Aussterben oder überleben

von Peter Iden

Weltweit sind heute etwa eine Million Spezies von Tieren und Pflanzen in Gefahr, auszusterben, und dieses Aussterben hat sich seit Anfang 1900 erheblich beschleunigt.
Schuld daran sind die Änderungen im Gebrauch der Landgebiete sowie der Ozeane, die Ausbeutung der Organismen, die Luft- und Wasser-Verschmutzung, und invasive Arten.
Diese alarmierende Nachricht wurde nach einem Treffen der IPBS, der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem-Services (IPBS) in Paris vom 29. April bis zum 4. Mai 2019 bekannt gegeben.
Der umfassende Bericht wurde in allen massgeblichen Medien der Welt veroeffentlicht. Ihre Informationen wurden während der letzten drei Jahre von 145 Experten aus 50 Ländern aus mehr als 15.000 Quellen der Wissenschaften und Regierungen, mit Hilfe von 310 weiteren Experten, zusammen gestellt.
Kann man dieses katastrophale Aussterben verhindern?


Kaum. Man kann zwar persönlich sein Bestes tun, um zumindest die Verschmutzung seiner Umwelt zu reduzieren, die anderen Faktoren sind jedoch auserhalb unserer direkten Kontrolle. Und natürlich, wir können zahlreichen Organisationen beitreten oder sie finanziell unterstützen, aber die Kontrolle über ihre Aktivitäten ist ebenfalls nicht in unserer Kontrolle.
Nur wenige Menschen haben aber die Gelegenheit, am Überleben einer aussterbenden Lebensform mit zu wirken. Ich habe das Glück, dass ich zweimal dabei sein durfte, ein vom Aussterben bedrohtes Spezies vor dem entgültigen Verschwinden von diesem Planeten gerettet zu haben.
Die Große Kanada Gans (Great Canada Goose, ein Mitglied eines der sieben Unterspezies), ist die größte Gans der Welt. Sie wiegt bis zu 9 kg und hat einen langlebigen Rekord von 30 Jahren und vier Monaten. Obwohl sie heutzutage in vielen Gegenden ganzjährig zu finden ist, ist sie ursprünglich ein Teilzügler, die den Winter auf den offenen Gewässern der mittleren USA verbringt.
In der Mitte der 1950’er Jahre wurde sie als ausgestorben angesehen. Nur noch wenige der monogamen Brutpaare existierten in den Privatparks und den Teichen einiger reicher Kanadier. Der einzige öffentliche Park, der noch ein einziges Paar der Gänse hatte, war der Kortright Waterfowl Park bei Guelph, Heimat des Niska Waterfowl Research Centre.
Die wissenschaftliche Spezies-Gruppe in der Familie “Branta” enthält fünf Spezies, inclusive der Kanada-Gans, alle außer einer beheimatet auf dem Nord-Amerikanischen Kontinent. Mit Ausnahme der Nene sind sie sämtlich als Kanada-Gänse erkennbar. Die Nene ist heimisch auf den Inseln Hawaii, Kauai und Maui.

Es ist die Große Kanada-Gans, welche heutzutage in vielen Ländern sehr zahlreich vertreten ist und dort oft als seine Plage (wenn nicht sogar als Schädling) angesehen wird. Selbst Königin Elizabeth, als Kanada ihr einige der Gänse für ihren Garten schenken wollte, sagte ab: “Nein Danke, die machen nur Schmutz im Garten, und das ist nicht gut für meine Corgies” (ihre Hunde).
Kanada-Gänse versammeln sich in kleineren bis größeren Gruppen außerhalb ihrer Brutzeit, während der sie agressiv territorial und angriffslustig sind. Sie haben wenige Freunde wegen ihrer Verwüstung von Feldern (spezifisch Getreidefelder) und sind sehr lautstark. Eine ihrer angenommenen Gewohnheiten ist das Betteln nach Futter, was natürlich hauptsächlich bei Kindern sehr positive ankommt. Sie sind zufrieden mit dem kleinsten Wassertümpel als Nistplatz für sie und ihre Brut.
Für mich gibt es kein mehr typisches kanadisches Geräusch als die lauten Rufe eines Schwarms der Gänse in einer ihrer V-förmigen Flugstriche am Himmel.
Aber zurück zum Anfang meines Berichts. In 1965 arbeitete ich freizeitlich als Naturführer in den Parks von Toronto. Einer dieser Park waren die Inseln vor der Stadt, die “Toronto Islands”. Mein Boss Tommy Thompson hatte sich bereit erklärt, sämtliche der noch existierenden Paare der Kanada -Gans auf einer der Inseln zu beherbergen. Meine Arbeit als Mitglied der Naturschule für Schulkinder auf der Center Island schloss die tägliche Fütterung der etwa ein Dutzend (etwas später einige mehr) Kanada-Gänse ein. Das einzige Bild von dieser damals kaum publizierten Aktivität wurde von mir im Sommer 1955 gemacht.
Die Center Island Gruppe von Gänsen war der Kern für sämtliche der heute existierenden 3 Millionen Kanada-Gänse in Kanada (5 Millionen in Nord-Amerika), sowie deren enorme Anzahl in anderen Ländern. Auch in einigen Plätzen in Deutschland sind sie inzwischen zu Problemen geworden. Der deutsche Sauberkeitssinn kann sich eben nicht mit “Gänse-Exkrement” auf dem Rasen auseinander setzen!
Meine Chance zu der zweiten Rettung einer Vogelart vor ihrem Austerben kam kürzlich in Wasaga Beach, wo eine Gruppe von Naturfreunden sich dem Schicksal eines ihrer Strandvoegel angenommen hat. Es ist der “Ringed Plover”, ein Killdeer-ähnlicher Vogel, jedoch kleiner und mit nur einem einzigen schwarzen Nackenring (ein Killdeer hat zwei). Die Killdeer haben ihren Namen nach ihrem Ruf, der Ringed Plover pfeift nur klagend.
Vor 50 Jahren gab es nur einige wenige Piping Plovers, hauptsächlich im US Staat Michigan. Die erfolgreiche Beschützung ihrer Nistgebiete dort und auf anderen Stränden an den Great Lakes hatte zum Ergebnis, dass Kanada in 2011 etwa 450 Paare mit Nesten und jungen Vögeln gemeldet wurden.
Piping Plovers nisten auf breiten, sandigen Stränden wie die von Wasaga Beach, Sauble Beach und anderen an den Großen Seen, sowie auf den nördlichen “Great Plains” und an den Küsten des Atlantischen Ozeans.
Also genau dort, wo die Stadteinwohner der Umgegend ihre Wochenenden und Sommerferien verbringen. Es sind scheue Vögel, und jede Störung ihres Friedens hat seine Auswirkungen auf sie. Dazu kommt die Gefahr von frei laufende Hunden, nestraubende Möven, Krähen, Waschbären und anderen futtersuchenden Tieren.
Gruppen von Voluntären (in Wasaga Beach die “Guardians of the Piping Plover”) haben sich in nächster Nähe der Strände zusammen getan, um die Nester der Piping Plovers unter dauernder Beobachtung zu behalten. Die Freunde der Piping Plovers sind eine in ganz Nord-Amerika verbreitete Organisation unter verschiedenen Namen. Da die Vögel meistens zu denselben Plätzen zurück kehren, werden Zäune aufgebaut, um die Strandbesucher von den Nesten fern zu halten.
Der Job eines der etwa 50 Voluntäre ist es, Besuchern der Strände den Grund für die Einzäunungen zu erklären und über das Wohlergehen der Voegel zu wachen. Die Beringung der jungen Voegel liegt ebenfalls in unserem Aufgabengebiet. Das habe ich schon einmal vorher (in 1956) an der Long Point Banding Station gemacht, wo an der Spitze der schmalen 30 km langen Dünen-Halbinsel ebenfalls Piping Plovers nisten (die Long Point Halbinsel ist Privat-Eigentum und nur mit Erlaubnis der Eigentümer und mit Allrad-Antrieb Fahrzeugen befahrbar)

Am Strand von Wasaga Beach werde ich auf “meinem” angewiesenen Nistplatz am Strand von Wasaga Beach stationiert sein und werde dann ab Ende Mai täglich dort bei jedem Wetter am Strand sein, viel laufen (gut für meine Gesundheit) oder nur dort sitzen. Ist das ein “Traumjob”? Die Frage werde ich wahrscheinlich nach dem ersten Sturm und einigen kühlen Tagen beantworten können. Die gewaltigen Stürme der Großen Seen wurden schon oft beschrieben und besungen.
Da die Nistplätze (ausser einem am Hauptstrand) sämtlich im Wasaga Beach Provincial Park gelegen und daher mit dem Auto erreichbar sind, sollte ein Rückzug in meinem Auto bei ungünstigem Wetter kein großes Problem sein.

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