Meine TOP-TEN Reisetipps für die Provinz Québec [Teil 1]

von Marc Lautenbacher

So langsam denkt man wieder an eine Fernreise, sowohl die Leute hier in Kanada wo ich wohne, als auch meine Freunde und Bekannten im europäischen Ausland, insbesondere in Deutschland natürlich! In diesem Sinne habe ich meine ganz persönlichen TOP-TEN Reisetipps in der Provinz Québec für unsere Leser zusammengestellt. Sie sollen jedem einen kleinen Vorgeschmack davon geben, was man vor Ort in etwa erwarten darf !!!

Tipp Nr. 1
L’Île d’Orléans: charmantes Ausflugsziel nahe Québec Stadt

Gleich vor den Toren der Stadt Quebec liegt mit 35 Kilometern Länge die zweitgrößte Insel im Sankt-Lorenz-Strom. Die Insel hat sich mittlerweile zu einer ganzjährigen Touristenattraktion entwickelt, die als Ferienparadies zum Entdecken geradezu einlädt.
Im Winter kann man kilometerweit Schneemobil fahren oder Ski-Langlaufen und gutes, vor Ort gebrautes Bier kosten. Im Frühling kann man bei Ebbe auf dem Flussbett herrliche Wanderungen unternehmen und in einigen der lokalen “Zuckerhütten” sich mit Ahornsirup einen Lolli drehen. Aber auch die am Fluss angeschwemmten, gigantischen Eisschollen bewundern (siehe Foto) oder die lokale Spezialität “Eiswein” oder “Crème de Cassis” probieren.
Dann, in den fantastisch heißen Sommermonaten sollte man unbedingt einer der unzähligen Farmen einen Besuch abstatten, um dort Forellen zu angeln, frisches Gemüse einzukaufen, Käse zu probieren oder am Sandstrand im Sankt-Lorenz plantschen. Im Herbst laden dann oft sehr idyllisch gelegenen Obstplantagen zur Ernte von saftigen Blaubeeren oder knackigen Äpfeln ein, die man selbst pflücken darf. Nicht zu vergessen sollte man einem der dortigen Spitzenrestaurants einen Besuch abstatten, es lohnt sich. Ich kenne drei davon!

 

Tipp Nr. 2
Trois-Rivières: ehemals Zentrum der Papierindustrie mit historischem Stadtteil

Auf halbem Weg zwischen Montréal und Québec liegt die Stadt Trois-Rivières, zu Deutsch „drei Flüsse“. Die Bezeichnung geht auf ein Missverständnis zurück, als man annahm, dass drei verschieden Flüsse in den Sankt-Lorenz-Strom fließen. Dabei sind es die drei Mündungsarme des recht ansehnlichen Saint-Maurice Flusses.
Mit heute zirka 130.000 Einwohnern ist die Stadt seit Jahrzehnten das Zentrum der Papierindustrie Québecs und sie gilt als eine der ältesten Industriestandorte Kanadas. Die vom Staat wegen ihrer historischen Bedeutung gut gepflegten Anlagen „les Forges du Saint-Maurice“ bezeugen dies gut und sind sehenswert.
1634 gegründet und 63 Jahre später Sitz eines Klosters des Frauenordens der heiligen Ursula, das heute den historischen Altstadtkern bildet, konnte die Stadt erst im Jahre 2014 ihr 380-jähriges Bestehen feiern. Heutzutage ist die kleine Metropole Regionalhauptstadt und bekannt für ihre Universität, ihre 2,57 Kilometer lange Tourenwagenrennstrecke, das in Ostkanada viel beachtete Poesiefestival sowie für die „Biennale Internationale d’estampe contemporaine“, zu Deutsch: Internationale Ausstellung zeitgenössischer Druckkunst. An vier verschiedenen Ausstellungsorten werden eine große Bandbreite aktueller Druckkunstwerke gezeigt. Es ist die wichtigste Ausstellung mit hochkarätigen Künstlern aus der ganzen Welt in Kanada. Wir waren schon öfters dort.

 

Tipp Nr. 3
Parc national de la Mauricie: herrlicher Nationalpark mit riesiger Seenplatte zum Kanufahren

JA, man kann ohne Übertreibung sagen, dass dieser Nationalpark der mit den „Tausend Seen und endlosen Wäldern“ ist. Mit 536 Quadratkilometern steht der „Parc national de la Mauricie“ flächenmäßig an siebter Stelle unter den 44 Nationalparks Kanadas und an neunter Stelle von weiteren 39 sogenannten Provinzparks von Québec. Er ist bekannt für seine vielen großen und kleinen Seen jeglicher Ausprägung sowie für unzählige Wasserfälle, Teiche, Moore und Feuchtgebiete. Die Artenvielfalt seiner Flora und Fauna ist dementsprechend hoch. Im Verlauf von nur 3 Tagen haben wir Graureiher, den scheuen Eistaucher, einen ganzen Trupp junger Birkhühner, Schwarzspechte, Bussarde, Großlibellen und Teichfrösche plus den auch in Kanada seltenen Schwalbenschwanz beobachten können sowie grandiose Bauleistungen mehrerer Biber, meinem unbestrittenen Lieblingstier!
Natürlich sind Großwild wie Elche, Hirsche und Schwarzbären im Park heimisch sowie Wolf, Rotfuchs und Kojote. Nur ist dieser Nationalpark so ausgedehnt und mit undurchdringlichem Wald bewachsen, daß man selten Gelegenheit haben wird, auf diese Tiere zu stoßen.
Der Park erschließt sich durch eine einzige asphaltierte Hauptstraße, die sich 63 Kilometer durchs Gelände mäandert und die beiden Haupteingänge verbindet. Alle wichtigen Servicezentren, Wanderwege, Park- und Campingplätze sind von dieser aus gut erreichbar. Ich empfehle die Kaskaden gleich beim Besucherzentrum „Shewenegan“ (siehe Foto), wo sich einer der drei Kanuverleihe des Parks befindet, das Moorgebiet „La Tourbière“, die Aussichtsplattform „Le Passage“ und der Badesee mit Sandstrand „Lac-Éduard“, den man auch 4 Kilometer entlang wandern kann.
Wer im Park übernachten will, der kann außerdem ein fix und fertig aufgebautes und komplett ausgestattetes Zelt anmieten, genannt „ oTENTik“.

Tipp Nr. 4
Benediktinerabtei „Saint-Benoît-du-Lac“ am See mit eigener Käserei

Etwas versteckt, direkt am Westufer des Sees Memphrémagog in den Ostkantonen Québecs gelegen, ragt malerisch die Abtei des Benediktinerordens „Saint-Benoît-du-Lac“ aus dem Wald empor. Es ist eines der neun Benediktinerklöster in Kanada. Die heutige Ordensgemeinschaft zählt aktuell dreißig Mönche, die nach den Regeln des Heiligen Benedikt, der diese in 73 Kapiteln niederschrieb, ein Leben als Ordensbrüder ausüben.
Benedikt von Nursia (italienisch San Benedetto di Norcia), der von 480 bis 547 in Umbrien lebte, wird als der Stammvater des mönchischen Lebens des Abendlandes bezeichnet. Einfache Ernährung, feste Zeiten für Gebet, das Studium, die Arbeit und Ruhezeiten sowie zölibatäres Leben waren seine ehernen Grundsätze. Um 529 gründete er auf dem Montecassino bei Neapel das erste Kloster der Benediktiner. Es erlangte traurige Berühmtheit, als Luftstreitkräfte der Alliierten am 15. Februar 1944 das Kloster volle drei Stunden lang bombardierten und es völlig zerstörten, es nach dem Krieg jedoch wieder aufgebaut wurde.
Das Kloster „Saint-Benoît-du-Lac“ wurde 1912 gegründet, aber erst am 11. Juli 1941 wurde das heutige Gebäude eingeweiht, die Klosterkirche gar erst 1994. Eine große Vielfalt an Produkten, die von den Mönchen selbst hergestellt werden, kann man im ganzjährig geöffneten Klosterladen erstehen, wie Kompott, Apfelweine, Fruchtgelees, sogenannte Apfelbutter und allerhand Bücher, CDs und religiöses Kunsthandwerk. Besonders empfehlenswert sind die 13 Käsesorten, die man auch in hiesigen Supermärkten bekommt. Der Blauschimmel „Bleu Bénédictin“ ist meine unbestrittene Lieblingssorte!

 

Tipp Nr. 5
Thetford Mines, kleiner Ort mit erstaunlichen Zeugnissen früherer Asbestminen

Das imposante Städtchen mit gerade einmal 25.000 Einwohnern habe ich so ganz durch Zufall kennenlernen dürfen. Einer unserer guten Bekannten lud uns in sein Sommerhaus, das am „Lac Alymer“ liegt, zu einer Gartenparty an genau diesem See ein. Um dorthin zu gelangen, muss man mit dem Auto mitten durch Thetford Mines fahren. Schon von weitem leuchten einem die weißen, immens hohen, in den Dimensionen von Mittelgebirgen aufgeschütteten Abraumhalden entgegen, die das Städtchen umgeben. Ein Eindruck, der mich – noch lange nach unserer Durchfahrt – nicht mehr losließ und ich forschte zu Hause nach!
Ein gewisser Joseph Fecteau entdeckte vor nunmehr über 140 Jahren äußerst bedeutende Vorkommen des Minerals Chrysotil in der Gegend, die aus der Mineralklasse der „Silikate“ stammen, im Volksmund auch Asbest genannt. Da diesem Mineral eine faserartige Beschaffenheit zu eigen ist, wurde es zur Herstellung von aller Art elastischer Materialien verwendet, die einer großen Hitze ausgesetzt werden müssen. Schon die alten Griechen kannten diese Eigenschaft (griech. asbestos für „unvergänglich“ bzw. „unbrennbar“). 
1877 nahm die erste Mine den Betrieb auf und die Arbeitersiedlung wuchs unaufhörlich in der damals völlig unbewohnten Gegend. Über viele Jahrzehnte dann war die kleine Stadt weltweit führend in der Asbestindustrie. Zu Beginn der 80er Jahre entdeckte man, dass das Einatmen von Asbeststaub zu Lungenkrebs führen kann. Daraufhin wurde in den USA, in Deutschland erst ab 1993 und in der gesamten Europäischen Union ab 2005 die Verwendung verboten, Thetford Mines musste sich umorientieren. Heute erinnern ein aufschlussreiches Bergbaumuseum, das Musée minéralogique et minier und die immer noch weißen Berge an diese Boomzeit. 

Beitrag und Fotos:
Marc Lautenbacher (zertifizierter Stadtführer in deutscher Sprache für die Stadt Québec)

Weiter zu Teil 2 der Top-Ten-Reisetipps

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2 Kommentare

lautenbacherpublications 23. April 2022 - 19:47

Lieber Peter,
schön, dass Dir mein Beitrag TEIL 1 gefallen hat. Der zweite Teil ist bereits in der Pipeline. Im übrigen ist meine Haupmotivation dieser beiden Artikel, dass unsere deutschen Leser (aktuell rund 500 pro Tag) auch erkennen, dass es in Ostkanada aufregende, um nicht zu sagen S P E K T A K U L Ä R E Dinge zu sehen gibt und nicht nur im Westen des Landes!!! Ausserdem freue ich mich immer auf deutsche Besucher, denen ich gerne eine Stadtführung in meiner neuen Heimat Québec in ihrer Muttersprache anbiete! In Diesem Sinne auf ein Neues!!!

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Peter Iden 20. April 2022 - 17:24

Super-Beitrag, Marc! Viele der Plaetze sind mir persoenlich bekannt vo Besuchen, Skifahren und z.B. einer Regatta auf dem St.Lawrene River bei Trois-Rivieres. Best regards, Peter Iden, Wasaga Beach, ON.

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