Wanderern, Radfahrern, ATV-Fahrern, Langläufern oder Schneemobilfahrern genutzt. Der Trail führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit sanften Hügeln, borealem Wald, Feuchtgebieten und Parklandschaften. In der Gegend um Smoky Lake wachsen besonders große Kürbisse – jährlich findet im Herbst das traditionelle „Kürbis-Festival“ statt, das viele Besucher anzieht.

Der Athabasca Landing Trail wurde 1876 von der Hudson’s Bay Company erbaut, um den Transport zwischen Edmonton und den nördlichen Gemeinden zu verbessern. Pelzhändler, Goldgräber und Siedler folgten dem Weg nach Norden.

Ende des 19. Jahrhunderts war der Trail Kanadas geschäftigste Nordroute und spielte eine bedeutende Rolle bei der Lieferung von Gütern und Erbringung von Dienstleistungen zwischen Edmonton und Athabasca.

Bekannt war der Athabasca Landing Trail seinerzeit als „100-Meilen-Portage“. Die Portage verband den North Saskatchewan River mit dem Athabasca River sowie dem Mackenzie River System und folgte den traditionellen Wanderwegen der indigenen Bevölkerung und Metis. Der Trail war bei der Entwicklung des nördlichen Alberta, des Yukon und der Northwest Territorien maßgeblich beteiligt.

Eine Reihe von kleinen interessanten Gemeinden, historischen Stätten und Sehenswürdigkeiten finden sich entlang des Athabasca Landing Trails. So fühlt man sich beim Rundgang durch das malerische historische Dorf „Fort Saskatchewan Museum“ (Historic Site) zurückversetzt in die Vergangenheit und genießt zudem einen herrlichen Blick über den North Saskatchewan River.

In Gibbons – bekannt durch seine Pferde – bieten sich Ausritte auf schönen Wegen oder Pferdeschlittenfahrten entlang des bezaubernden Flusstales an. Im Jurassic Forest, einem prähistorischen Schutzgebiet nördlich von Gibbons, lässt sich viel über Flora und Fauna erfahren. Die Region ist ein ausgezeichneter Lebensraum für Wildtiere und in den Feuchtwiesen, Espenhainen und Schwarzfichtenmooren sind zahlreiche Vogelarten heimisch. Natur und Erdgeschichte im Mix – ein spannender Cocktail!

Der Trail bietet viele Attraktionen, z. B. lässt sich in dem schmucken Städtchen Bon Accord, einstmals von schottischen Siedlern gegründet, auf einem gepflegten Rasen Golf spielen oder in einem Keramikstudio beim Töpfern von ausgesuchten Stücken zusehen – die Unikate lassen sich natürlich auch erwerben.

Etwas versteckt liegt der Half Moon Lake in einem bezaubernden Park, ein Ort zum Entspannen und ein guter und geschützter Bereich, um Wildtiere zu beobachten. In der Nähe befindet sich auch die einzige Holzbrücke entlang des Trails, die den Zugang zum historischen Athabasca Landing Trail ermöglichte – die „Redwater Bridge“. Die Brücke wurde im Design der ursprünglichen Holzbrücke von 1905 nachgebaut.

Wintersportbegeisterte kommen im Tawatinaw Valley voll auf ihre Kosten. Das Gelände ermöglicht Abfahrten für Anfänger und Fortgeschrittene – sowohl im alpinen als auch im nordischen Bereich; ca. 25 km Loipen führen durch ein reizvolles Gebiet.

Immer wieder lässt sich Geschichte entlang des malerischen Athabasca Landing Trails hautnah erleben: Eine besondere Sehenswürdigkeit sind z. B. in Perryvale die Grabstätten von Ureinwohnern (Cristall Creek).

In Colinton, einem kleinen Weiler, befindet sich ein gemütlicher Picknickplatz zum Verweilen. Entlang des Great Trails befinden sich in allen Provinzen und Territorien insgesamt derzeit 86 Pavillons, sog. „Get Together Locations“ (Athabasca-Pavillon/Riverside Park; Edmonton-Pavillon/Louise McKinney Riverfront Park). Es steht die Idee dahinter, das Gemeinschaftsgefühl der Wanderer beim Austauschen von Geschichten oder beim gemeinsamen Picknick zu stärken. „The Great Trail“ fördert somit nicht nur Bewegung, sondern auch Begegnung!

Endstation des Athabaska Landing Trails ist Athabasca, ca. 145 km nördlich von Edmonton. In Athabasca lässt sich entlang des Rotary Trails viel über die Geschichte und Bedeutung des mächtigen Athabasca Rivers erfahren, der einst für den Transport von Pelzen und zu Zeiten des Goldrausches eine bedeutende Rolle spielte. Die historische Wanderung entlang des Rotary Trails ist für Fußgänger, Radfahrer, Skateboarder und teilweise auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Picknicktische und Bänke laden dazu ein, am Flussufer zu verweilen und die Natur zu bestaunen – ein idealer Ort zum Entspannen!

Mit der Entstehung der Eisenbahn und Straßen in dieser Region wurde der Athabasca Landing Trail, die „100-Meilen-Portage“ immer weniger genutzt. Infotafeln entlang des gesamten Athabasca Landing Trails erklären den historischen Hintergrund und die einzigartige Geschichte des Trails.

 

 

 

ALBERTA – „Wild Rose Country“ … in der westkanadischen Provinz bleibt für Outdoor-Enthusiasten kein Wunsch offen! Ob Wandern, Radfahren, Bergsteigen oder Wintersport, Reiten, Rafting, Kanufahren oder Tiere in freier Wildbahn beobachten oder zu fotografieren – hier bietet sich in großartiger Landschaft zu allen Jahreszeiten und für jeden Geschmack Abenteuer und Spaß in großer Vielfalt.

ALBERTA – „Wild Rose Country“ … In Alberta ist immer noch das einsame, das wilde Kanada zu finden! Der Traum vom Abenteuer in der Wildnis wird in Albertas Norden wahr!

map: The Great Trail

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1 comment

Ira Hoch
Ira Hoch 19. Mai 2019 - 08:13

Wow! Ein toller Artikel, der innere Bilder erschafft, so dass man unweigerlich bereits beim Lesen einen Fuß auf den Trail setzt und startet. Ich hoffe, für mich wird das nächstes Jahr wahr und die Bilder dann zur Realität.
Danke für einen großartigen Text!

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